Lada Samara (1986): Vom Sowjet-Kompakten zum Rallye-Sputnik
Der Kompakte markierte einen Wendepunkt bei den Russen, der sogar beinahe in der Gruppe B gestartet wäre
Der Lada Samara ist eines dieser Autos, die am Ende für eine ganze Epoche stehen. Puristisch, robust – für die Sowjetunion der 1980er-Jahre aber erstaunlich modern. Der Kompakte markierte damit einen Wendepunkt für den russischen Hersteller.
Und dann gibt es da noch eine Seite dieses Lada, die weniger bekannt ist: den Samara EVA. Eine Rallye-Version, die mit ungewöhnlich hochentwickelten technischen Lösungen versucht, an den Mythos der Gruppe B anzuknüpfen.
Porsche als Entwicklungspartner
Auch unter dem internen Kürzel BA3-2109 bekannt, beginnt die Geschichte des Samara 1984. Als frontgetriebener Schrägheck-Zweitürer wird er erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Für AvtoVAZ ist der Wagen eine Revolution, war man bis dahin eher deutlich konventionellere Konzepte gewöhnt, die vom Fiat 124 abgeleitet wurden.
Lada Samara (1986): eine kuriose Werbekampagne aus jener Zeit
Doch jetzt änderte sich alles: quer eingebauter Frontmotor, moderne Fahrwerkskonstruktion, Fünfgang-Handschaltung und eine sorgfältig ausgelegte Aerodynamik mit einem cW-Wert von 0,36 (für die damalige Zeit vergleichsweise niedrig).
Zum Start umfasst das Angebot drei Benzinmotoren: einen 1,1-Liter mit 55 PS (40 kW), einen 1,3-Liter mit 65 PS (48 kW) und einen 1,5-Liter mit 75 PS (55 kW). Alle Aggregate sind schlicht aufgebaut, arbeiten mit Vergaser, profitieren aber von einem Zylinderkopf, der unter Mitwirkung von Porsche entwickelt wurde.
Dieses kleine Detail lässt einen natürlich hellhörig werden, was den technischen Anspruch angeht. Das Fahrgefühl sei bodenständig, das Setup eher straff. Der Samara zeichnet sich durch gute Stabilität positiv aus.
Weiterentwicklung und Rallye-Ausflug
Lada Samara (1986), die Dreiviertelansicht von hinten
Im Heimatmarkt heißt er anfangs Sputnik, für den Export wählen die Russen den Namen Samara. Ab 1986 kommt Lada auch nach Westeuropa, wo der Kompakte durch seinen günstigen Preis und eine ordentliche Ausstattung auffällt. Allerdings bremsen einfache Materialien und ein begrenzter Komfort den Erfolg im Vergleich zu westlichen Wettbewerbern aus.
1992 wird die Baureihe um die Stufenheck-Version (21099) ergänzt, in den Folgejahren kommen optische und technische Updates hinzu. Im Jahr 2000 bringt ein deutlicheres Facelift Änderungen an Front, Innenraum und den Motoren, die nun mit elektronischer Einspritzung ausgerüstet sind.
Lada Samara (1986), der Innenraum
Die Produktion läuft lange weiter, übersteht auch die schwierige Phase nach dem Ende der Sowjetunion. Erst 2013 ist Schluss für den Dauerläufer.
Parallel dazu zeigt der Samara im Motorsport eine eher unbekannte Seite. Das EVA-Projekt entsteht als Rallye-Prototyp mit Gitterrohrrahmen, mittig platziertem Turbo-Motor und rund 300 PS (221 kW). Die Karosserie orientiert sich dennoch weiterhin an der Serie.
Der EVA sollte die sowjetische Antwort auf die hochgezüchteten Rallyeboliden der Gruppe B werden. Doch Lada ist zu spät dran. Der Traum platzt mit dem Ende der als viel zu gefährlich eingestuften Rennserie. Doch die Idee überlebt. Das technische Erbe kommt in späteren Projekten wie dem Samara T3 zum Einsatz, der bei der Rallye Paris-Dakar antritt.
Auch interessant
Neuer Lada Niva enthüllt: Ähnlichkeit zum Duster, aber kein Dacia
BMW M2 CS mit H&R-Tieferlegungsfedern perfektioniert
Die ungewöhnliche Geschichte des VW Scirocco mit zwei Motoren
Rossmönster Baja Plus und Trail 72: Zwei Offroad-Camper, zwei Extreme
Vergessene Studien: Pontiac Banshee XP-833 Concept (1964)
Rückleuchten-Design: Von der roten Lampe zum Stil-Element
Sanktionen ohne Wirkung: Russen kaufen weiterhin westliche Autos