Wasserstoff macht's möglich: Schwerer Lastwagen mit 480 Kilometer Reichweite

Dass der Elektroantrieb für PKW der Antrieb der Zukunft ist, dürfte allmählich klar sein. Aber was ist mit dem Schwerlastverkehr? Wenn schon die Akkus für normale Autos viele hundert Kilo wiegen, wie schwer muss dann eine Batterie für einen 40-Tonner sein? Als Alternativen bieten sich Oberleitungen an, regenerative Kraftstoffe oder aber Wasserstoff. Auf die letztgenannte Lösung setzt Toyota mit dem Brennstoffzellen-LKW, den die Marke nun zusammen mit dem US-Hersteller Kenworth präsentiert.

Der Brennstoffzellen-LKW ist dabei nicht einmal völlig neu, sondern stellt eine neue Generation dar. Mit dem „Project Portal“ testet Toyota bereits seit April 2017 einen LKW mit Wasserstoff-Brennstoffzellen. Der ursprüngliche Alpha-Truck wird nun durch den weiterentwickelten Beta-Truck abgelöst. Die Neuauflage soll mit einer Wasserstoff-Tankfüllung rund 480 Kilometer schaffen. Auch Ladekapazität, Packaging und Performance wurden verbessert. Daten dazu und sonstige Angaben etwa zur Größe der Wasserstoff-Tanks macht Toyota nicht. 

Bisher haben Alpha- und Beta-Truck etwa 23.000 Testkilometer in und um die kalifornischen Häfen von Long Beach und Los Angeles abgespult. Ende 2019 sollen dann die ersten serienmäßigen Fuel Cell Electric Trucks (FCET) von Toyota und Kenworth in den Häfen erprobt werden.

Der Brennstoffzellen-Lkw kombiniert den Kenworth T680 Class 8 Truck mit Antriebstechnik von Toyota, wie sie auch im Mirai zum Einsatz kommt. Wie üblich wandelt die Brennstoffzelle Wasserstoff und Luftsauerstoff in Strom um, der für einen Elektromotor genutzt wird.

Der FCET ist Teil eines Programms, mit der die Umweltschäden durch die Häfen von Long Beach und Los Angeles verringert werden sollen. In den beiden Häfen sind mehr als 16.000 LKW im Einsatz, bis 2030 wird sich diese Zahl noch verdoppeln. Emissionsfreie Brennstoffzellen-LKW könnten hier Erleichterungen bringen.

Dazu ist auch ein Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur geplant. Am hauseigenen Toyota-Logistikzentrum entstehen drei neue Wasserstoff-Tankstellen, Shell baut darüber hinaus zwei neue Stationen in Wilmington und Ontario (Kalifornien).

In Kalifornien will Toyota künftig auch Strom erzeugen: Der Bau des weltweit ersten Brennstoffzellen-Kraftwerks zur Stromerzeugung im Megawatt-Bereich wurde bereits 2018 angekündigt. Die Tri-Gen genannte Anlage im Hafen von Long Beach soll neben Strom auch Wasser und Wasserstoff aus Bio-Abfällen erzeugen. Zusätzlich arbeitet das Unternehmen mit kleinen Lasttraktoren und Gabelstaplern mit alternativer Antriebstechnik an einem emissionsfreien Werksverkehr.

Mit all diesen Projekten macht Toyota einen weiteren Schritt im Rahmen seiner Environmental Challenge 2050: Das Unternehmen will seine CO2-Emissionen deutlich reduzieren, und zwar auch bei Produktion und Transport der Autos. Ein schadstofffreier Güterumschlag darf nicht fehlen, wenn man den gesamten Fahrzeuglebenszyklus berücksichtigt, so Toyota.

Bildergalerie: Toyota/Kenworth: Brennstoffzellen-LKW (2019)