"90 anni" und "Hypercars" lassen Historie wieder aufleben

Die Scuderia Ferrari, eine Motorsport-Ikone mit Millionen von Fans auf der ganzen Welt ist der Rennstall mit den meisten Formel-1-Siegen. 2019 feiert sie ihren 90. Geburtstag. Das Ferrari-Museum in Maranello richtet zu diesem Anlass eine große Jubiläums-Ausstellung aus.

Die Scuderia Ferrari wurde am 16. November 1929 in Modena von Enzo Ferrari gegründet. Die Società Anonima Scuderia Ferrari machte zunächst mit Alfa Romeos und bald mit den besten Fahrern jener Tage auf sich aufmerksam: bei den Mille Miglia, dem allerersten Wettbewerb, an dem das Team 1930 teilnahm, der Targa Florio, dem Bergrennen Triest-Opicina, bei dem Tazio Nuvolari den ersten Sieg holte, und bei Langstreckenrennen wie den 24 Stunden von Le Mans, Daytona und Spa sowie den 12 Stunden von Sebring. Und dann natürlich bei der Formel 1.

Die Ausstellung „90 anni“ (Bilder oben) zeigt die Autos dieser glorreichen Geschichte, vom Alfa Romeo 8C 2300 Spider, bei dem 1932 in Le Mans erstmals das Cavallino Rampante auf der Karosserie prangte, bis hin zum Einsitzer SF71H, mit dem noch letztes Jahr Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen ihre Rennen fuhren.

Dazwischen liegt zum Beispiel der Ferrari 500, mit dem Alberto Ascari 1952 und 1953 zwei Weltmeistertitel in Folge holte. Oder der Ferrari D50, mit dem Juan Manuel Fangio 1956 den vierten seiner fünf Weltmeistertitel gewann. Auch der Ferrari Dino 246 F1 ist dabei, mit dem Mike Hawthorn mit nur einem Punkt Vorsprung Stirling Moss die Weltmeisterschaft wegschnappte. Weiter geht es mit dem Ferrari 156 F1, mit dem John Surtees, der einzige, der jemals Weltmeisterschaften auf zwei und vier Rädern für sich entscheiden konnte, 1963 sein erstes Formel-1-Rennen gewann. Ebenfalls gezeigt wird der 312 T von 1975 mit seinem revolutionären, quer angeordneten Getriebe, mit dem der junge Niki Lauda seinen ersten Weltmeistertitel holte, und der 312 T4, mit dem Jody Scheckter 1979 die Fahrerweltmeisterschaft gewann. Nicht zu vergessen natürlich der Ferrari F2004, in dem Michael Schumacher mit 13 Siegen, davon sechs in Folge, 2004 seinen letzten Weltmeistertitel errang. Etwas weiter unten auf der Liste steht der F2007, mit dem sich Kimi Räikkönen beim Großen Preis von Brasilien in einer unerhörten Aufholjagd durchsetzte und so mit nur einem Punkt Vorsprung den Fahrertitel nach Maranello zurückholte. 31 Weltmeistertitel (15 Fahrer- und 16 Konstrukteurstitel) von Ferrari in der Formel 1 bleiben ein beispielloser Rekord.

An Sportwagenrennen erinnert beispielsweise der 166 MM, mit dem Ferrari vor 70 Jahren seinen ersten Sieg in Le Mans errang, auf den dann die Triumphe beim 24-Stunden-Rennen von Spa und bei den Mille Miglia folgten. Der 275 P wiederum dominierte 1964 das 12-Stunden-Rennen von Sebring und gewann danach das 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring und die 24 Stunden von Le Mans.

Mit einer weiteren Ausstellung namens „Hypercars“ (Bilder unten) würdigt das Museum die Ferraris, die bei der technologischen Evolution des Hauses wichtige Fortschritte markierten. Den Anfang macht der GTO von 1984. Die Fahrzeug-Ikone mit ihrer aggressiven und gleichzeitig eleganten Linienführung wurde mit dem Ziel entwickelt, den "Gran Turismo Omologato"-Mythos des legendären 250 GTO wiederauferstehen zu lassen.

Nur drei Jahre später produzierte Ferrari die Mutter aller modernen Hypercars: den F40, mit dem Enzo Ferrari das 40. Jubiläum des Unternehmens feierte. Er ist ein echter Rennwagen mit verblüffender Leistung und Performance, auch dank dem Turbomotor und dem Einsatz von Verbundwerkstoffen, die damals die Formel 1 dominierten.

1995 dann eröffnete Ferrari eine neue Ära mit dem F50, ein als Gran Turismo verkleideter Formel-1-Bolide. Der Ferrari Enzo von 2002, ein dem Gründer gewidmetes Hypercar, bei dessen Entwicklung Michael Schuhmacher beratend mitarbeitete, lieferte ein weiteres Mal das Maximum dessen, was ein Automobilhersteller damals auf die Straße bringen konnte. Er ist wieder vom Ferrari-Einsitzer inspiriert und verfügt über eine besonders innovative Mensch-Maschine-Schnittstelle, bei der auf Wunsch des Champions eine Reihe von Steuerelementen ans Lenkrad verlegt wurden. Darunter war auch der Vorläufer des „Manettino“, der später bei allen Ferraris eingesetzt wurde.

Beim LaFerrari, der 2013 vorgestellt wurde, liegt bereits im Namen die Quintessenz eines Wagens des Autobauers aus Maranello. Als erster Ferrari war er mit dem Hy-Kers-Hybridantrieb ausgestattet und brachte fast 1.000 PS. Die Version mit Targa-Dach, der LaFerrari Aperta, wurde 2016 vorgestellt und ist dank brillanter aerodynamischer Entwicklungsarbeit bei geschlossenen Fenstern nicht weniger effizient als das Coupé.

Die Ausstellung zeigt auch das Konstruktionsmodell des Ferrari P80/C, dem letzten Vertreter des One-Off-Programms, das die Anfertigung von wahrhaft einmaligen Versionen bestehender Modelle nach den Wünschen des Kunden ermöglicht. Der P80/C, der nach einer Entwicklungszeit von vier Jahren im letzten April vorgestellt wurde, ist der einzige One-Off in der Geschichte von Maranello, der ausschließlich für Rennstrecken zugelassen ist. Er basiert auf dem Ferrari 488 GT3 und ist die hochentwickelte Neuauflage des Konzepts hinter den Sport-Prototypen, das sich in den Wettbewerben der letzten Jahre bewährt hat.

Beim Rundgang durch die exklusive Geschichte der Marke Ferrari entdeckt der Besucher auch das „Tailor Made“-Programm. Ein Ausstellungsraum erinnert an Ferraris Centro Stile, in dem sich die Kunden ihre Autos personalisieren lassen können. Farbpaletten, Stoff- und Ledermuster sowie zahlreiche andere Materialien bieten unendliche Möglichkeiten.

Die Ausstellungen „90 anni” und „Hypercars” laufen bis Mai 2020.

Bildergalerie: Ausstellung "Hypercars" im Ferrari-Museum in Maranello