Ja Herrschaftszeiten, was in aller Welt haben wir denn hier? Wir werden ja durch die Arbeit unserer umtriebigen Erlkönig-Fotografen und den Flurfunk im Auto-Business selten überrascht, aber das hier ist definitiv eine Ausnahme. Sieht aus, als hätte BMW bei seiner Neuen Klasse neben eckigen Limousinen und eckigen SUVs auch noch ein sehr sehr eckiges Coupé-Geschenk im Schlepptau.

Das kantige Teil wurde von unseren Prototypen-Jägern auf einem nicht näher genannten Flugplatz in Deutschland abgeschossen. Es sieht anders aus als alles, was wir bisher von BMW in puncto Coupé gesehen haben. Ein absolut radikaler Entwurf. Dass es sich dabei dennoch um einen waschechten Münchner handeln muss, wird relativ schnell klar.  

Man erkennt es an der inzwischen schon typischen Neue Klasse-Front mit niedrigem, aber sehr breitem und beleuchtetem (hier noch getarntem) Doppelnierengrill. An der Seite ähneln die stark ausgeformten Türen und Schweller sowie die Türgriffe dem Design der Neuen Klasse-Limousine. Die kastige Silhouette hebt dieses Auto komplett von bisherigen BMW-Entwürfen ab. Das hat ja schon Anflüge von DeLorean.

Das Heck wiederum wird wie bei Neue Klasse-Limo und -SUV von den beiden LED-Lichtleisten dominiert, die auf eine seltsame Art an Autos von Lincoln erinnern. Am ehesten geht dieser BMW-Entwurf noch mit der Studie BMW Vision M Next von 2019 konform. 

BMW Neue Klasse (2025) mit Radnabenmotoren als Erlkönig

BMW Neue Klasse Coupé mit Radnabenmotoren von der Seite

BMW Vision M Next Concept

BMW Vision M Next Concept

Wichtiger aber: Es sieht so aus, als könnten wir es hier mit Radnabenmotoren zu tun haben. Und dem Fehlen herkömmlicher Bremsscheiben. Laut Medienberichten von Anfang letzten Jahres haben BMW und der Zulieferer Continental rund 15 Millionen Euro in das Münchner Unternehmen DeepDrive investiert, das Radnabenantriebe entwickelt, bei denen die Motoren nicht im Fahrwerk, sondern in der Felge eingebaut sind.

Die Dual-Rotor-Motoren des Unternehmens haben eine deutlich höhere Drehmoment- und Leistungsdichte als herkömmliche Elektromotoren. Mit seiner Technologie stellt das Start-up in Aussicht, dass Elektroautos mit einer gleich großen Batterie 20 Prozent mehr Reichweite haben als bisher. Die Motoren sind zudem leichter und benötigen daher weniger Ressourcen wie seltene Erden. Da die einzigartigen Motoren von DeepDrive auch weniger Platz benötigen, können sie ohne Getriebe in der Radnabe eingesetzt werden.

"Die hocheffizienten Elektromotoren bieten große Vorteile in Bezug auf Gewicht, Kosten und Raumnutzung", sagt Marcus Behrendt von BMW i Ventures.

Bildergalerie: BMW Neue Klasse (2025) mit Radnabenmotoren als Erlkönig

In diesem Zusammenhang etwas verwirrend: Seit Sommer 2022 testet die BMW M GmbH einen i4 mit vier Elektromotoren - allerdings nicht in den Naben montiert. Im Mittelpunkt steht dabei ein Allradsystem, bei dem durch vier einzelne Elektromotoren - an jedem Rad einen - ein echtes Torque Vectoring ermöglicht wird. Dazu gehört auch eine entsprechende Fahrdynamikregelung. Das Antriebsmoment wird nicht durch Bremseingriffe an den kurveninneren Rädern, sondern über ein zusätzliches Drehmoment an den kurvenäußeren Rädern gesteuert. Die vier Motoren sind mit einem zentralen Steuergerät verbunden.

Es errechnet innerhalb von Millisekunden aus Gaspedalstellung, Lenkwinkel, Längs- und Querbeschleunigung, Raddrehzahlen und anderen Parametern die optimale Kraftverteilung. Die Signale werden ohne Umwege über Lamellenkupplung und Differentiale direkt an die vier Motoren weitergeleitet.

Das Antriebsmoment für das kurvenäußere Hinterrad wird parallel zum Lenkeinschlag erhöht. Davon profitiert auch die Rekuperation: Bis in den Grenzbereich können die vier Motoren zum Beispiel beim Bremsen vor einer Kurve die Generatorfunktion übernehmen und Strom für die Traktionsbatterie erzeugen.

BMW Neue Klasse (2025) mit Radnabenmotoren als Erlkönig

BMW Neue Klasse Coupé mit Radnabenmotoren von schräg hinten

Der neue Allradantrieb eröffnet neue Möglichkeiten für eine "bedarfsgerechte, stufenlose, äußerst präzise und gleichzeitig sehr schnelle Verteilung des Antriebsmoments", so BMW. Die so mögliche Dynamik sei "mit herkömmlichen Antrieben unerreichbar".

Welches System sich durchsetzt, wird die Zeit zeigen. Mindestens genauso interessant ist die Frage, was BMW mit diesem radikalen Coupé vorhat. Wird es ein künftiger M4 oder ein eigenständiges M Coupé mit noch sportlicherer Positionierung?