Neue Audi-Innenräume: Dezente Bildschirme, mehr Tasten, bessere Qualität
Modelle der nächsten Generation werden hochwertigere Materialien zurückbringen
Autohersteller äußern sich nur selten so offen wie Audi in einem Motor1-Interview im vergangenen Jahr, als ein Unternehmensvertreter überraschend einräumte, dass die Innenräume der Marke nicht mehr das sind, was sie einmal waren. Man räumte offen ein: "Früher waren wir bei der Qualität ganz sicher schon besser."
Im gleichen Gespräch versprach der Premiumhersteller zugleich eine Rückkehr zu alter Stärke: "Da werden wir wieder hinkommen." Seit diesem Interview hat Audi eine neue Designsprache eingeführt, die intern "Strive For Clarity" genannt wird und auch unter dem Namen "The Radical Next" läuft.
Bildergalerie: Audi Concept C (2025)
Ihr Debüt feierte sie im Concept C, einem Ausblick auf einen elektrischen Zweisitzer mit Targadach, der bereits im nächsten Jahr kommen soll. Der Innenraum des sportlichen E-Autos unterscheidet sich deutlich von den aktuellen Modellen mit den Vier Ringen. Er setzt auf weniger Bildschirme, bringt einige physische Bedienelemente zurück und nutzt im gesamten Innenraum hochwertigere Materialien.
Das serienreife Concept C soll den Auftakt zu Audis Innenraum-Revolution markieren. Als Versuch, das zurückzubringen, was die Cockpits der Marke besonders gemacht hat, bevor knarzige Plastikdisplays und günstigere Materialien die Oberhand gewannen. Im Gespräch mit dem australischen Magazin GoAuto kündigte der Technikchef des Unternehmens an, jene Qualitäten wiederherstellen zu wollen, die Audi einst Bestnoten bei Gestaltung und Verarbeitung des Innenraums einbrachten.
Audi will kleinere Bildschirme und bessere Materialien
"Künftig wird Audi das Innenraumdesign von Radical Next integrieren … wir wollen bei der Displaygröße und den haptischen Elementen sehr zurückhaltend sein. Wir werden sehr viel Wert auf echte Materialien legen. Wenn ein Material wie Metall aussieht, dann sollte es auch Metall sein. Wir glauben, dass es Teil unserer DNA ist, auch einige physische Elemente zu haben – Tasten und Drehregler – und jedes davon sollte das klassische Audi-Klick- und Berührungsgefühl vermitteln."
Audis CTO wies darauf hin, dass sich die Kundenwünsche je nach Weltmarkt unterscheiden und es große Unterschiede zwischen China und dem Rest der Welt gibt. Das ist auch einer der Gründe, warum das Unternehmen gemeinsam mit SAIC eigens für den chinesischen Markt die separate Marke AUDI (ohne die ikonischen Vier Ringe) gegründet hat.
Autos wie der E5 Sportback und der E7X setzen auf minimalistische Innenräume mit riesigen Bildschirmflächen und sehr wenigen physischen Bedienelementen. Für den Rest der Welt hat die angestammte Marke Audi dagegen angekündigt, sich von übergroßen Displays zu verabschieden und an die Faszination ihrer Innenräume aus den frühen 2000er-Jahren anzuknüpfen. Das wird allerdings nicht von heute auf morgen geschehen. Neue Fahrzeuge werden Jahre im Voraus entwickelt, und ihr Design steht lange fest, bevor das erste Serienauto vom Band rollt.
Der A4 e-tron ab 2028 soll den Weg weisen
Das erste Volumenmodell, das Audis neue Philosophie verkörpern wird, kommt 2028, wenn der A4 zurückkehrt – dann als vollelektrische Limousine. Bis dahin dürften das bald vorgestellte Flaggschiff-SUV Q9 und der elektrische A2 e-tron die letzten Vertreter der alten Garde sein, entsprechend ist dort eher mit Bekanntem zu rechnen. Beim Q9 hat Audi die fühlbare Qualität bereits deutlich verbessert. Streng genommen hat Ingolstadt allerdings bereits ein Serienmodell vorgestellt, das den neuen Ansatz aufgreift.
Ja, die Rede ist vom Nuvolari. Allerdings ist der vom Lamborghini Temerario abgeleitete Hybrid-Supersportwagen auf 499 Exemplare limitiert und spielt daher im großen Gesamtbild keine entscheidende Rolle. Angesichts seines Charakters als elektrischer Sportwagen wird auch das Concept C kein alltäglicher Anblick sein, immerhin ist seine Produktion aber nicht begrenzt. Diese beiden Performance-Modelle dienen als Blaupause für das, was noch kommt – und wir sind gespannt, wie Audi ihre Ideen in die nächste Generation der Großserienmodelle überträgt.
2027 Audi Nuvolari
Hoffentlich folgen weitere Hersteller diesem Weg und erkennen, dass Kostensenkungen zugunsten höherer Gewinnmargen ihre Grenzen haben. Wenn Unternehmen diese Grenze überschreiten – und seien wir ehrlich, die meisten haben das bereits getan –, riskieren sie, Käufer zu verlieren, die weder eine Flut aus glänzend schwarzem Hartplastik noch aufdringlich platzierte Bildschirme akzeptieren wollen.
Das Concept C und der Nuvolari sind vielversprechende Schritte in die richtige Richtung. Entscheidend wird aber sein, wie Audi seine neue Innenraum-Philosophie in regulären Serienmodellen umsetzt. Der A4 e-tron dürfte uns ein deutlich besseres Bild davon vermitteln, was hinter dem Marketingbegriff "Radical Next" tatsächlich steckt.
Quelle: GoAuto
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