Porsche 911 GT2 RS (2026): Flachbau-Unikat im Moby-Dick-Style
Dank Sonderwunsch-Abteilung und Manthey als Fahrwerksexperten sehen wir hier wieder eine flache Nase aus Stuttgart
In der DRM und der IMSA war der Porsche 935 erfolgreich, 1979 gewann einer die 24 Stunden von Le Mans. Der Bolide mit der extrem ungewöhnlichen Nase war nicht nur extrem schick, mit dem Erfolg weckte er auch Begehrlichkeiten. Allen voran in Form des damaligen TAG-Gruppen-Chefs Mansour Ojjeh, der etliche Motorsport-Projekte finanziell unterstützte und ein straßentaugliches Exemplar als Sonderwunsch in Auftrag gab.
So kam der Stein ins Rollen. 1983 konnte ganz regulär ein Porsche 935 Flachbau über das exklusive Manufaktur-Programm geordert werden. Die Form sah wohl dermaßen platt und gemütlich aus, dass ihm Werksmechaniker den Beinamen Moby Dick spendierten. Eifrig spekuliert wurde, als sich Porsche im Mai 2025 die Modellbezeichnungen "Flachbau" patentieren ließ. Ein Erlkönig sorgte auf seinem Nürburgring-Ausflug für weitere Aufregung.
Jetzt ist das Geheimnis gelüftet: Ein zahlungskräftiger Kunde hat seinen neuwertigen Porsche 911 GT2 RS (Generation 991.2) aus dem Jahr 2018 in einen neuen straßenzugelassenen Moby Dick verwandeln lassen.
Bildergalerie: Porsche 911 GT2 RS 'Flachbau' Einzelstück
Fast drei Jahre nahm das Projekt in Anspruch. Es vereinigte zudem die hauseigene Sonderwunsch-Abteilung, Style Porsche sowie die Fahrwerksexperten von Manthey. Der Wagen sollte eine moderne Interpretation des legendären 935-Rennwagens werden, ohne jedoch die Straßenzulassung in Europa zu verlieren. Am Antrieb wurde dabei nicht gerüttelt. Im Heck arbeitet weiterhin der bekannte Biturbo-Boxer mit 515 kW (700 PS).
Neue Aerodynamik und winzige Scheinwerfer
Optisch hat der "Flachbau RS" mit dem Basis-GT2-RS jedoch kaum mehr etwas gemein. Die vorderen Kotflügel sitzen deutlich tiefer und entlüften die Radhäuser über markante Lamellen. Die klassischen Rundscheinwerfer flogen raus. Stattdessen verbaute das Team maßgefertigte, extrem schmale LED-Einheiten
Abblend- und Fernlicht messen in der Höhe jeweils knapp vier Zentimeter, das Tagfahrlicht kommt sogar mit unter zwei Zentimeter Bauhöhe aus. Lackiert ist der Wagen in "Grand Prix Weiß", kombiniert mit freigelegtem Carbon in U-Form auf der Fronthaube. Die Farbgebung soll eine direkte Verbeugung vor dem Martini-Design des originalen 935/78 darstellen.
Auch am Heck wurde massiv gearbeitet. Der neue Flügel mit S-förmigen Halterungen orientiert sich am 911 GT3 R Rennsport, thront hier aber gut fünf Zentimeter höher. Die massive Pommestheke lässt sich manuell in drei Stufen verstellen. In der aggressivsten Stellung generiert das Bauteil bei der Höchstgeschwindigkeit von rund 340 km/h 554 Kilogramm Anpressdruck auf der Hinterachse. Carbon-Aerodiscs an den Hinterrädern und ein modifizierter Manthey-Unterboden samt Diffusor runden das Aerodynamik-Paket ab.
Radikale Diät im Innenraum
Obwohl ein 911 GT2 RS mit Weissach-Paket bereits ab Werk kein Schwergewicht ist, speckte das Sonderwunsch-Team das Unikat um gut weitere 32 Kilogramm ab. Die Lösung dafür ist nicht nur spartanische Härte, sondern könnte für manche auch wie ein Hochgenuss klingen. Denn das Infotainmentsystem wurde kurzerhand einfach komplett gestrichen und durch ein Lederfach ersetzt. Musik kommt von hinten, weshalb auch die Audioanlage das Fliegen lernte. Dämmmatten und Teppiche? Überbewertet!
Hinter den Carbon-Schalensitzen blickt der Besitzer nun auf nacktes, weiß lackiertes Blech. Sogar der neu verlegte Kabelbaum liegt offen und wird nur von einem Schutzschlauch zusammengehalten. Nicht mehr benötigte Einzelkabel wurden penibel entfernt. Warndreieck und Abschleppöse wanderten aus Gewichtsgründen aus den festen Karosseriepunkten in eine entnehmbare Box.
Dass es sich hierbei um kein reines Showcar handelt, beweist der Entwicklungsaufwand. Porsche jagte das Flügelwerk über Hydropuls-Prüfstände und simulierte eine Belastung von 150.000 Kilometer Kundenbetrieb. Testfahrer Lars Kern spulte zudem allein 50 Runden auf der Nürburgring-Nordschleife ab, um das Aerodynamik-Konzept abzusegnen. Wie schön, wenn die oben angesprochenen Ausflüge von vor über einem Jahr geklärt werden können.
Was der Umbau zum "Flachbau RS" gekostet hat, behält Porsche naturgemäß für sich. Wir können jedoch versichern (auch wenn wir keine Versicherung sind), dass beim beschriebenen Aufwand einer dreijährige Verwandlung zum absoluten Einzelstück vielen beim Betrag womöglich etwas schwummrig werden wird.
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