So will der AMG-Chef Menschen für E-Autos begeistern: „Man muss sie fahren“
Motor1 hat sich mit AMG-CEO Michael Schiebe zusammengesetzt, der glaubt, den Schlüssel zum Verkauf elektrischer Performance-Autos gefunden zu haben
Mercedes-AMG ist bekannt für große Motoren, Lautstärke und ein grundsätzlich extremes Auftreten, wie es nur wenige andere Marken hinbekommen. Elektromobilität scheint da nicht so ganz ins Bild zu passen. Und doch tauschen die Affalterbacher nun mit der Einführung des neuen AMG GT 4-Türers den dicken V8 gegen E-Motoren und eine Batterie.
Historisch betrachtet taten sich AMG-Modelle mit kleineren Motoren eher schwer. Die Kontroverse um den letzten C 63 mit Vierzylinder hängt der Marke noch immer nach. Auch reine Elektro-Modelle wie der EQE 53 ließen sich bislang nicht in großen Stückzahlen verkaufen.
Nun wurde in dieser Woche mit dem GT 4-Türer Coupé das erste AMG-Elektroauto auf spektakuläre Weise enthüllt. Im Zuge dessen haben wir mit AMG-CEO Michael Schiebe gesprochen und ihn gefragt, wie er ein komplett neues elektrisches AMG-Modell erfolgreich verkaufen möchte. So ganz einfach dürfte das nicht werden, dennoch scheint der Mann zu wissen, worauf es ankommt.
„Wir wären dumm gewesen, wenn wir den Markt in den letzten Jahren nicht beobachtet hätten, oder? Wir wissen also, was unsere Wettbewerber gemacht haben. Wir wissen, was funktioniert hat und was nicht.“
Mercedes-AMG GT 4-Door
Der Markt für Performance-Elektroautos ist vergleichsweise klein. Ein gutes Beispiel ist der Porsche Taycan. Nach gutem Start ging es in den letzten Jahren mit den Neuzulassungen rapide bergab. Auch AMG selbst hatte beim Verkauf elektrischer Performance-Modelle wie dem genannten EQE zu kämpfen. Doch dieses (relative) Scheitern hält Schiebe nicht auf:
„Zunächst einmal muss das Produkt stimmen. Ich bin ziemlich überzeugt – vielleicht bin ich da nicht ganz neutral –, dass dieses EV ein völlig neues Level des elektrischen Fahrens im Performance-Segment bieten wird.“
Der neue GT 4-Türer steht auf einer eigenen AMG-Plattform, die technischen Eckpunkte sind spektakulär. Das Topmodell GT 63 leistet maximal 1.169 PS und das im Boost für bis zu 63 Sekunden. Ein Meilenstein. Die Beschleunigung von 0-100 km/h in 2,1 Sekunden und 0-200 km/h in knapp über 6 Sekunden erscheinen surreal.
Schiebe weiß, dass der beste Weg, Menschen diese Art von Leistung näherzubringen, darin besteht, sie schlicht selbst ans Steuer zu setzen.
„Wir werden ein sehr breites Spektrum an Schulungen [für Händler] anbieten. Dann müssen wir viele Probefahrten ermöglichen, denn bei diesem Auto muss man die Möglichkeit haben, es zu fühlen. Wir müssen die Kunden ans Lenkrad bringen, weil man das erleben muss.“
Mercedes-AMG CEO Michael Schiebe
Typische AMG-Käufer griffen bislang bevorzugt zu großen V8-Modellen wie dem bisherigen GT 63 4-Türer oder zu Performance-SUVs wie dem G 63. Sie ans Steuer zu bringen – und zugleich sicherzustellen, dass das Händlerpersonal genau weiß, wozu dieses Auto fähig ist – ist ein zentraler Baustein dafür, dass der GT 4-Türer erfolgreich wird.
Auch Schiebe selbst weiß, wie Autos wie der GT 4-Türer bei klassischen Enthusiasten wahrgenommen werden.
„Ich weiß, es gibt viele Annahmen im Markt, dass E-Autos vielleicht nicht emotional sind – aber glauben Sie mir: Man muss es fahren.“
Offenbar fällt die bisherige Resonanz jedoch positiv aus.
„Alle, die wir bislang ans Lenkrad bekommen haben, waren zutiefst beeindruckt davon, wie echt sich alles anfühlt.“
Schiebe weiß, dass es ein Prozess ist, Käufer an ein elektrisches Performance-Auto heranzuführen – erst recht, wenn es von einer Marke mit so viel Historie kommt. Allerdings experimentiert Mercedes-AMG schon seit einiger Zeit mit Elektroautos. Erinnern Sie sich nur an den SLS Electric Drive von 2013.
Inzwischen haben sich die technologischen Gegebenheiten in irritierendem Ausmaß verbessert. Dennoch tun sich sportliche, leistungsstarke Elektroautos auf dem Markt nach wie vor extrem schwer. Basis-Überzeugungsarbeit scheint von Nöten.
„Es ist so wichtig: Wenn man so ein großartiges Produkt hat, muss man der Welt sagen, dass man so ein großartiges Produkt hat.“
Der AMG GT 4-Türer wird Ende 2026 bei den Händlern stehen. Auch wir bei Motor1 sind extrem gespannt, ob dieses polarisierende Gefährt für die Schwaben zum Erfolg wird.
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