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Für eine persönlichere Erfahrung

Ferrari baut jetzt auch Boote! Die 30 Meter lange Yacht soll sogar fliegen können

Mit Tragflächen und intelligenter Flugsteuerung soll die Ferrari Hypersail künftig über das Meer schweben

Ferrari Hypersail (2027)
Bild von: Ferrari
Fabian Grass Fabian Grass

Erst lässt Elon Musk seinen neuen Tesla Roadster durch die Luft fliegen, jetzt will offenbar auch Ferrari abheben. Allerdings nicht mit einem Supersportwagen, sondern mit einer gut 30 Meter langen Segelyacht. Sie heißt Hypersail, soll förmlich über das Wasser fliegen – und hat gerade einen wichtigen Meilenstein erreicht: Der Rumpf ist fertig.

Während Tesla mit seinem neuen Roadster für Gesprächsstoff sorgt, arbeitet Ferrari an einem etwas anderen Fortbewegungsmittel. Kein V12, kein V8, nicht einmal ein V6. Stattdessen Wind, Segel und jede Menge Hightech. Und natürlich das springende Pferd, diesmal auf dem Segel statt auf der Motorhaube.

Bildergalerie: Ferrari Hypersail (2027)

Die Hypersail ist keine Luxusyacht wie die Brabus AB110 für gemütliche Champagner-Runden vor der Côte d’Azur. Ferrari baut einen kompromisslos auf Leistung ausgelegten Hochseesegler für lange Einsätze auf offener See und mögliche Rekordfahrten.

Entwickelt wurde die rund 30,5 Meter lange Yacht vom Ferrari Design Studio unter Flavio Manzoni gemeinsam mit dem Schiffsarchitekten Guillaume Verdier. Vorgestellt hatte Ferrari das Projekt bereits im Juni 2025. Jetzt folgt der nächste Schritt: Die Fertigstellung des Kohlefaser-Rumpfs samt Lackierung. Die Bauteile für das spätere Fliegen liegen ebenfalls bereits in der Werft in Pisa.

Ferrari Hypersail (2027)
Bilder von: Ferrari
Ferrari Hypersail (2027)
Bilder von: Ferrari

Nach der Fertigstellung soll die Hypersail nach Livorno umziehen. Dort entsteht auf dem Gelände von Azimut Yachts die operative Basis. Mit direktem Zugang zum Meer, Laboren für Hydraulik, Elektrik und Mechanik sowie 3D-Druck. Azimut entwickelt außerdem ein 72-Fuß-Schleppboot für die ersten Flugtests, solange Mast und Segel noch fehlen.

Optisch fällt die Hypersail mit dunklem Grau und leuchtendem Gelb auf. Das Grau heißt Grigio Hypersail, das Gelb Giallo Fly. Die Linien erinnern an die Monza SP1 und SP2, Details des Decks sollen Anleihen beim Le-Mans-Sieger 499P nehmen. Entscheidend ist aber, was unter der Hülle steckt: eine Yacht, die sich bei ausreichendem Tempo komplett aus dem Wasser heben soll.

Ferrari Hypersail (2027)
Bild von: Ferrari

Wie bringt man eine 30-Meter-Yacht zum Fliegen?

Das Zauberwort lautet Foiling. Unter dem Rumpf sitzen Tragflächen, die bei hoher Geschwindigkeit Auftrieb erzeugen, wie Flugzeugflügel, nur unter Wasser. Der Rumpf hebt sich, der Widerstand sinkt, die Yacht segelt schneller.

Im America’s Cup gehört das Prinzip längst zum Alltag. Ferrari will es aber auf einen besonders großen Hochseesegler übertragen. Nicht für ein paar spektakuläre Minuten, sondern über lange Strecken und bei wechselnden Bedingungen.

Ferrari Hypersail (2027)
Bilder von: Ferrari
Ferrari Hypersail (2027)
Bilder von: Ferrari

Dafür arbeiten seitliche Foils, ein Kiel mit beweglicher Klappe und ein entsprechend ausgelegtes Ruder zusammen. Sie erzeugen nicht nur Auftrieb, sondern stabilisieren die Yacht auch während des Flugs. Denn auf offener See bleibt das Wasser selten so glatt wie auf einem Werbefoto.

Ferrari-Technik soll den Flug kontrollieren

Besonders spannend wird die Elektronik. Das Flight-Control-System überwacht mit zahlreichen Sensoren Bewegungen, Wind, Wellen und Geschwindigkeit. Ein zentraler Rechner verarbeitet die Daten und steuert Stellglieder an Foils, Kiel und Ruder.

 

Die Hypersail korrigiert ihre Lage damit kontinuierlich, ähnlich wie ein aktives Fahrwerk im Sportwagen. Nur dass Ferrari hier keine Bodenwellen auf der Nordschleife ausgleichen muss, sondern die Bewegungen eines 30-Meter-Seglers auf dem offenen Meer.

Auch beim Material fließt Automobil-Know-how ein: Der Rumpf besteht aus mehreren Lagen Kohlefaser, stark belastete Bereiche sind zusätzlich mit Carbon-Titan verstärkt. Aus dem Projekt sind bereits mehr als 20 Patente hervorgegangen.

Ferrari Hypersail (2027)
Bilder von: Ferrari
Ferrari Hypersail (2027)
Bilder von: Ferrari

Und wo steckt der Ferrari-Motor?

Nirgends. Die Hypersail hat keinen Verbrennungsmotor und soll ihren gesamten Energiebedarf selbst erzeugen. Dafür kommen unter anderem begehbare Solarpaneele zum Einsatz, die direkt ins Deck integriert sind. Ergänzt werden sie durch Windkraft und ein System zur Nutzung erneuerbarer Energien.

Die gewonnene Elektrizität versorgt Steuerung, Hydraulik und weitere Bordsysteme. Ferrari spricht deshalb von einem energieautarken Hochseesegler. Die Fortbewegung übernimmt weiterhin der Wind.

Ganz nebenbei ist die Hypersail eine Premiere. Zwar gab es früher bereits Boote mit Ferrari-Technik, etwa das Rennboot Arno XI mit Ferrari-V12. Mit der Hypersail entwickelt und baut Ferrari nun aber erstmals selbst einen kompletten Hochseesegler.

Ferrari Hypersail (2027)
Ferrari Hypersail (2027)
Ferrari Hypersail (2027)
Bilder von: Ferrari
Bilder von: Ferrari

2027 soll die Hypersail erstmals abheben

Bis es so weit ist, müssen sich die Italiener noch gedulden. Nach der Fertigstellung des Rumpfs folgen Montage der Tragflächen, Technik und weitere Arbeiten. Erste Seetests sind laut Projektbeteiligten für Frühjahr 2027 geplant.

Erst dann zeigt sich, ob die Hypersail ihre Versprechen einlösen kann. Einen 30-Meter-Segler übers Wasser zu heben, ist die eine Sache. Ihn bei Wind, Wellen und wechselnden Bedingungen dauerhaft dort zu halten, eine ganz andere.