Mini Cooper S Countryman All4 im Test

Eingefleischte Mini-Fans rümpfen über den Countryman meist die Nase. Denn mit dem Subkompakt-SUV hat sich die Marke weit von der Go-Kart-Charakteristik des ,richtigen" Mini entfernt. Aber auch die Optik ist bei weitem nicht so cool wie beim kleinen Verwandten. Der Popularität hat das keinen Abbruch getan. Nun erhält der Land(s)mann wie sein dreitüriger Verwandter Paceman ein sehr dezentes Facelift – für uns der Anlass für einen Test.

Lifting statt Neuauflage
Der Countryman ist seit 2010 auf dem Markt und hat sich damit nach dem üblichen Terminschema ein Facelift verdient. Der 2013 nachgeschobene Paceman wird bei dieser Gelegenheit gleich miterledigt. Soweit, so gut, doch ist die neue Generation des Mini bereits auf dem Markt. Warum stellt man dann die zwei Modelle nicht gleich auf die neue Basis? Müssen wir noch weitere vier Jahre auf die wirklich neuen Modelle warten? So lange nicht, heißt es bei Mini, es werden wohl eher zwei Jahre sein. Erstmal erhalten Countryman und Paceman also minimale optische Änderungen innen und außen sowie leicht modifizierte Motoren, die nun sämtlich die Euro-6-Norm erfüllen und sparsamer sind.

Sechs PS mehr für den Cooper S
Der Countryman besitzt als Cooper S nun 190 statt 184 PS. In der gefahrenen Version All4 mit Allradantrieb beschleunigt das Auto nun in 7,7 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht 215 km/h – eine geringfügige Verbesserung. In der Fahrpraxis fühlt man sich mit dem 1,6-Liter-Benziner gut motorisiert, der Wagen weckt aber keine Emotionen und animiert nicht zu sportlichem Fahren. Das liegt auch am etwas enttäuschenden Sound, der eigentlich nur laut und tief ist, aber niemals grollend.

Über ein Liter weniger Verbrauch
Zu den deutlichsten Verbesserungen gehört der Verbrauch, der beim Cooper S von 7,7 auf nur noch 6,4 Liter je 100 Kilometer sank. Anders als sonst oft verbrauchten wir auf unserer Ausfahrt auch nicht wesentlich mehr: 7,4 Liter meldete der Bordcomputer nach unserer Landstraßen-Ausfahrt. Zum Sparerfolg tragen eine verbesserte Aerodynamik am Unterboden, reibungsärmere Radlager und leichtere 17-Zoll-Felgen bei.

Gemütliches Fahrwerk
Das Fahrwerk ist für das gemütliche Cruisen gemacht. Es wirkt nur bei ganz schlechtem Fahrbahnbelag hart und ist wesentlich komfortabler als beim ,richtigen" Mini. Go-Kart-Feeling wie bei diesem darf man freilich nicht erwarten, wie sich beim simulierten Pylonenwedeln sehr deutlich zeigt. Mit dem optionalen Sport-Button kann man die Lenkung direkter stellen, der Einfluss auf die Gasannahme ist kaum spürbar. Die beim neuen Mini angebotenen ,Driving Modes" fehlen. Das Gleiche gilt für einstellbare Dämpfer und weitere Goodies wie Head-up-Display oder Abstandstempomat. Der neue Countryman ist eben kein wirklich neues Auto wie der kleine Mini.

Ärgerlich: Fast keine Sperre für den Rückwärtsgang
Der Cooper S Countryman erhielt am Grill eine Chrom-Querlamelle und ein rotes S. Innen wurden nur ein paar Chromdetails ergänzt, und das Zifferblatt des Rundinstruments vor dem Fahrer ist nun grau statt weiß – nun ja. Die meisten Materialien genügen dem Premiumanspruch von Mini, ein paar Elemente wie zum Beispiel die Handbremse bestehen aber aus billigem Hartplastik. Die Schaltung fällt durch ein knorpeliges Gefühl auf, das aber kein Nachteil ist. Sehr ärgerlich ist nach wie vor, dass man beim Anfahren leicht mal den Rückwärtsgang statt des ersten Gangs erwischt – wenn man nämlich den Hebel mit zu viel Kraft nach links drückt. Das kann an der Ampel böse enden: Bemerkt man den Fehler nicht und gibt Gas, fährt man den Hintermann an.

Gute Rundumsicht, aber kleine Außenspiegel
Die beim Cooper S serienmäßigen Sportsitze lassen am Rücken zu viel Spielraum nach links und rechts. In schnell gefahrenen Kurven hängt man doch recht schräg im Sitz. Die Rundumsicht ist jedoch gut, die dünnen Säulen sind kaum im Weg. Wenig erfreulich ist aber der nach wie vor zu tief angeordnete Außenspiegel auf der Beifahrerseite. So werden etwa 15 Prozent der ohnehin kleinen Spiegelfläche durch die Bordwand verdeckt.

Verschiebbare Rückbank mit viel Beinfreiheit
Die Beinfreiheit im Fond hängt von der Position der Rücksitze ab, denn diese lassen sich in Längsrichtung verschieben. In der hinteren Position ist die gebotene Beinfreiheit für ein nur 4,11 Meter langes Auto hervorragend, und auch über dem Kopf bleibt genug Raum. Der Cooper S Countryman ist stets ein Fünfsitzer. In den Kofferraum passen 350 bis 1.170 Liter. Damit liegt das Auto auf dem Niveau eines Nissan Juke, in einen Skoda Yeti passt jedoch weitaus mehr. Ein optionaler Einlegeboden egalisiert die Ladeschwelle und sorgt für einen leidlich ebenen Ladeboden nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen.

Keine Premium-Konkurrenten
Der Preis für den Cooper S Countryman All4 liegt nun bei 28.450 Euro, der entsprechende Fronttriebler ist für 26.700 Euro zu bekommen. Die Ausstattung dürfte für viele Käufer ausreichen, auch Klimaanlage, CD-Radio und 17-Zoll-Aluräder gehören dazu. Ein direkter Wettbewerber ist schwer auszumachen. Kleine SUVs gibt es in rauen Mengen, aber keine Premium-Fahrzeuge und meist deutlich schwächer. Am nächsten kommen dem Testauto der Nissan Juke mit dem 190 PS starken 1.6 DIG-T, den es allerdings nur als Fronttriebler gibt, und der Skoda Yeti 1.8 TSI 4x4, der jedoch nur 160 PS vorweisen kann. Beide sind ein paar tausend Euro günstiger.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • So cool wie ein richtiger Mini ist ein Countryman natürlich nicht. Das einzigartige Fahrgefühl fehlt genauso wie die schicke Optik. Dafür ist der Countryman komfortabler, bietet mehr Platz für Insassen und Gepäck. Schade nur, dass man noch lange nicht von den Vorzügen der neuen Mini-Generation profitiert. Gerade die flotten Dreizylinder könnten dem Land(s)mann mehr Pepp verleihen. Auch moderne Elektronikhelfer, wie man sie gerade von einem Premium-Auto erwartet, fehlen. Für den Durchschnittskäufer und seinen Alltag relevanter sind Minuspunkte wie die fast fehlende Rückwärtsgang-Sperre und der hohe Preis. Hier bezahlt man die jugendliche Mini-Aura mit, auch wenn der Countryman eigentlich eine ganz andere Art von Fahrzeug darstellt.

    + stark gesunkener Verbrauch, komfortables Fahrwerk, viel Platz im Fond
    - ungenügende Sperrung des Rückwärtsgangs, wenig Kofferraum, hoher Preis

  • Antrieb
    80%
  • Fahrwerk
    85%
  • Karosserie
    80%
  • Kosten
    70%

Preisliste


Mini Cooper S Countryman All4

Grundpreis: 28.450 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaanlage Serie
Klimaautomatik 400
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe 1.540
Bildschirmnavigation 1.590
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 900
Metalliclackierung 500
Leichtmetallfelgen Serie (17 Zoll)
Lederausstattung ab 1.450
Xenonlicht 690
Nebelscheinwerfer 250 (LED)
Start-Stopp-Automatik Serie
Dachreling Serie
Reifendruck-Überwachungssystem Serie
Sitzheizung vorne 290
Bluetooth-Freisprechanlage 420
Licht- und Regensensor 120
schlüsselloses Zugangssystem 390
Parkpiepser hinten 350
Kofferraum-Einlegeboden 180
Sport-Button 130

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Turbobenziner mit Direkteinspritzung, vollvariable Ventilsteuerung (Valvetronic) 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.598 
Leistung in PS 190 
Leistung in kW 140 
bei U/min 1.600 
Drehmoment in Nm 240 *) 
Antrieb Allradantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltung 
Fahrwerk
Räder, Reifen vorn 7J x 17 (Alu) mit Reifen 205/55 R17 
Räder, Reifen hinten wie vorne 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.109 
Breite in mm 1.789 
Höhe in mm 1.561 
Radstand in mm 2.595 
Leergewicht in kg 1.465 
Zuladung in kg 510 
Kofferraumvolumen in Liter 350 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.170 
Tankinhalt in Liter 47 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 215 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 7,7 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,4 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 8,0 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,5 
CO2-Emission in g/km 148 
Schadstoffklasse Euro 6 
Weitere Informationen
1/moreName *) mit Overboost: 260 Nm 


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