Mercedes Vision EQ Silver Arrow (2018): Enkel des Rekordwagens
Die fast vergessene Studie inspirierte die EQ-Reihe der Schwaben
Wir reisen zurück in das Jahr 2018 nach Pebble Beach, USA. Dort enthüllt Mercedes anlässlich der Monterey Car Week ein radikales Konzeptauto: den Vision EQ Silver Arrow. Das einsitzige-Showcar soll den Mythos der Silberpfeile heraufbeschwören – futuristisch neu interpretiert.
Pate steht der Mercedes-Benz W 125 Rekordwagen von 1937. Das legendäre stromlinienförmige Fahrzeug mit einer Karosserie aus rohem Aluminium sauste am 28. Januar 1938 auf der Strecke Frankfurt–Darmstadt auf einem fliegenden Kilometer dem damaligen Geschwindigkeitsrekord über 432,7 km/h entgegen. Am Steuer: Rudolf Caracciola. Ein Rekord, der erst 79 Jahre später gebrochen wurde.
750 PS aus einem einzigen Motor
Der Vision EQ Silver Arrow lehnt sich an den windschlüpfrigen Formen des Rekordwagens an. Er soll die neue Designsprache für alle folgenden Mercedes EQ-Modelle vorgeben. Mit schlichten, fließenden Linien soll die vollständig aus Karbonfaser gefertigte Karosserie zudem dazu beitragen, das Fahrzeuggewicht zu reduzieren.
Kompakte Maße finden wir hier dennoch nicht. Das Mercedes-Konzeptsuto misst ganze 5,16 Meter, ist dabei aber nur einen Meter hoch. Mit seinen ausladenden Radkästen und den halb abgedeckten Felgen sieht er auch heute noch aus wie ein Auto aus dem Jahr 2050.
Mercedes Vision EQ Silver Arrow Konzept (2018)
Die Front wird von einer Linie dominiert, die eine Art offenstehenden Haifischmund formt. Am Heck taucht hinter der massiven Finne ein integrierter, ausfahrbarer Spoiler auf, der sich je nach Geschwindigkeit in der Höhe anpasst, um für Anpressdruck zu sorgen.
Unter der Karosserie werkelt ein vollelektrisches Herz. 750 PS erzeugt der E-Motor, der von einer flachen 80-kWh-Batterie gespeist wird. Die versprochene Reichweite übertrifft 400 km. Zwar nicht allzu viel nach heutigen Maßstäben, jedoch kein schlechter Wert für das Ende der 2010er Jahre. Vieles holt dabei sicher der cW-Wert (Strömungswiderstandskoeffizient) heraus.
Und ja, bei einem Meter Höhe wirken die Räder nicht nur massiv, sie sind es auch: 24 Zoll an der Vorderachse, 26 Zoll an der Hinterachse. Bestückt sind sie mit Reifen im Format 255/25 vorne und 305/25 hinten. Jedes Rad besteht aus 168 Aluminium-Speichen in Roségold-Lackierung. Ein Detail, das Handwerkskunst und zeitgenössischen Stil vereinen soll, wahrscheinlich aber auch niemand wirklich putzen will.
Ein Raumschiff, das wie ein Formel-1-Wagen klingt
Im "Innenraum" herrscht ein reduziertes Flair irgendwo zwischen Digitalisierung und Sportboot. Zu nett gestaltet ist der Materialmix aus braunem Leder, gebürstetem Aluminium und massiven Walnussholz. Der erinnert natürlich auch an eine längst vergangene Ära des Motorsports – nur in weniger rustikal.
Dafür gönnt sich der Vision EQ Silver Arrow einen gebogenen Panoramabildschirm, auf den ein Beamer von hinten ein 3D-Bild der Umgebung projiziert. Im Lenkrad befindet sich ein weiterer integrierter Touchscreen. Zudem weist das System auf eine eventuell auftauchende Induktionsladung über präparierte Fahrspuren hin.
Das Innere des Mercedes Vision EQ Silver Arrow Concept (2018)
Über den Touchscreen können drei Fahrmodi ausgewählt werden – Comfort, Sport und Sport+. Über diese werden ebenfalls die Leistung und der künstliche Klang des Motors angepasst (ja, das mit dem Fake-Sound bei E-Autos war früh ein Thema). So imitiert der Vision EQ Silver Arrow das Dröhnen eines historischen Silberpfeils, eines Formel-1-Rennwagens oder den Klang des V8 Mercedes-AMG.
Die Studie hat zwar kein echtes Serienmodell hervorgebracht, sein Design hat dennoch einige folgende Mercedes EQ-Modelle inspiriert, wie unschwer zu erkennen ist. Darunter dürften sich weitere Prototypen und auch der AMG GT XX befinden.
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