Bodo mit dem Dampfhammer: Unterwegs in der Brabus-Gründer-Hommage
Wir drehen eine Runde im mächtigen Super-Gran-Turismo der Tuning-Manufaktur durch das Bottroper Umland
Das Wetter präsentiert sich an diesem Tag in Bottrop genauso dramatisch wie sein Protagonist: Die usseligen 12 Grad mit Regenschauern werden immer wieder von Sturmböen torpediert. Mit einem trockenen "Bottrop-Wetter" werde ich auf dem Gelände von Brabus empfangen. Als würde die Stadt noch immer dauerhaft um eines ihrer bekanntesten Kinder weinen: den Gründer der Luxusschmiede, Bodo Buschmann.
Einer seiner Träume, den er zu Lebzeiten leider nicht mehr selbst umsetzen konnte, umkreist gerade noch mit Kunden am Steuer den Betrieb: Das erste eigens produzierte Auto. Acht Jahre nach seinem Tod steht er endlich da. "Ein Gran Turismo. Selbstbewusst. Hochklassig. Kompromisslos. Inspiriert vom goldenen Zeitalter des Automobils", wie er einst selbst sagte: Der Brabus Bodo.
Bildergalerie: Brabus Bodo (2026) im Fahrbericht
Ein schier nicht enden wollendes, 5,06 Meter langes Coupé auf Basis des Aston Martin Vanquish. Eine so dramatische Hommage, wie sie vermutlich perfekter den Vibe von Brabus nicht hätte treffen können. Seine Front sieht genauso fies aus, wie das Grummeln des V12 klingt.
Bodo wäre stolz auf seinen Bodo
Ein riesiger Grill steht da aufrecht im Wind, als hätten ihn Werner und Andi drangeklöppelt, bevor sie auf Flachköpper-Tour gehen. Eingefasst wird das theatralische Schauspiel von grimmig angewinkelten Scheinwerferstreifen.
Die endlose Haube gönnt sich zwei tiefe Furchen, die zusätzlich für die passende Temperierung des 1.000-PS-Aggregats sorgen. Darauf folgt eine gefühlt zehn Meter lange Coupé-Silhouette, die in einem rundlich flachen Heck mit Finne, Pixeloptik und beleuchteter Brabus-Signatur endet.
Ein aktiver Heckflügel und ein mächtiger Diffusor sorgen für aerodynamische Balance. Aus den im Doppelpack übereinander seitlich angeordneten Auspuffendrohren blubbert es beim Anlassen unaufgeregt.
"Kann ich ein Foto machen?", fragt ein bis über beide Ohren grinsender, sich nähernder Mensch. Und als Automobiljournalistin wird mir wieder klar, dass es sich hier zwar um weitere vier Räder und ein Lenkrad handelt, aber bei weitem um kein normales Gefährt.
Brabus ist nämlich generell so weit entfernt von "Normal" wie unser Bundeskanzler vom Thema Bürgernähe. Danke, lieber Mensch, das erdet!
| Schnelle Daten | Brabus Bodo (2026) |
| Antrieb |
5,2-Liter-V12-Biturbo, Hinterradantrieb |
| Getriebe | Achtgang-Automatikgetriebe |
| Systemleistung / Drehmoment | 735 kW (1.000 PS) / 1.200 Nm (elektronisch begrenzt) |
| 0 - 100 / 200 / 300 km/h | 3,0 / 8,5 / 23,9 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 360 km/h |
| Verbrauch | 14,5 l/100km |
| Basispreis | ab etwa 1.000.000 Euro |
Aber auch ohne Kommentar wirkt es ein wenig surreal, wie sich der tiefschwarze Vollkarbon-Bodo da aus der Waschhalle grummelt. Als würde sich Batman höchstpersönlich zum nächsten Einsatz aufmachen und noch einmal kurz durchatmen, bevor das Gebrüll losgeht. In dem Moment denke ich an Bodo B. und glaube, er wäre ziemlich zufrieden mit dem ersten eigenen Brabus-Coupé.
Bodo kann auch Contenance
Alles andere als normal ist auch das vordere Aggregat, das den Bodo aus 5,2 Litern und zwölf Zylindern antreibt. Zwar kommt das ebenfalls von Aston Martin, wurde aber noch mal per Einspritzanlage, Turbosystem, Feintuning und Mapping optimiert, sodass der Leistungswert am Ende glatt vierstellig wurde. Eingekleidet wird der Motor von Sichtkarbon mit eingearbeiteten goldenen Flocken. Auf der Domstrebe prangt eine Goldplakette unterzeichnet vom CTO (Chief Technology Officer) Jörn Gander.
Wer kann, der kann! Zwischen 2.900 und 5.000 U/min stehen hier wahnwitzige 1.200 Nm Drehmoment an, die per Achtgangautomatik auf die beiden massiven 21-Zoll-Heckwalzen mit speziell für den Bodo angefertigten Continental SportContact 7 Force in der Dimension 325/30 ZR 21 wirken.
Zeit einzusteigen würde ich sagen. Der Asphalt ist noch immer nass, die abgerissenen Äste auf der Oberfläche reichhaltig. Also lässt es der Bodo mit der Benja ruhig angehen. Und das macht das Bottroper Biest erstaunlich zurückhaltend mit. Aber ja, es ist ein großer Plus-Zwei-Gran-Turismo mit richtig festem Stand, der zum gemächlichen Cruisen wie gemacht ist, wenn er ... oder besser gesagt, sein Lenkender das will.
Die Sicht ist erstaunlich gut, die ergonomisch konturierten Sitze super bequem und Gasannahme, Bremse und Fahrwerk super entspannt. Klar, bei Unebenheiten holpert der mächtige Bodo mal ein bisschen, aber bei weitem nicht so stark wie andere Vertreter seiner Zunft. Dafür sorgen auch fünf unterschiedliche Fahrmodi, die einen Alltags- oder Langstrecken-Einsatz durchaus denkbar machen, ohne mit zerknirschtem Gesicht und Rückenschaden am Zielort auszusteigen. Ich wäre mit dem fiesen Brabus-Möpp gerne einfach locker gleitend die A3 Richtung niederländischer Nordsee raufgerollt.
"Aus großer Kraft folgt große Verantwortung"
Aber wir beide hatten ja noch anderes vor. Bodos Dampfhammer auspacken zum Beispiel! Auf abgelegener Straße gönne ich dem Streitwagen einen beherzten Stoß aufs Gaspedal. 'Ah, Bodo ist wach', denke ich noch, während die Gründer-Hommage meine Aktion mit leicht freudigem Tänzeln auf der Hinterachse quittiert. Etwas Gummi hier und da, ein paar minimale Schlenker – nichts Wildes. Bodo weiß um seine Kraft und bleibt stabil in der Spur, auch bei Nässe, gönnt einem aber diese kleine Extraportion Grinsen auf den Wangen.
Der Spurt ist angenehm und gleichmäßig, nicht so ein brutaler Schlag in den Magen, wie ihn einige ungestüme E-Kisten zelebrieren. Das hier wächst organisch. Auf der Autobahn schaffen wir knappe 250 km/h: Es fühlt sich an wie 120 im Mittelklasse-SUV. Wesentlich mehr wäre gegangen, wie nicht nur der Vorwärtsdrang bestätigt, sondern auch seine Spitzengeschwindigkeit von 360 km/h. Damit wäre ich bei menschenleerer Autobahn in einer Stunde aus dem Ruhrgebiet in Hamburg angekommen.
Ja, manchmal muss man sich diese absurden Zahlen noch einmal visualisieren, um in der ständigen Flut nicht abzustumpfen. Aber dieser Bodo hier ist genauso bodenständig geblieben, wie es sein Firmengründer war. Mutig und hervorpreschend, wenn es die Lage zulässt oder benötigt, zumeist aber ruhig, bestimmend und besonnen.
Für ein Überholmanöver auf der Landstraße streichle ich kurz das Gaspedal, um vorbeizuschlüpfen. Kurven meistert der Bodo ebenso souverän, wobei wir zwei hier wegen Nässe auch noch viel Luft nach oben lassen. Wer mehr Bodenfreiheit braucht, kann die Karosserie über ein Lift-System an Vorder- und Hinterachse um rund 25 Millimeter anheben.
Unterschrift von Bodo oder Oma? Ihre Entscheidung!
All das lässt sich mit einem kurzen Knopfdruck angenehm aus dem Cockpit steuern, in dem ich seit einiger Zeit wohlig eingebettet den Brabus Bodo steuere. Die Wangen der Sitze bieten Seitenhalt ohne einzuzwängen. Ich lasse den Blick schweifen: Karbon wechselt sich hier mit verschiedenen Oberflächen aus Nubukleder ab. Selbst die Fußmatten bestehen aus Leder!
Farblich erscheint alles der Hommage angemessen in Piano Black und Shadow Gray. Die Karbonblenden erinnern an die Brabus-Heritage, runde Luftdüsen im Turbinendesign an die enge Zusammenarbeit mit Mercedes. Wer will kann sich das Karbon auch in Neongrün bestellen, die Lederoberflächen in Pink und die Nähte in Orange, wenn es nicht derart Buschmann-like sein soll.
Auf den Türverkleidungen prangt die Unterschrift des Firmengründers. Es könnte aber auch ihre eigene sein oder die Ihrer Oma. Sie müssen bei all der Individualisierung halt nur damit rechnen, dass der Bodo von einer Million auf bis zu 1,5 Millionen Euro ansteigt. Möglich ist jedoch vieles!
In der hinteren Reihe gibt es zwei kleine Sitzschalen. Kinder oder ein Hund könnten hier sicher mitfahren, Personen ab 1,30 Meter will man das eher nicht zumuten. Dafür geht echt viel in den Kofferraum. Hätte er keine so kleine Klappe, würden sicher drei bis vier Kästen Limo hinten rein gehen. (Oder im Sinne von Tegtmeier: Bottroper Bier.) So muss man auf die Sperrigkeit der mitgenommenen Utensilien achten. Luft ist im dicken Arsch des Bodo jedoch gewaltig.
Eines geht mir am Ende dann aber doch nicht aus dem Kopf: das Nummernschild. Klar, BOT-BB 77 ist ein Hinweis auf Bodo Buschmann, das Gründungsjahr und die gebauten Exemplare, aber wäre der Gute zufällig in Bochum geboren, hätte Brabus easy BO-DO 77 draufschreiben können (Weitere 77 entstehen übrigens als Cabrio). Wie schön wäre es gewesen? Ich würde mich da ganz uneigennützig anbieten, bräuchte dann aber einen größeren Tankrabatt als die derzeitigen 17 Cent.
Aber Bottrop, ey! Bevor du jetzt schon wieder anfängst zu weinen, ich will euch euren Bodo gar nicht wegnehmen. Gründer und Auto sind genau dort, wo sie hingehören. Denn vermutlich wäre überall woanders diese wirre und so spannende Kombination nie entstanden. Ferrari hat seinen Enzo, Opel seinen Adam und Brabus jetzt endlich seinen Bodo!
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