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Alfa Romeo 6C 2500 Cabriolet: Italiens letztes Klassik-Meisterwerk?

Der 6C 2500 steht für den Höhepunkt des handgefertigten Karosseriebaus und verbindet sportliche Tradition mit zeitlosem Luxus

Alfa Romeo 6C 2500 Cabriolet Superleggera by Touring (1939)
Bild von: RM Sotheby's

Der Alfa Romeo 6C 2500 Cabriolet zählt zu den letzten Zeugnissen italienischer Automobilkunst in reinster handwerklicher Ausführung. Mit einem 2.443 cm³ großen Reihensechszylinder, doppelt obenliegender Nockenwelle, rund 87 PS (ca. 64 kW) und Einzelradaufhängung verkörpert er den technisch ausgereiftesten Stand der gesamten 6C-Familie und steht am Ende einer langen, konsequenten Entwicklungsgeschichte.

Elegant in der Form, individuell in der Ausführung und für eine anspruchsvolle Kundschaft geschaffen, vereint er sportlichen Charakter mit dem Anspruch eines echten Luxusautomobils.

Bildergalerie: Alfa Romeo 6C 2500 Cabriolet Superleggera von Touring (1939)

Von der Rennstrecke auf die Straße

Um den 6C 2500 in seiner Bedeutung zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Wurzeln des von Vittorio Jano verantworteten Konzepts. 1925 debütiert zunächst der 6C 1500, als komfortabler Reisewagen konzipiert, doch von Beginn an dem Motorsport eng verbunden. Aus dieser Basis erwächst in den 1930er-Jahren eine bemerkenswerte Entwicklungsreihe über die Versionen 1750 und 2300, die sich durch ein hervorragendes Leistungsgewicht und außergewöhnliche Zuverlässigkeit auch im Renneinsatz auszeichnet.

Alfa Romeo 6C 2500 Cabriolet Superleggera von Touring (1939)

Alfa Romeo 6C 2500 Cabriolet Superleggera von Touring (1939)

Bild von: RM Sotheby's

Im Laufe des Jahrzehnts, während Alfa Romeo zunehmend in die Rüstungsproduktion eingebunden wird, reifen die Sechszylindermotoren weiter. Der Hubraum wächst, das bewährte Grundprinzip bleibt: Grauguss-Motorblock, Aluminium-Zylinderkopf mit zwei obenliegenden Nockenwellen und eine Gemischaufbereitung, die von schlichten Solex-Vergasern bis zu sportlicheren Mehrfachbestückungen mit Weber-Vergasern reicht.

Alfa Romeo 6C 2500 Cabriolet Superleggera von Touring (1939)

Alfa Romeo 6C 2500 Cabriolet Superleggera von Touring (1939), der Innenraum

Bild von: RM Sotheby's

1939 feiert der 6C 2500 als Krönung dieser Entwicklung seine Premiere. Als letzter Alfa Romeo mit separatem Rahmen ist er zugleich eine der letzten großen Bühnen des individuellen Karosseriebaus. Häuser wie Carrozzeria Touring, Pininfarina und Boneschi bringen jeweils eigene Interpretationen hervor und machen nahezu jedes Exemplar zu einem Unikat. Die Linienführung des 2500 vollzieht dabei einen stilistischen Übergang: Die üppigere Formensprache der 1930er-Jahre weicht einer ruhigeren, klareren Gestaltung, die das Nachkriegsdesign bereits ahnen lässt.

Die Odyssee des Cabriolets

Zu den seltensten Varianten zählt das fünfsitzige Cabriolet mit Touring-Karosserie aus dem Jahr 1939, von dem nur eine Handvoll Exemplare entstanden. Seine Geschichte liest sich wie ein Roman: Während des Krieges in Ungarn beschlagnahmt, taucht das Fahrzeug nach Kriegsende in Brünn wieder auf. Nach der Bergung und mehreren Besitzerwechseln gelangt es in den 1970er-Jahren in Familienbesitz, wo es über Jahrzehnte sorgfältig bewahrt wird und seine Authentizität in bemerkenswertem Maß erhält.

Alfa Romeo 6C 2500 Cabriolet Superleggera von Touring (1939)

Alfa Romeo 6C 2500 Cabriolet Superleggera von Touring (1939), der Motor

Bild von: RM Sotheby's

2006 unterzieht man den Wagen einer vollständigen, lückenlos dokumentierten Restaurierung, bei der sämtliche originalen Bauteile einschließlich des Motors erhalten bleiben. Das hier gezeigte Exemplar gilt heute als eines der bedeutendsten seiner Art. Es steht nicht nur für die technische Reife des 6C 2500, sondern auch für die Beständigkeit eines Automobils, das Epochen, Kriege und industrielle Umbrüche überdauert hat, ohne dabei etwas von seiner ursprünglichen Identität einzubüßen.