Porsche im Kreuzfeuer: Analyst kritisiert überambitionierte E-Strategie
Die Konzentration auf Emobility scheint sich nun als Bumerang zu erweisen ...
Goldene Zeiten bei Porsche? Vorerst vorbei! Der Sportwagenbauer kämpft: China schwächelt, die E-Offensive stottert, Renditeziele wackeln. Analyst Fabio Hölscher (Warburg Research) legt in "Automotive News" den Finger in die Wunde: Porsches E-Strategie (80% bis 2030) sei "überambitioniert" – und ein Hauptgrund für die Misere.
Die einst steile Erfolgskurve der Zuffenhausener knickt ein. Im ersten Quartal 2025 meldete Porsche einen weltweiten Absatzschwund von acht Prozent. Besonders dramatisch: China mit einem Einbruch von 42 Prozent und der deutsche Heimatmarkt mit minus 34 Prozent. Zwar gab es ein Plus in Nordamerika, doch die Kernprobleme sind unübersehbar.
Porsche 718 Cayman EV (2026), das Motor1.com-Render
E-Strategie als Bumerang? Die harte Diagnose
Genau hier setzt die Kritik von Fabio Hölscher an. Das starre Ziel, bis 2030 weltweit 80 Prozent reine E-Autos zu verkaufen, sei der Knackpunkt, so der Warburg-Research-Experte laut "Automotive News". Die langsamere Adaption von Batteriefahrzeugen (BEV) zwinge Porsche nun, neben den kostspieligen Verzögerungen beim Hochlauf der E-Modelle, zusätzlich Verbrenner weiterzuentwickeln. Eine flexiblere Strategie à la BMW mit mehr Plug-in-Hybriden und geteilten Plattformen wäre laut Hölscher klüger gewesen.
Die Realität untermauert dies: Der Taycan, einst Hoffnungsträger, entwickelte sich zum Ladenhüter (Absatzeinbruch 50% in Q1-Q3 2024). Der Start des elektrischen Macan war von Software-Problemen und Verzögerungen geprägt. Auch die Elektrifizierung der Ikone 718 (Boxster/Cayman) verzögert sich wegen komplexer Batterieplatzierung – eine Angebotslücke droht. Hinzu kommt der für Luxusgüter untypische, schnelle Wertverlust von E-Modellen wie dem Taycan, der das Versprechen der Wertstabilität untergräbt.
Porsche Taycan GTS von 2025
China-Krise und die neue Flexibilität
Die Flaute in China, wo starke lokale E-Auto-Konkurrenz zu günstigeren Preisen aufwartet und der Markenname laut Finanzchef Lutz Meschke weniger zieht, verschärft die Lage zusätzlich. Als Reaktion scheint Porsche umzudenken: Die 80-Prozent-Elektroquote bis 2030 wurde von Chef Oliver Blume bereits aufgeweicht. "Flexibel gestaltete Antriebsstrategie" lautet das neue Credo. Verbrenner und Hybride sind wieder stärker im Fokus, um Kundenwünschen und Marktgegebenheiten zu entsprechen. Technologieoffenheit wird gefordert, Budgets und Kosten werden überprüft.
Rotstift-Alarm: Harte Zeiten für Erfolgsverwöhnte
Die angespannte Lage drückt auf Profitabilität und Belegschaft. 2024 sank der operative Gewinn auf 5,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 7,3 Mrd.), die Umsatzrendite fiel von 18,0 auf 14,1 Prozent. Für 2025 wird sogar eine Rendite zwischen 10 und 12 Prozent erwartet. Gerüchte über einen Abbau von bis zu 8.000 Stellen kursieren; 1.900 Stellen in Forschung und Produktion fielen bereits im Februar dem "verzögerten Hochlauf der Elektromobilität" zum Opfer. Das Sparprogramm "Road to 20", das eigentlich über 20 Prozent Marge sichern sollte, wird nun intensiviert.
Porsche Macan Electric
Warburg Research, inklusive Hölscher, stuft die Porsche Automobil Holding SE derzeit mit "Hold" und schwankenden Kurszielen ein – ein Spiegelbild der Unsicherheit. Die Zuffenhausener stehen am Scheideweg: Gelingt die Kehrtwende zurück zu alter Stärke oder droht eine längere Durststrecke? Hölschers Kritik an der möglicherweise zu forschen und unflexiblen Elektrifizierungsstrategie dürfte intern jedenfalls für gehörig Zündstoff sorgen.
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