Warum Christian von Koenigsegg (noch) nicht an Elektroautos glaubt
Der Hypercar-Schöpfer erklärt uns, warum der Verbrennungsmotor in Sachen Emotionen unersetzlich bleibt
Während meines Besuchs im Koenigsegg-Werk in Schweden anlässlich der Präsentation des neuesten Lego-Projekts zum Saidar's Spear habe ich Christian von Koenigsegg eine Frage gestellt, die heute aktueller ist denn je: "Wie steht das Unternehmen zur Produktion von Elektroautos?"
Schließlich hat Ferrari erst vor wenigen Tagen den Luce vorgestellt. Allerdings nicht als Hypercar, sondern als fünfsitzigen GT. Pagani wiederum hat bereits angekündigt, das Projekt eines elektrischen Utopia nicht weiterzuverfolgen, und ein ähnliches Schicksal ereilte auch den Maserati MCPura.
Bildergalerie: Koenigsegg Sadair's Spear (2025)
Aus dem Werk in Ängelholm kommen derzeit ausschließlich Verbrenner oder Hybride. Hinter dieser Entscheidung steckt weder ein technologischer Rückstand noch fehlendes Know-how: Der Gründer, Namensgeber und CEO ist überzeugt, dass Koenigsegg problemlos ein elektrisches Hypercar bauen könnte, wenn man es denn wollte. Nur: Aktuell hält er das für den falschen Weg für die Art von Auto, die ihm vorschwebt.
"Vor zehn Jahren hätte ich mit einem elektrischen Koenigsegg gerechnet"
Überraschend ist vor allem das Eingeständnis, dass sich seine Sicht im Laufe der Zeit verändert hat. „Wenn Sie mich das vor zehn Jahren gefragt hätten, hätte ich vermutlich gedacht, dass wir 2026 bereits einen elektrischen Koenigsegg hätten“, sagte er mir. Damals betrachtete er den Elektroantrieb wie große Teile der Industrie: als logischen Endpunkt für Hochleistungsautos. Danach änderte sich etwas. Und zwar nicht wegen Kennzahlen oder reiner Performance.
Für von Koenigsegg leistet der Verbrennungsmotor weit mehr, als das Auto nur anzutreiben. Vibrationen, Geräuschkulisse, mechanische Rückmeldung, Charakter: Das sind für ihn Bausteine eines Fahrerlebnisses, das in der Hypercar-Welt nicht zu ersetzen ist. Er nutzt ein Bild, das den Gedanken gut trifft: Ein Auto mit Verbrenner kann fast wie ein lebender Organismus wirken, während ein Elektroauto, so schnell und ausgefeilt es auch sein mag, emotional auf einer anderen Ebene bleibt. "Es wird nie zum Tier", sagt er.
Koenigsegg Sadair's Spear (2025)
Leistung und Komfort reichen nicht
Koenigsegg-Modelle, betont der Gründer, sind nicht dafür da, Alltagsmobilität zu lösen. Klimaanlage, bequeme Sitze, modernes Infotainment, das gibt es. Aber solche Merkmale findet man auch in deutlich günstigeren Autos. "Der eigentliche Wert eines Hypercars liegt woanders: im Design, in der Ingenieurskunst, in den Gefühlen, die es vermittelt, und in der fast emotionalen Verbindung zwischen Fahrer und Maschine", sagt er.
Deshalb ist der Verbrennungsmotor in seinen Augen keine Übergangstechnologie, die bei der ersten tauglichen Alternative verschwindet. Er ist integraler Bestandteil dessen, was Koenigsegg anbieten will.
Umweltfragen aus einer anderen Perspektive
Hinzu kommt das Umweltthema, das von Koenigsegg aus einem anderen Blickwinkel betrachtet als jener, der die öffentliche Debatte dominiert. "Bei Hypercars", sagt er, "kann man den Vergleich zwischen Elektro und Verbrenner nicht mit denselben Maßstäben messen wie bei Volumenfahrzeugen. Ein Auto mit sehr großer Batterie muss viele Kilometer fahren, um die Umweltbelastung der Akku-Produktion wieder einzuholen. Hypercars werden aber wenig bewegt, stehen oft jahrelang in Sammlergaragen und dieser Ausgleich kommt dann womöglich nie".
Die Schätzungen, auf die er verweist, nennen rund 80.000 Kilometer als Schwelle, ab der ein Auto mit kleiner Batterie oder ohne Batterie aus Umweltsicht günstiger sein könne als ein reines Elektroauto. Mit erneuerbaren Kraftstoffen oder Biokraftstoffen steige die Schwelle auf etwa 140.000 Kilometer. Nicht jeder teilt diese Sichtweise, sie erklärt aber die Logik hinter den technischen Entscheidungen des Unternehmens sehr gut.
Koenigsegg Sadair's Spear (2025)
Warum Koenigsegg auf Hybrid setzt
Koenigsegg hat die Elektrifizierung dennoch nicht ignoriert: Man hatte auch an einer rein elektrischen Plattform gearbeitet. Am Ende kam das Unternehmen jedoch zu dem Schluss, dass der Hybridantrieb den passendsten Kompromiss für die Kundenanforderungen bietet. Eine vergleichsweise kleine Batterie ermöglicht elektrische Fahrten in der Stadt, das Einfahren in Umwelt- bzw. Zufahrtsbeschränkungszonen und bei Bedarf leises Fortbewegen.
Zudem lässt sich Energie beim Bremsen rekuperieren, wodurch im Vergleich zu einem riesigen Batteriepaket weniger Material benötigt wird. Diese Philosophie zeigt sich beim Gemera, bei dem Verbrenner und E-Motor für maximale Leistung zusammenarbeiten, ohne die Alltagstauglichkeit völlig zu opfern.
Die Zukunft könnte alles verändern
Ganz ausschließen will von Koenigsegg ein rein elektrisches Hypercar dennoch nicht. Viel wird davon abhängen, wie sich die Vorschriften und vor allem die Batterietechnologie entwickeln: Werden Akkus leichter, kompakter und weniger abhängig von kritischen Rohstoffen, könnten einige seiner heutigen Einwände an Gewicht verlieren.
Dann würde sich die Diskussion auf andere Punkte verlagern, etwa das Gesamtgewicht des Fahrzeugs und das Fahrerlebnis. Vorerst ist die Linie des Unternehmens jedoch klar: Koenigsegg ist der Ansicht, dass der Verbrennungsmotor in Hypercars noch immer etwas bietet, das bislang keine Alternative überzeugend nachbilden konnte.
Koenigsegg Sadair's Spear (2025)
E85, synthetische Kraftstoffe und die "Natursteuer"
Aktuell fahren Koenigsegg-Modelle mit E85, einer Mischung überwiegend aus Ethanol mit einem Anteil Benzin. Letzteres könnte nach Ansicht von von Koenigsegg eines Tages durch synthetische Kraftstoffe ersetzt werden. Er skizzierte zudem ein ambitionierteres Szenario: Kraftstoffe, hergestellt mit direkt aus der Atmosphäre abgeschiedenem CO2 und erneuerbarer Energie, wobei ein Teil des eingefangenen CO2 dauerhaft im Untergrund gespeichert würde und der Rest in die Kraftstoffproduktion fließt.
Ein Prozess, der – so seine Aussage – sogar zu einer negativen Klimabilanz führen könnte. Zu den Kosten dieses Ansatzes scherzte von Koenigsegg von einer Art "Natursteuer". Ein Audruck, der seinen Ansatz gut zusammenfasst: den Verbrennungsmotor weiterzuentwickeln, aber Wege zu finden, ihn immer nachhaltiger zu betreiben.
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