Gewagte Studie verbindet ultimativen Luxus mit vier E-Motoren

Auf der Auto China 2018 in Peking (25. April bis 4. Mai) tut Mercedes-Maybach etwas sehr Schlaues. Man zeigt ein Auto, das vor allem sehr solvente Chinesen in Ekstase versetzen dürfte. Die Studie Vision Mercedes-Maybach Ultimate Luxury verkörpert alles, was man im aufstrebenden Reich der Mitte liebt: Sie ist ein SUV UND eine Limousine. Und sie ist riesig.

Vier E-Motoren, 750 PS
Ach ja, rein elektrisch fahren kann das 5,26 Meter lange und 2,11 Meter breite Crossover-Trumm natürlich auch. Vielleicht nicht in ordinären Parkhäusern und Schnellrestaurant-Drive-Throughs (zu breit). Oder im Gelände (24-Zoll-Räder). Aber um solche Unzulänglichkeiten muss sich in dieser Fahrzeug-Kategorie ohnehin der Chauffeur kümmern. Der freut sich über einen vermutlich ziemlich kräftigen Bumms, denn der Vision Ultimate Luxury hat gleich vier Elektromotoren an Bord. Sie bringen es zusammen auf 750 PS und stellen damit sogar den pompösen Maybach G 650 Landaulet in den Schatten, dessen Biturbo-V12 gerade mal 650 PS locker macht. Schöne, neue Elektro-Welt, also. Auch, weil die vier kompakten E-Aggregate für einen vollvariablen Allradantrieb sorgen.

Reale 320 Kilometer Reichweite
Zu den Fahrleistungen dieses lukullischen Gefährts schweigt man sich bei Maybach übrigens noch aus. Lediglich von einer auf 250 km/h begrenzten Höchstgeschwindigkeit ist die Rede. Allerdings wissen wir von einer 80-kWh-Batterie im Unterboden und die soll für über 500 Kilometer Reichweite gut sein. Laut NEFZ, wohlgemerkt. Nach dem amerikanischen und deutlich praxisnäheren EPA-Zyklus sind es 320 Kilometer. Geladen wird der Vision Ultimate Luxury dank CCS-Standards mit bis zu 350 kW. So soll man in fünf Minuten genügend Saft für 100 Kilometer gesammelt haben. Aber auch induktiv oder an einer banalen Haushaltssteckdose kann man den majestätischen Stil-Mix zu neuen Kräften bringen.

Die neue Maybach-Optik
Das Design des Vision Mercedes-Maybach Ultimate Luxury knüpft in gewisser Weise an die verschwenderisch gezeichneten Studien Maybach 6 Coupé und Maybach 6 Cabriolet aus den Jahren 2016 und 2017 an. Wo andere Edel-Schmieden wie Rolls-Royce (mit dem neuen Cullinan) oder Bentley (mit dem Bentayga) jedoch auf klassische SUV-Proportionen setzen, sehen die Schwaben die ultimative Expression von All-Terrain-Luxus in einer erhöhten Limousine. Maybach erkennt darin „eine interessante Spannung zwischen Sportlichkeit und Luxus.“ Außerdem entspräche die SUV-typische Sitzposition dem Wunsch vieler Kunden nach einem Gefühl von Schutz und Geborgenheit.

Im Fond wird Tee getrunken
Schützenswert ist auch das Interieur des Vision Ultimate Luxury. Denn es ist nicht nur unwahrscheinlich erhaben und hoch technologisiert, sondern vor allem auch sehr sehr weiß. Um die komplette Ebene unter den Fenstern zieht sich eine breite Ebenholz-Fläche, die Sitzschalen sind mit Roségold beschichtet. Selbiges findet sich auch hinter der Sitzperforation und in der Steppung. Die breite Mittelkonsole zieht sich bis hinter die beiden First-Class-Fond-Sessel, die manigfaltig neig-/verstellbar sind und über eine elektrisch ausfahrbare Fußstütze verfügen. In der Mittelkonsole selbst befindet sich ein beheizbares Holztablett aus Ebenholz, das mit einem Porzellan-Teeservice ausgestattet ist. Tee statt Champagner, Sie sehen schon, auf welchem Erdteil dieses Auto gut ankommen soll. Nichtsdestotrotz zeigt dieses Interieur, wo die Reise bei künftigen Maybachs hingeht.

MBUX auch im Maybach
Das Armaturenbrett selbst wirkt erstaunlich reduziert. Viel mehr als Lüftungsdüsen (in Form des monumentalen Kühlergrills) und das aus der S-Klasse bekannte Super-Display mit zwei 12,3-Zoll-Bildschirmen, gibt es nicht. Was das Infotainment betrifft, setzt auch die neueste Maybach-Studie auf MBUX. Die Mercedes-Benz-User-Experience feierte in der neuen A-Klasse Premiere und soll auch im Vision Mercedes-Maybach Ulitmate Luxury für allerneuesten Bedien-Komfort sorgen. Gesteuert wird das Ganze per Touch- oder Sprachsteuerung. Ob es dann „Hey, Mercedes ...“ oder „Hey, Maybach ...“ heißt, ist leider nicht bekannt. Der Hersteller verspricht aber, dass der Vision Ultimate Luxury wie ein Butler vorausschauend agiert, die Musik spielt, die gerade zur Stimmung passt oder den Terminkalender des gestressten Besitzers kennt und die Routen entsprechend plant.

Noch nichts zu Serien-Plänen
„Das Showcar verschmilzt Einflüsse der westlichen und fernöstlichen Hemisphäre zu einem reizvollen automobilen, kulturellen Dialog“, sagt Maybach. Ob wir den Vision Ultimate Luxury irgendwann in Serie sehen, sagt Maybach leider nicht. Der neue, 2019 erscheinende Mercedes GLS böte sicher keine schlechte Basis für ein hochtrabendes Luxus-SUV. Ob es dann auch wirklich so Limousinen-ähnlich daherkommen wird, muss man abwarten.

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