Bye Bye Tiguan: Der Skoda Kodiaq im Test

Palma de Mallorca (Spanien), 17. November 2016 – ,Ein Skoda ist immer ein bisschen mehr Auto", sagt Dieter Seemann, Vorstand für Beschaffung bei Skoda, und hat dabei ein breites Lächeln auf dem Gesicht. Der Grund für die gute Stimmung steht draußen auf dem Parkplatz des Flughafens Palma: der neue Skoda Kodiaq. Das erste SUV der Marke scheint intern für eine gute Stimmung zu sorgen. Zu Recht? Wir haben das neue und größte SUV der Kompaktklasse getestet. Und ja, nicht nur der attraktive Preis wird künftig Laune machen.

Optisch mehr Kombi als Geländewagen
Zeit für eine erste optische Bestandsaufnahme: Der Kodiaq hat zweigeteilte übereinander liegende Scheinwerfer, die ihm gut stehen. Im Gegensatz zu dem gerade gelifteten Octavia, der seine zweiteiligen Frontleuchten nebeneinander trägt. Das Heck erinnert an eine höhergelegte Version des Skoda Superb Combi. Nur irgendwie massiger. Obwohl der Kodiaq eine Außenlänge von 4,70 Meter hat (damit ist er über 20 Zentimeter länger als ein Tiguan) basiert er wie das kleinere Produkt von VW auf dem Modularen Querbaukasten (MQB). Klingt nach einem großen Brocken, oder? Aber tatsächlich ist er damit nur vier Zentimeter länger als ein Octavia Combi und deutlich kürzer als ein Superb Combi. Ein Konkurrenzprodukt? Der Land Rover Discovery Sport. Nur das dieser weniger wie ein höher gelegter Kombi und mehr wie ein Geländewagen aussieht.

Phänomenale Platzverhältnisse
Wieso sich der Disco Sport trotzdem als Vergleichsfahrzeug anbietet? Weil er in diesem Zwittersegment zwischen Kompakt- und Mittelklasse-SUV an den Start geht und wie auch der Kodiaq mit bis zu sieben Sitzen erhältlich ist. Sieben Sitze? In einem Auto, nicht viel größer als ein Octavia Combi? Ja, die Argumente dagegen machen Sinn. Doch es gibt zwei Punkte, die gegen die Es-wird-sicher-eng-im-Fond-Theorie sprechen. Denn erstens lässt sich die zweite Reihe um 18 Zentimeter längs verschieben und zweitens sind im Falle des Ich-muss-jetzt-alle-Plätze-besetzen-Falles nicht sämtliche Ihrer Freunde und Bekannten gleich groß, oder? So dürfte in dem variablen Innenraum jeder einen Sitzplatz finden, der passt und auch komfortabel ist. Und wenn die Fahrt ausgebucht ist, ist immer noch genug Stauraum für bis zu 270 Liter Gepäck hinter der dritten Reihe. Sie brauchen eher eine Cargoversion? Dann nehmen Sie die je nach Ausstattung 750 bis 890 Euro günstigere Fünfsitzer-Variante. So wächst der Kofferraum auf ein Volumen von 650 bis 2.065 Liter. Ein Manko: Nach dem Umlegen der Sitze entsteht kein ebener Ladeboden.

Simply Clever, oder?
Klingt bislang trotzdem nach einem ziemlich praktischen Auto, finden Sie nicht auch? Weil wir aber in einem Skoda sitzen, wird noch ein winzig kleines Extra-Quäntchen an Cleverness spendiert. Sie wissen schon, "Simply Clever" und so. 32 dieser Details sind es insgesamt. Neben aus anderen Modellen bekannten Features wie den Regenschirmen in den Türen, dem obligatorischen Eiskratzer in der Tankklappe und zahlreichen Ablagen und Verzurrmöglichkeiten im Innenraum gibt es eine Taschenlampe im Kofferraum und beim Öffnen der Türen werden etwa 15 Zentimeter lange Hartplastikleisten um die Türkanten gelegt. Praktisch, wenn man mal wieder zu langsam war mit ,Kinder, seid bitte vorsichtig beim Aussteigen". Außerdem verfügen die Fondsitze auf Wunsch über sogenannte Schlafkopfstützen mit Polsterteilen, die sich links und rechts ausklappen lassen und den Kopf stabilisieren, damit dieser beim Einnicken nicht an die Scheibe knallt. Darüber hinaus gibt es praktische Klapptische und die Möglichkeit das Smarthphone kabellos zu laden.

Schlicht, aber sehr gut vernetzt
Apropos Smartphone: Das Skoda-typische Cockpit (eine Passantin, die auf einem Parkplatz einen Blick riskiert, beschreibt das Interieur mit: ,Alles schön klar gegliedert, kein Pipifax"), hat es trotz der Schlichtheit ganz schön in sich. So ist der Kodiaq auf Wunsch – im ersten Jahr kostenlos – immer online und zeigt beispielsweise Benzinpreise der umliegenden Tankstellen oder liefert Live-Verkehrsinformationen. Und einen WLAN-Hotspot kann er auch noch generieren. Hinter dem Lenkrad bleibt es aber erst einmal bei klassischen Rundinstrumenten. In der Mittelkonsole lässt sich hingegen bereits der neue Achtzoll-Touchscreen ordern, der ab nächstem Jahr auch im gelifteten Golf erhältlich sein wird. Wie sich dieser große und gläserne Technik-Tempel bedienen lässt? Schlichtweg wunderbar und er fühlt sich genauso gut an, wie der Rest des sauber verarbeiteten Innenraums. Ebenfalls interessant ist die ,Skoda Connect App". Mit ihr lässt sich über das Smartphone beispielsweise die Restreichweite oder der Parkplatzort abrufen. Oder Sie planen ihre Reiseroute bequem auf dem Sofa und schicken die Strecke anschließend an das Navi im Auto.

Umfangreiches Assistenz-Angebot
Während Sie das Navigationssystem dann ans Ziel führt, kann man sich unterwegs von zahlreichen Assistenten unterstützen lassen. 24 sind es insgesamt. Weil auch Skoda sich bei der Pressekonferenz nur dazu entschließt, die wichtigsten aufzuzählen, sprengen wir auch hier nicht den Rahmen und beschränken uns auf die sinnvollsten. Praktisch sind der Einparkassistent mit 360-Grad-Rundumsicht, der adaptive Tempomat und der zuverlässig arbeitende Spurhalteassistent. Die beiden letzten Helfer lassen den Kodiaq bereits autonom in einem Stau fahren (bis 60 km/h). Und wenn Sie ab und zu mal einen Anhänger rangieren möchten, bietet der passende Assistent dazu Abhilfe für alle ungeübten Zugmaschinenführer.

Die Motoren: Drei Benziner, zwei Diesel
Sprechen wir aber nun endlich über die Punkte, die ein Auto zu einem Auto machen: die Antriebe. Den Kodiaq gibt es mit drei Benziner und zwei Dieseln mit 125 bis 190 PS. Außerdem hat man die Wahl zwischen einem manuellen Sechsgang-Getriebe, einem Sechsgang- sowie einem Siebengang-DSG. Als erstens entführen wir den kleinen Zweiliter-Diesel mit 150 PS und 340 Newtonmeter Drehmoment auf eine Testrunde. Der akustisch immer recht präsente Motor ist im oberen Drehzahlbereich schnell träge. Schuld daran ist aber nicht nur der Motor, sondern auch, dass der Kodiaq mit Diesel und dem optionalen Allradantrieb nicht mehr das eigentliche Leichtgewicht ist, sondern über 1,7 Tonnen auf die Waage bringt.

Der 1,4-Liter-Benziner mit 150 PS ist Trumpf
Wenn Sie also nicht unbedingt Lasten von über zwei Tonnen an die automatisch ausfahrende Anhängerkupplung hängen müssen, reicht auch der 150-PS-Benziner mit 1,4-Liter-Hubraum, mit 250 Newtonmeter etwas weniger Drehmoment und einer aktiven Zylinderabschaltung. Lassen Sie jetzt noch den Allrad weg (der Frontantrieb funktioniert ebenfalls prima beim Kodiaq) und schon haben Sie sich rund 150 Kilogramm gespart. Außerdem ist der ruhige, agile und spritzige Motor mit Sechsgang-DSG immer noch etwa 3.000 Euro günstiger ist als der kleine Allrad-Diesel mit Schaltung. Und beim Testverbrauch landen wir bei beiden Aggregaten bei rund 8,5 Liter Diesel oder Super je 100 Kilometer.

Das Fahrwerk: Besser als beim Tiguan?
Auch insgesamt ist das Fahrverhalten zufriedenstellend, aber nicht sonderlich spaßig. Die Lenkung reagiert nicht allzu direkt und man kann ohne viel Kraftaufwand präzise um Kurven fahren. Dazu kommt die satte Straßenlage, die viel besser als beim Tiguan ist. Hier macht der VW-Passat-Radstand (2,79 Meter) den Unterschied. Ist das optionale DCC-Fahrwerk an Bord und der Sportmodus aktiviert, kommt es auch in schnellen Kurven kaum zu Wankbewegungen. Bei schlechten Straßenverhältnissen kann es einem komfortbewussten SUV-Fahrer aber schnell zu straff werden und man sollte auf Comfort zurückschalten. Wirklich nötig ist das adaptive System (es gibt noch die Modi Eco sowie Individual und darüber hinaus Snow sowie Offroad bei den Allrad-Modellen) aber nicht, denn auch das konventionelle Fahrwerk ohne Dämpferreglung macht einen guten und ausgewogenen Job. Nur mit etwas plötzlich auftretenden Querfugen oder kleinen Schlaglöchern hat der Kodiaq zu kämpfen und die Stöße werden etwas polternd in den Innenraum weitergegeben. Trotzdem soll er mit knapp 19 Zentimeter Bodenfreiheit auch ,ein bisschen unebenes Gelände schaffen", meint Skoda.

Bestellstart, Markteinführung, Preise
Bestellt werden kann ab sofort. Die Markteinführung und die ersten Auslieferungen beginnen dann am 4. März 2017. Los gehts bei 25.490 Euro. Dieser Einstiegspreis gilt allerdings nur für den 125-PS-Benziner-Kodiaq mit Frontantrieb, Sechsgang-Schaltung und relativ magerer Basisausstattung. Die von uns gefahrenen Modelle (der 1,4-Liter-Benziner mit 150 PS, Sechsgang-DSG und Frontantrieb und der Zweiliter-Diesel mit 150 PS, Sechsgang-Schaltung und Allradantrieb) schlagen hingegen mit 33.390 beziehungsweise 33.840 Euro zu Buche. Wohingegen der Benziner bereits in der höchsten Ausstattungslinie ,Style" vorfährt und der Diesel in der mittleren Linie ,Ambition" ausgestattet wird. Das Topmodell ist der Zweiliter-Diesel mit 190 PS, Siebengang-DSG und Allrad für 39.440 Euro. Ein deutlich kleinerer Tiguan ist preislich übrigens relativ identisch. Der Eingangs erwähnte Land Rover Discovery Sport steht ab 33.250 Euro im Katalog.

Quo vadis Skodi ... ähm ... Kodiaq?
Kann der Kodiaq dem VW Tiguan gefährlich werden? Was sollen wir sagen? Dieses Modell könnte für den tschechischen Autobauer der große Wurf werden. "Wenn sich die Begeisterung unserer Händler in der Begeisterung unser Kunden widerspiegelt, dann werden wir ganz viel Spaß mit diesem Wagen haben", meint auch Frank Jürgens, Sprecher der Geschäftsführung Skoda Deutschland. Heißt: In Deutschland sollen nach ersten Schätzungen mindestens genauso viele Fahrzeuge abgesetzt werden wie vom Superb. Kein Wunder, dass ein potenziell so wichtiges Auto künftig relativ schnell von Neuerungen im Konzern profitieren wird. Nachdem der Superb dann irgendwann elektrifiziert wurde, wird der Kodiaq schnell in seine Fußstapfen treten (voraussichtlich aber nicht vor 2019) und auch ein reines Elektromodell wäre denkbar. MQB sei Dank.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • SUVs gibt es in allen denkbaren Größen, für jeden Geschmack und für jeden Geldbeutel. Wenn Sie auf hohe Variabilität, viel Platz, eine solide Verarbeitung, gute Motoren und viele clevere Details stehen, dann sollten Sie beim Skoda Kodiaq zugreifen. Und das zum Preis eines Tiguan. Simply Clever, finden auch wir.

    + viel Platz, guter Preis, tolle Motoren, tolle Getriebe, viele Assistenten, schnörkelloser Innenraum, gute Verarbeitung, viele clevere Details, souveränes Fahrverhalten

    - kein ebener Ladeboden

  • Antrieb
    90%
  • Fahrwerk
    90%
  • Karosserie
    95%
  • Kosten
    95%

Preisliste


Skoda Kodiaq

Grundpreis: 25.490 Euro
Modell Preis in Euro
2.0 TDI 110 kW 4x4 6-Gang "Ambition" 33.840
1.4 TSI 110 kW ACT DSG "Style" 33.390
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Bildschirmnavigation 650 (Style) / 1.380 (Ambition)
elektr. Schiebedach 1.095
Metalliclackierung 550
Leichtmetallfelgen Serie
Tempomat Serie (adaptiv ab 320 Euro)
Lederausstattung ab 1.480
DCC-Fahrwerk 940
Parkassistent 300 (Style) / 610 (Ambition)
Sitzheizung Serie (Style) / 240 (Ambition)
Lenkradheizung 120
LED-Scheinwerfer Serie (Style) / 990 (Ambition)


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