Dieser Toyota Camry hat zwei Motoren, sieben Zylinder und 700 PS
Vorne steckt der Dreizylinder des GR Corolla und hinten einen neuen, turboaufgeladenen Vierzylinder
Das 24-Stunden-Langstreckenrennen der Super Taikyu am vergangenen Wochenende bot den japanischen Herstellern erneut eine Bühne, um zu zeigen, woran sie zuletzt gearbeitet haben. Subaru deutete drei neue, seriennahe Modelle mit Handschaltung an, während Toyota gleich zwei ziemlich extreme Camry-Projekte zeigte, die so sicher nicht in den Handel kommen werden.
Das deutlich spannendere der beiden trägt verbreiterte Kotflügel und ein aggressives Aero-Kit – die eigentliche Überraschung steckt aber unter dem Blech.
Bildergalerie: 2026 Toyota GRMN Corolla
Toyotas Gazoo-Racing-Abteilung warf den serienmäßigen Vierzylinder raus und ersetzte ihn durch einen kleineren Dreizylinder. Das klingt zunächst nach Rückschritt, doch der verpflanzte Motor stammt nicht aus einem Sparmodell. Der „G16E-GTS“ ist aus GR Yaris, GR Corolla und dem hierzulande eher unbekannten Lexus LBX Morizo RR bekannt. Er leistet 300 PS (221 kW) und treibt die Vorderachse an.
Schon allein mit dem turboaufgeladenen 1,6-Liter-Motor wäre dieser Camry die stärkste Variante der aktuellen Mittelklasse-Limousine. Doch zusätzlich sitzt hinten – dort, wo normalerweise die Rücksitze wären – ein zweiter Motor. Dabei handelt es sich um Gazoo Racings neuen turboaufgeladenen Vierzylinder, der für künftige Toyota-Performance-Modelle vorgesehen ist. Unter dem Codenamen „G20E“ bringt er 2,0 Liter Hubraum mit und soll rund 400 PS (294 kW) leisten – die komplette Leistung geht an die Hinterachse.
Nicht das erste Auto mit zwei Motoren
GRs Skunkworks-Team konstruierte damit einen allradgetriebenen Camry mit seitlichem Auspuffauslass und irgendwo in der Größenordnung von 700 PS (515 kW). Aus naheliegenden Gründen wird daraus kein Serienmodell – ähnlich wie einst beim Volkswagen Scirocco Bi-Motor, dem Bimotor-Golf für Pikes Peak oder dem Mercedes A 38 AMG. Und: Es ist nicht der Camry mit der höchsten Zylinderzahl; diesen Titel trägt die NASCAR-Spezifikation mit V8.
Während Gazoo Racing zwei Motoren in einen Camry packte, zeigte Toyota Racing außerdem ein Bōsōzoku-inspiriertes Showcar, das vom neuen Vierzylinder angetrieben wird – klassisch vorn unter der Haube. Zwar fehlte hier ein Heck-Aggregat, dennoch zog der Wagen mit seinem völlig überdrehten Innenraum reichlich Aufmerksamkeit auf sich: Fell auf dem Armaturenbrett, ein gläserner Schaltknauf, Zigarren und sogar ein Kronleuchter.
Toyota hält sich zu weiteren technischen Details bedeckt. Berichte aus Japan behaupten jedoch, der schwarze Camry sei auf Hinterradantrieb umgebaut worden, wobei die Kraft über ein manuelles Getriebe geleitet wird. Klar ist: Wie der weiße Doppelmotorkandidat wurde auch dieses Auto ausschließlich als Showpiece aufgebaut.
Es ist angenehm zu sehen, dass der weltweit größte Autobauer seinen Entwicklungsteams hin und wieder die Freiheit gibt, sich auszutoben. Keiner der beiden Camry hat realistische Chancen auf eine Serienfertigung – umso faszinierender ist, was passiert, wenn die Fantasie freien Lauf bekommt.
Zu hoffen bleibt, dass der neue 400-PS-Motor irgendwann seinen Weg in einen GR Camry findet. Bis dahin dürfte er wohl in dem lange erwarteten und offiziell bestätigten Comeback des Celica debütieren. Toyota hat außerdem einen neuen MR2 angedeutet und bereits bestätigt, dass es eine nächste Supra-Generation geben wird – am Horizont zeichnet sich also klar etwas Spannendes ab.
Auch interessant
Toyota GRMN Corolla (2026): Hier kommt der Super-Corolla
Die italienische Marke OSCA kehrt an einem China-SUV zurück
Toyota GR Yaris (2026): Das kostet die optimierte Knallbüchse
Volvo EX30 Cross Country (2026) im Dauertest: Überraschend anders?
Tatsächlicher Verbrauch: Toyota Corolla Cross Vollhybrid im Test
Opel Astra: Nächste Generation wird in Rüsselsheim gebaut
Stars auf vier Rädern: Die legendären Autos aus Jurassic Park