Jeff Bezos gab Ferrari den nötigen Anstoß für den Bau des Luce
Ein Gespräch im Jahr 2016 zwischen Bezos und Ferrari-Chef John Elkann trug dazu bei, die Dinge ins Rollen zu bringen
Ferraris Übergang in die unvermeidliche Elektro-Ära hat offenbar mit einer eher unerwarteten Quelle automobiler Weisheit begonnen. Laut Chairman John Elkann war es ein Gespräch mit Jeff Bezos im Juli 2016, das den Anstoß für den Luce gab. Der hochkontroverse Viertürer ist Maranellos erster Vorstoß in das Elektrosegment.
Der Amazon-Gründer trat dabei allerdings nicht als Besserwisser auf, der dem Unternehmen erklären wollte, was es zu tun habe. Wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtet, erinnert sich Elkann an ein Gespräch mit Bezos im Juli 2016 während eines gemeinsamen Spaziergangs. Der Mann hinter dem Onlinehandelsriesen habe damals gesagt: „Ich verstehe nichts von Autos, aber ich weiß sehr viel über Innovation. Ich glaube, ihr müsst ernsthaft darüber nachdenken, einen elektrischen Ferrari zu bauen.“
Diese scheinbar einfache Bemerkung hatte weitreichende Folgen. Elkann räumt ein, dass dieses Gespräch der erste Moment war, in dem er ernsthaft darüber nachdachte, was ein Elektroauto tatsächlich sein könnte. Ziel war es nicht, einfach ein bestehendes Modell zu nehmen, den Verbrennungsmotor durch Batterien zu ersetzen und es dabei zu belassen. Stattdessen machte sich Ferrari daran, ein eigenständiges Modell zu entwickeln und dabei die rasanten Fortschritte bei Elektrofahrzeugen zu nutzen.
2027 Ferrari Luce
Der lange Weg des Ferrari Luce in die Produktion
Ferrari kündigte erst im Juni 2022 öffentlich an, ein Modell ohne Verbrennungsmotor auf den Markt bringen zu wollen. Bis das Elektroauto konkret wurde, vergingen weitere vier Jahre. Der Luce wurde schließlich am 25. Mai enthüllt und löste einen selten gesehenen Shitstorm bezüglich seines Exterieurdesign aus. So sehr, dass die technischen Daten beinahe in den Hintergrund rückten. Ob man die Optik nun mag oder ablehnt: In einem Punkt kann man sich wohl einig sein – es ist ein radikaler Bruch mit allen bisherigen Modellen, die das springende Pferd auf der Haube tragen.
Allerdings war es wohl keineswegs das Ziel, ein derart kontrovers diskutiertes Design zu schaffen: „Wir hatten absolut nicht die Absicht, einen umstrittenen Ferrari zu entwickeln. Mit einer solchen Reaktion haben wir nicht gerechnet.“ Das heißt jedoch nicht, dass das Echo zwangsläufig negativ bewertet wird. Im Gegenteil – zumindest aus Sicht von Maranello:
„Angesichts dieser Reaktionen ist unsere Überzeugung noch deutlich stärker geworden. Dass 1,3 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt dieses Auto gesehen haben, ist unglaublich.“
2027 Ferrari Luce
Ferrari ist überzeugt: Der Luce wirkt live besser
Ferrari behauptet, Menschen, die den Luce in natura sehen, reagierten häufig deutlich positiver als jene, die ihn nur online betrachtet haben. Bei der Technologie-Konferenz Wave in Turin soll das Auto lange Schlangen angezogen haben. Elkann argumentiert, dass seine physische Präsenz auf Bildern nur unzureichend zur Geltung komme.
Trotz der Kritik im Netz hat Ferrari mehrfach öffentlich erklärt, dass die Bestellungen zahlreich eingehen und das Feedback der Kundschaft positiv ausfällt. Und auch wenn der Luce keinen Verbrennungsmotor hat, bedeutet er nicht den Anfang vom Ende des Verbrenners. Andere Modelle werden weiterhin mit V6-, V8- und sogar V12-Motoren angeboten. Der Luce ersetzt also kein bestehendes Konzept, sondern erweitert das Portfolio.
Jeff Bezos' unerwarteter Einfluss
Zurück zu Bezos: Er mag eingeräumt haben, nicht viel von Autos zu verstehen, doch sein Vorschlag gab dem Ferraris-Vorsitzenden offenbar einen entscheidenden Denkanstoß. Ein Jahrzehnt später steht das Ergebnis in Form eines mehr als 500.000 Euro teuren Elektroautos da, das 2026 ohne diesen kleinen Anstoß von einem der reichsten Menschen der Welt womöglich gar nicht existieren würde.
Ob der Luce am Ende ein kommerzieller Erfolg wird, bleibt abzuwarten. Dennoch hat es etwas Amüsantes, dass Ferraris elektrische Zukunft womöglich durch einen beiläufigen Spaziergang und ein paar Worte von Jeff Bezos beschleunigt wurde. Sein Kommentar gab John Elkann offenbar reichlich Stoff zum Nachdenken – und nun ist das ungewöhnliche Elektroauto tatsächlich da.
Die Auslieferungen des Luce beginnen in diesem Quartal, und wir werden die künftigen Verkaufszahlen genau verfolgen. Unterdessen ist Ferrari bis 2027 ausverkauft.
Quelle: ANSA
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