Diess bleibt nach "Vertrauenfrage" jedoch zunächst Konzernchef

Schlechte Stimmung bei Volkswagen: Seit Tagen ist der Presse zu entnehmen, dass sich Konzernchef Herbert Diess vom Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh blockiert vorkommt. Um die Machtfrage zu klären, hatte Diess deshalb bei der Sitzung des Aufsichtsrats-Präsidiums am gestrigen Dienstag angeblich eine vorzeitige Vertragsverlängerung verlangt. Dies wurde abgelehnt, wie das Handelsblatt nun berichtet. 

Wie bei einer Vertrauensfrage durch einen Bundeskanzler stand offenbar sogar ein Rücktritt von Diess zur Debatte, falls seine Favoriten bei der Besetzung wichtiger Konzernpositionen nicht berücksichtigt würden. Dieser Schritt wurde abgewendet, Diess bleibt zunächst Vorstandsvorsitzender, so der Bericht.

Die Diskussion der Machtfrage in der Presse hatte offenbar für eine eisige Atmosphäre im Aufsichtsrat gesorgt. Interesse an einer Ablösung des VW-Konzernchefs hatte in dem Gremium offenbar niemand. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass der Aufsichtsrat kürzlich die auf 70 Milliarden Euro erhöhten Mittel für die Digitalisierung und Elektrifizierung des Konzerns unterstützt hatte.

Das achtköpfige Präsidium des Aufsichtsrats sollte die Sitzung des kompletten Aufsichtsrats in der kommenden Woche vorbereiten. Mit Beschlüssen ist nun jedoch nicht zu rechnen, so der Bericht. Der Vertrag von Diess läuft noch bis Frühjahr 2023; normalerweise wird erst ein Jahr vor Vertragsende über eine Verlängerung verhandelt. Diess möchte offenbar eine Vertragsverlängerung bis zum Jahr 2025 erreichen; dann wäre er 67 Jahre alt. Eigentlich sollen VW-Vorstände jedoch mit 65 in den Ruhestand gehen.

An der Börse wurde die Nicht-Entscheidung negativ aufgenommen. Die Person Diess werde dadurch geschwächt, und das belaste den Aktienkurs, hieß es. Die Akte gab am heutigen Morgen um rund zwei Prozent nach, hatte sich mittags aber schon wieder weitgehend erholt.