Mini Cooper D: Diesel mit fünf Türen und drei Zylindern im Test

Die Idealvorstellung, die der gewöhnliche Enthusiast von einem Mini hat, ist in etwa folgende: Ein extrem kleines, knuffiges Autochen mit den vier Rädern in den vier Ecken treibt ein viel größeres, viel stärkeres Sportgefährt auf der Rennstrecke oder einem Bergpass in den Wahnsinn. Dabei lenkt es wie ein Kart und aus seinem Auspuff kommen unanständige Geräusche. Leider lässt sich mit der Idealvorstellung einiger Enthusiasten in den wenigsten Fällen genug Geld verdienen, weshalb kürzlich eine etwas andere Art Mini in unserer Redaktion aufschlug: Er ist das Gegenteil von extrem klein, hat die vier Räder nicht mehr wirklich in den vier Ecken und wenn ich richtig gezählt habe, dann hat er zwei Türen zu viel. Immerhin kommen aus seinem Auspuff unanständige Geräusche. Allerdings spratzt und ploppt es nicht, es nagelt.

Mehr Fülle, gleicher Spaß
Wir haben hier also einen beinahe vier Meter langen, fünftürigen Mini mit einem Dreizylinder-Dieselmotor. Liebe Emotion, auf den ersten Blick hast du dich verdammt gut versteckt. Kannst du bitte rauskommen? Das ,auf den ersten Blick" habe ich übrigens ganz bewusst gewählt, weil man den Mini-Erbauern eines lassen muss: Egal wie sehr der Neuzeit-Mini mit jeder seiner inzwischen drei Generationen physisch zugelegt hat, er fühlt sich immer noch knackig und auf den Punkt und viel sportlicher an als die gesammelte Konkurrenz. Meiner Meinung nach schreit das Mini-Fahrverhalten geradezu nach einem kräftigen Benziner und immerhin 65 Prozent aller Mini-Schräghecks werden auch ohne stinkende Finger betankt. Im Umkehrschluss heißt das aber, dass 35 Prozent – das sind ganz schön viele – einen Selbstzünder unter der Haube haben.

Der BMW-Diesel muss ja gut sein
Drei Rußbomber bieten die bayerischen Briten derzeit an. Wir probieren den mittleren, im Cooper D. Er hat drei Töpfe und 1,5 Liter Hubraum, aus denen BMWs Motorengurus 116 PS und 270 Newtonmeter befreit haben. Das reicht für 9,4 Sekunden von null auf 100 km/h und angeblich auch für 203 km/h Topspeed (sagen wir mal so: ab 180 km/h sollten Sie verdammt viel Zeit mitbringen und noch ein gutes Stück freie Autobahn vor sich haben). Bemerkenswert ist der Normverbrauch, den Mini mit 3,6 Liter angibt. Man merkt schon: BMW hat es beim vorliegenden Aggregat ernst gemeint, schließlich soll das Teil in Zukunft ja auch in den eigenen Fronttrieblern Dienst leisten.

Der Diesel tut seinen Job
Im Fahrbetrieb fällt der Drei-Pötter durch frühen, recht ordentlichen Schub und eine annehmbare Geräuschkulisse auf (gegenüber anderen Dreizylinder-Dieseln, die sich anfühlen, wie ein schlecht gelaunter Schlagbohrer, ist das hier der Himmel). Fürs alltägliche Dahinbummeln reicht die Kraft mehr als dicke, auch wenn das kleine Dieselchen seine Lust oberhalb von 3.900 Touren doch merklich zurückfährt. Der Rest des Mini-Fahrerlebnisses ist trotz knapp 60 Kilo Fünftürer-Aufschlag so unmittelbar und gierig wie gewohnt. Mit einer gegenüber dem Vorgänger deutlich verbesserten Schaltung und einem sanft mitlenkenden Heck, dass zu keinem Kreisverkehr-Spaß nein sagt.

Ein Modus genügt
Klar, andere Kleinwagen gehen weniger straff zu Werke, aber hier wussten ein paar Fahrwerksmenschen, wie man Freude spendet und schließlich sind wir noch weit weg von unangenehm. Von den drei Modi – Green, Normal und Sport – ,die sich wie eigentlich alles, was man im Mini macht, durch einen bunt blinkenden Kreis ums Infotainmentsystem ankündigen, scheint ,Normal" übrigens die beste Wahl zu sein. Zumindest wird im Sport-Modus die Lenkung künstlich hart gestellt, was fahrdynamisch nichts bringt und dem fantastischen, natürlichen Gefühl der Lenkung im Normal-Modus widerspricht. Außerdem sollten die Verantwortlichen dafür gehauen werden, dass auf dem Zentraldisplay ,Maximales Gokart-Feeling" erscheint, sobald man den Sportknopf drückt.

Mehr Kofferraum, kaum Beinfreiheit
Den wohl größten Sprung hat der aktuelle Mini aber trotz zweifelhafter Go-Kart-Ansagen und der seltsamen Lichtshow in der Kabine gemacht. Nicht, dass sie trotz deutlich gewachsener Außenmaße irgendwie luftiger wirken würde (eher das Gegenteil ist der Fall), aber Optik, Qualität, Bedienung und das Gestühl sind auf einem komplett anderen Level. Ach ja, erwarten Sie von den 72 Millimeter mehr Radstand des Fünftürers keine Wunderdinge. Der Platz im Fond profitiert jedenfalls kaum davon und der Einstieg über die hinteren Ritzen … äh ...Türen fördert nicht unbedingt die eigene Eleganz. Immerhin dürfen sich Fünftürer-Kunden über einen um 67 Liter gewachsenen Kofferraum freuen. Mit 278 Liter ist er nun auf Polo-Niveau.

Mehr Durst als angegeben
Ob es am Ende wirklich der Fünftürer sein muss, oder ob nicht auch der (zumindest meiner Meinung nach hübschere) Dreitürer genügt, dürfen Sie meinetwegen selbst entscheiden. Die Fahr- und Verbrauchswerte des Fünftürers sind unmerklich schwächer. Fahrdynamisch büßt er im Vergleich zum grandiosen Dreitürer gar nichts ein. Wenn Ihnen zwei sehr enge Türen und ein bisschen mehr Kofferraum 900 Euro Aufpreis wert sind, machen Sie sicher auch mit dem Mini 5-Door nichts falsch. Der 116-PS-Diesel macht einen anständigen Eindruck, ohne aber wirklich ans Herz zu appelieren, wie das zum Beispiel schon der 136-PS-Dreizylinder-Benziner im Cooper tut. Außerdem lag unser Testverbrauch mit 5,7 Liter mehr als zwei Liter über der Werksangabe. Der Mini Cooper D Fünftürer startet bei 22.350 Euro. Zum Vergleich: Der geschliffenere, aber langweiligere VW Polo mit 105-PS-TDI kostet als Fünftürer ab 20.200 Euro.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Mini plus fünf Türen plus Diesel ist noch immer Mini. Trotz größerer Ausmaße und mehr Gewicht fährt der Fünftürer so genial wie immer. Der Dreizylinder-Diesel ist für die meisten Fälle ausreichend, zu einem talentierten Derwisch wie dem Mini passt ein stärkerer Benziner (oder der fuchsteufelswilde 170-PS-Diesel im Cooper SD) aber besser.

    + noch immer extrem hoher Fahrspaß, hochwertiges Interieur

    - Ordentlicher Diesel passt nicht ganz zum sportlichen Mini, Platzgewinn beim Fünftürer marginal, preislich gehoben

  • Antrieb
    80%
  • Fahrwerk
    95%
  • Karosserie
    80%
  • Kosten
    75%

Preisliste


Mini Cooper D

Grundpreis: 22.350 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik 370
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe ab 1.700
Bildschirmnavigation ab 1.300
CD-Radio Radio ohne CD-Spieler Serie
elektr. Schiebedach 900
Metalliclackierung 500
Leichtmetallfelgen Serie (15 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat 290 (inklusive Multifunktionslenkrad)
Lederausstattung 1.750
Xenonlicht 790 (LED-Scheinwerfer)
Kurvenlicht 990 (LED-Scheinwerfer mit Abbiegelicht)
Nebelscheinwerfer 150
Head-up-Display 500
Einparkhilfe vorne und hinten 790
Rückfahrkamera 340
Driving Assistant Assistenzsysteme-Paket 990

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Dieselmotor, Turbo 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.496 
Leistung in PS 116 
Leistung in kW 85 
bei U/min 1.750 
Drehmoment in Nm 270 
Antrieb Vorderradantrieb 
Gänge
Getriebe manuell 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.501 
Spurweite hinten in mm 1.501 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.982 
Breite in mm 1.727 
Höhe in mm 1.425 
Radstand in mm 2.567 
Leergewicht in kg 1.265 
Kofferraumvolumen in Liter 278 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 941 
Tankinhalt in Liter 44 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 203 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 9,4 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 3,6 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 4,4 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 3,2 
Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 5,7 
CO2-Emission in g/km 95 
Schadstoffklasse Euro 6 


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