Weitet sich E-Türgriff-Verbot aus? US-Regierung prüft Sicherheit
Die National Highway Traffic Safety Administration will sicherere Fluchtmöglichkeiten in allen Fahrzeugen vorschreiben
In unserer zunehmend digitalisierten Welt werden selbst scheinbar einfache Bauteile elektronisch. Ein gutes Beispiel dafür ist der klassische Türgriff. Bei vielen Fahrzeugen arbeitet dieser inzwischen elektronisch statt mechanisch. Und genau das kann nach einem Unfall zu einem großen Problem werden.
Die Hersteller sind für solche Fälle zwar verpflichtet, mechanische Backup-Systeme vorzusehen. Doch diese befinden sich oft an ungewöhnlichen Stellen oder sind nur schwer zu finden. Besitzer eines Fahrzeugs mit einer solchen Lösung wissen unter Umständen nicht einmal, dass ihr Auto über mechanische Not-Türöffner verfügt.
Kia EV4 (2026) im Test
China hat bereits ein Gesetz für 2027 verabschiedet, das bestimmte Versionen von elektrischen Türgriffen verbietet und eine einfache Notfalllösung fordert. Der BMW iX3 kommt dort beispielsweise ohne seine elektrisch versenkbaren Türgriffe. Laut The Drive ist das Problem inzwischen so relevant geworden, dass auch die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA ein intelligenteres und offensichtlicheres System prüfen will, das Menschen nach einem Unfall das Verlassen des Fahrzeugs erleichtert.
Die Behörde hat sich mit folgender Stellungnahme an unsere motor1-Kollegen in den USA gewandt: "Die NHTSA hat eine Petition zur Einleitung eines Regelsetzungsverfahrens erhalten, die ein Notausstiegssystem für Türen vorschreibt, um dem Risiko entgegenzuwirken, dass Fahrzeuginsassen bei Ausfall der elektrischen Versorgung im Fahrzeug eingeschlossen werden. Die Behörde hat dieser Petition stattgegeben."
"Die Stattgabe einer Petition zur Regelsetzung ist keine Entscheidung der NHTSA, einen neuen Sicherheitsstandard einzuführen, sondern markiert den Beginn des Prozesses zur Sammlung von Informationen, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Die NHTSA wird zusätzliche Informationen und Daten sammeln sowie öffentliche Stellungnahmen einholen, um zu bestimmen, ob ein Regelsetzungsverfahren für einen neuen Sicherheitsstandard im Rahmen der Anforderungen des Vehicle Safety Act angemessen ist."
Natürlich wird das nicht von heute auf morgen geschehen. Einen zentralen Sicherheitsbestandteil neu zu definieren und für alle neuen Kraftfahrzeuge verbindlich vorzuschreiben, erfordert umfangreiche Planung und Entwicklung. Außerdem muss dies in Abstimmung mit den Herstellern erfolgen, um zu klären, was technisch machbar ist und was nicht.
Unabhängig davon benötigt dieses bestehende Problem natürlich Aufmerksamkeit. Und die erhält es in Form eines Verbots in China und einer Prüfung in den USA. Wenn man das eigene Fahrzeug nach einem Unfall nicht verlassen kann, ist das ein gravierender Mangel, der sich mit der zunehmenden Verbreitung elektronisch betätigter Türgriffe nur weiter verschärfen dürfte. Wenn auch die USA neue Regelungen einführt, wird ein weiterer großer Weltmarkt mitbestimmen, wie die Türgriffe zukünftiger Fahrzeuge auszusehen haben.
Quelle: The Drive
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