Helfen sie oder spähen sie uns aus?

Heutzutage sind Kameras in Autos keine große Sache. Das gilt für uns Motorjournalisten, die für Tests ständig in diverse Kameras glotzen und noch mehr für die steigende Zahl an YouTube-Vloggern, die gefühlt ihr ganzes Leben auf Film festhalten. Natürlich wissen die Menschen in diesen Fällen ganz genau, was mit den Aufnahmen passiert. Ob das auch für die neuen Überwachungskameras gilt, die Volvo ab 2019 optional in ausgewählten Fahrzeugen anbieten will, ist dagegen nicht ganz so klar.

Das englische Car Magazine hatte exklusiv über das neue Feature berichtet und auch Volvos Chief Digital Officer Atif Rafiq dazu interviewed. Der sagte dem Magazin, dass die Kameras innerhalb der nächsten 12 Monate eingeführt werden und dass sie "heutzutage sehr fortgeschritten sind. Sie können zum Beispiel den Blutzuckerspiegel eines Fahrers durch Betrachten seiner Pupillen bestimmen und eine vertraute Person oder ein Krankenhaus anrufen, wenn sie ein Gesundheitsproblem erkennen. Autos werden Ihren Zustand verstehen und Sie auf dem Heimweg von der Arbeit entspannen."

Volvo sieht in den Kameras also ein weiteres Sicherheitssystem. Das größte Ziel der Schweden ist bekanntermaßen der Schutz der Insassen, also sollte auch dieser Schritt nicht überraschen. Dort ist man vom Fortschritt bei der Kamera-Technik so überzeugt, dass man denkt, sie könne Gesundheitsprobleme des Piloten feststellen, bevor sie sich auswirken. Bereits 2014 filmte man zu Forschungszwecken Fahrer in Shanghai, um zu verstehen, wie Menschen auf stressiges Fahren in Städten reagieren.

So richtig kümmert sich der angesprochene Artikel nicht um das große Ganze, lässt moralische Fragen eher im Hintergrund und zeigt dafür eher die Chancen dieser Technik auf. So hat Volvo beispielsweise im letzten Jahr in Programm namens "Drive Me" aufgelegt, bei dem autonome Fahrsysteme entwickelt und getestet wurden. Mit Hilfe der Kameras wurde das Verhalten des Fahrers getrackt, während das Auto zwischen normalem und autonomem Fahrern hin und her wechselte. Künftig könnte ein Auto so etwa bei einem erkannten Notfall sofort selbst das Steuer übernehmen und Leben retten.

Ein weiterer Nutzen von In-Auto-Kameras ist die Gesichtserkennung. "Kameras können für Video-Konferenzen und Identifizierungszwecke genutzt werden", sagt Rafiq. "Ihr Auto wird Sie erkennen, ihre Google-Apps, die Heizung und die Sitzposition für Sie einstellen. Es ist sehr clever."

Und was die unangenehmen Fragen dieses Themas betrifft: Ja, in dem Artikel heißt es, dass die aufgenommenen Informationen anonymisiert und nicht weitergegeben werden. Aber wer weiß schon, ob das wirklich stimmt? Keine Frage, moderne Technik kann das Fahren sicherer und besser machen. Allerdings könnten wir nur zu gut verstehen, wenn Menschen sich mit dieser Art der Überwachung sehr unkomfortabel fühlen. 

Source: Car Magazine

 

 

Bildergalerie: Volvo Drive Me Kameras