Koenigsegg CCGT1 (2026): Ein Le-Mans-Traum mit 1.600 PS
Das auf 70 Einheiten limitierte Hypercar ist eine Hommage an den GT1 von 2007
Die Monterey Car Week ist immer eine bizarre Woche. Da buhlen exklusive und noch exklusivere Hersteller um das Geld der Reichen und viel zu Reichen. "Bling, bling" und "Fuffies durchn Club" am Strand von Pebble Beach. Und dann schreiben wir über exklusive Auflagen, skurrile Farbkombis, PS-Monster und etliche Einzelstücke. Alles natürlich längst vergriffen. Wer kann, der kann!
Die Geschichte dieses Koenigsegg ist da zum Glück ein wenig tiefgreifender. Denn 2007 träumte Christian von Koenigsegg von einem Start bei den 24 Stunden von Le Mans. Deshalb baute er kurzerhand den CCGT. Ein Auto, das exakt auf das damalige GT1-Reglement zugeschnitten war.
Das Problem? Nur zwei Monate nach den ersten Testfahrten änderte die FIA die Regeln. Die Klasse verlangte plötzlich deutlich höhere Produktionszahlen für die Homologation, die ein Kleinserienhersteller wie Koenigsegg schlicht nicht stemmen konnte. Der Traum verschwand samt dem einzig gebauten Prototypen für gut 15 Jahre in einer privaten Sammlung.
Bildergalerie: Koenigsegg CCGT1
Der Traum von Le Mans hat sich auch in der Zwischenzeit noch immer nicht erfüllt. Zu hoch weiterhin die Kosten für ein eigenes Motorsportprogramm. Doch den einstigen Traum muss man ja nicht völlig begraben. Der neue Koenigsegg CCGT1 ist eine späte Hommage an genau diesen geplatzten Traum. Die technische Basis für den einstigen Langstreckenkandidaten bildet der CC850. Doch die Schweden haben das Hypercar radikal auf Rennstrecken-Performance getrimmt – inklusive Straßenzulassung!
Viel Abtrieb, noch mehr Leistung
Optisch fallen sofort die massiven Aerodynamik-Anbauteile auf. Bis auf die Türen und das abnehmbare Dach wurden alle Karosserieteile neu gestaltet. Das Herzstück der Optimierungsarbeiten bildet ein aktiver Heckflügel, der sich automatisch um 30 Grad verstellen lässt.
So generiert er je nach Fahrsituation weniger Luftwiderstand auf den Geraden, unterstützt mit Anstellwinkel beim Bremsen und sorgt für maximalem Abtrieb in den Kurven. Zusammen mit einem großen Frontsplitter und aktiven Klappen am Unterboden generiert der Bolide bei 250 km/h satte 800 Kilogramm Anpressdruck.
Im Heck arbeitet der bekannte 5,0-Liter-V8 mit doppelter Turboaufladung. Die Leistungsdaten lesen sich wie immer ziemlich lecker. Mit normalem Tankstellen-Benzin liefert das Aggregat 941 kW (1.280 PS). Tankt man E85-Bioethanol, klettert der Wert auf satte 1.177 kW (1.600 PS). Ein eigens entwickeltes Motormanagement erlaubt es, beliebige Mischverhältnisse der beiden Kraftstoffarten zu fahren. Gekühlt wird das System unter anderem über eine neue Lufthutze auf dem Dach, die auch die Dämpfer mit Frischluft versorgt.
Schalten per "ASMR"
Spannend wird es bei der Kraftübertragung. Der CCGT1 nutzt das hauseigene Neungang-Getriebe (Light Speed Transmission), bedient wird es allerdings über einen neuen sequenziellen Schalthebel. Das Kupplungspedal im Fußraum ist hier ausschließlich zum Anfahren mit an Bord. Wir kennen das aus dem Rennsport. Danach werden die Gänge sequenziell durchgerissen – inklusive Zündunterbrechung für extrem schnelle Wechsel, ganz wie im alten GT1-Rennwagen.
Königsegg CCGT1
Ein kleiner Drehregler in der Mittelkonsole steuert die Fahrmodi. Der trägt die Aufschrift "ASMR" und sorgt nach dem Starten des Vehikels womöglich für ähnliche Luftsprünge bei den Fahrenden wie ASMR-Videos für Aufrufzahlen bei Social Media. Etwas langweiliger bedeutet es lediglich Auto, Sequential, Manual, Reverse. Doch jetzt kommts: Wer lieber klassisch in einer offenen Kulisse rührt, kann tatsächlich optional auch das Sechsgang-Getriebe aus dem CC850 ordern. Wir arbeiten ja eh alle nicht genug laut Merz.
Weißes Carbon und ein echtes Track-Paket
Erstmals in der Firmengeschichte bietet Koenigsegg für den CCGT1 ein waschechtes Rennstrecken-Paket an. Händler können es für Trackdays an- und wieder abbauen. Es umfasst unter anderem profillose Rennreifen, einen Carbon-Überrollkäfig, ein Feuerlöschsystem, eine spezielle Abgasanlage sowie fest verbaute Lufthebeanlagen. Braucht man alles auf der Straße jetzt nicht unbedingt.
Das weiße Sichtcarbon, das zuletzt 2009 im Trevita zu sehen war, kehrt ebenfalls zurück. "Ghost Fibre" nennt Koenigsegg das neu entwickelte Material, das aus einer speziellen Aramid-Carbon-Matrix besteht. Es sei nicht nur leichter als klassisches Carbon, sondern soll auch den Schall besser dämmen und eine hohe ballistische Schutzwirkung aufweisen.
Wer sich nun denkt, "Eieiei, das wäre was für mich", ist natürlich schon zu spät dran. Koenigsegg baut exakt 70 Exemplare des CCGT1. Und dann ist auch hier wieder alles wie immer bei Pebble Beach. Die exklusivsten Kunden kaufen die exklusivsten Autos bereits vor der offiziellen Premiere. Weshalb Koenigsegg sich auch nicht mehr zu den Preisen äußern muss ... praktisch!
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