Apollo EVO (2026): Transformer-Drache mit V12-Sauger
800 PS, nur 1.300 Kilo und zehn Exemplare: Apollo zeigt den ersten fertigen EVO in Goodwood
Vor 20 Jahren sorgte der Gumpert Apollo für Schnappatmung. Der kompromisslose Sportwagen aus Deutschland pulverisierte Rekorde auf der Nordschleife und sah eher aus wie ein Le-Mans-Prototyp mit Kennzeichen als wie ein klassisches Straßenauto. Zwei Jahrzehnte später feiert die Marke dieses Jubiläum mit einem Fahrzeug, das kaum weniger radikal wirkt.
Beim Goodwood Festival of Speed 2026 zeigen die Bayern erstmals einen serienfertigen Apollo EVO. Das erste Kundenfahrzeug hört auf den Namen "Caribbean Dragon", ist eines von nur zehn geplanten Exemplaren und setzt weiterhin auf etwas, das inzwischen fast exotischer wirkt als eine Karosserie aus Carbon: einen frei saugenden V12-Motor.
Bildergalerie: Apollo EVO (2026) Caribbean Dragon
Der EVO tritt die Nachfolge des kompromisslosen Apollo Intensa Emozione an und bleibt dessen Philosophie treu. Eine Straßenzulassung spielt hier keine Rolle, Komfort ebenfalls nur eine Nebenrolle. Stattdessen konzentriert sich Apollo auf möglichst wenig Gewicht, maximale Aerodynamik und ein möglichst ungefiltertes Fahrerlebnis.
Herzstück des Hypercars ist ein 6,3-Liter-V12-Saugmotor mit 800 PS und 765 Newtonmetern Drehmoment. Die Kraft gelangt über ein sequenzielles Sechsganggetriebe an die Hinterräder. Zusammen mit einem Trockengewicht von lediglich 1.300 Kilogramm reicht das für einen Sprint von 0 auf 100 km/h in 2,7 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 335 km/h.
Die Basis bildet ein neu entwickeltes Carbon-Monocoque. Mit einem Gewicht von nur 165 Kilogramm soll die Struktur 15 Prozent steifer und gleichzeitig zehn Prozent leichter sein als die des Apollo Intensa Emozione. Hinzu kommen Carbon-Subframes vorne und hinten sowie spezielle Crashstrukturen aus Carbon.
Auch optisch macht der erste EVO-Kundenwagen deutlich, dass Zurückhaltung nicht Teil des Lastenhefts war. Mit seinen Flügeln, Luftkanälen und Carbonflächen sieht er nicht aus wie ein von Ingenieuren gezeichnetes Auto. Eher wie eines jener völlig übertriebenen Spielzeugautos, die Kinder an der Supermarktkasse unbedingt haben wollen. Nur dass dieses hier 800 PS leistet und tatsächlich existiert.
Der sogenannte Caribbean Dragon besteht aus mehr als 75 einzelnen Carbonteilen. Allein die Lackierung soll über 1.000 Arbeitsstunden in Anspruch genommen haben. Laut Apollo sorgen insgesamt acht Lackschichten für eine besonders tiefe Wirkung. Weiß- und Blautöne dominieren das Erscheinungsbild und verleihen dem Fahrzeug einen fast schon skulpturalen Charakter.
Passend dazu erhält das erste Kundenfahrzeug eine besondere "Dragon Skin"-Abgasanlage. Sie wird aus Titan im 3D-Druckverfahren gefertigt und kommt ohne klassische Schweißnähte aus. Durch die hohen Temperaturen auf der Rennstrecke verändert sich ihre Oberfläche mit der Zeit und nimmt zunehmend blaue Farbtöne an.
Auch im Cockpit setzt Apollo auf sichtbares Carbon und gefräste Aluminiumkomponenten. Die Gestaltung ist deutlich motorsportorientiert. Das Carbon-Monocoque bleibt bewusst sichtbar. Dazu kommen maßgeschneiderte Schalensitze und ein speziell gefertigtes Lenkrad. Hier steht nicht der Luxus, sondern das Gefühl, in einer besonders spektakulär aussehenden Rennmaschine zu sitzen, im Mittelpunkt.
Dass Apollo den EVO ausgerechnet gemeinsam mit dem ursprünglichen Gumpert Apollo und dem Intensa Emozione in Goodwood präsentiert, ist kein Zufall. Damit stehen gleich drei Generationen einer Marke nebeneinander, die sich schon immer lieber um Rundenzeiten als um Vernunft gekümmert hat.
Der EVO zeigt eindrucksvoll, dass Apollo auch 2026 noch seinen ganz eigenen Weg geht. Während viele Hypercars inzwischen auf Hybridtechnik, elektrische Zusatzleistung und immer komplexere Elektronik setzen, bleibt der EVO ein Bekenntnis zu Hubraum, geringem Gewicht und möglichst wenig Filter zwischen Auto und Fahrer.
Ein frei saugender V12, 800 PS, 1.300 Kilogramm Gewicht und eine Auflage von nur zehn Exemplaren – viel unvernünftiger wird es 2026 vermutlich nicht mehr. Und genau deshalb wirkt der Apollo EVO heute fast schon wie eine aussterbende Spezies.
Auch interessant
Jaguar Type 01 zeigt sich beim Goodwood Festival of Speed 2026
Kia Seltos (2026) im Test: Sekt oder Seltos?
Diese Baureihen könnte der Volkswagen-Konzern bis 2030 streichen
Das erste Serienmodell des Ferrari Luce ist wahnsinnig teuer
Porsche Macan mit Verbrenner: Produktion endet diesen Monat
Erwischt: Warum trägt dieser Porsche 911 GT3 einen Entenbürzel?
Nissan X-Trail (2026): Das kostet das Facelift (Update)