Ebenfalls beschlossen: Konzernstruktur wird umgemodelt

Der VW-Aufsichtsrat hat soeben Herbert Diess als neuen Konzernchef ernannt. Seine bisherige Aufgabe als Chef der Marke VW behält der promovierte Maschinenbauer, führt also künftig Konzern und Marke in Personalunion. Er wird künftig von einem „Chief Operation Officer“ für die Marke VW unterstützt, eine Art rechte Hand für Diess, wie Aufsichtsratsvorsitzender Hans Dieter Pötsch auf einer Pressekonferenz am heutigen 13. April sagte. Die Person dafür werde derzeit innerhalb des Konzerns gesucht.

Diess soll den Wandel vorantreiben
Ein Grund für der Wechsel von Müller zu Diess war laut Pötsch, dass der Verantwortliche vom Alter her die nötige Unternehmenstransformation im Ganzen bewältigen sollte. Müller ist bereits 65, während Diess mit 59 Jahren etwas jünger ist. Diess ist zudem erst im Dezember 2014 zu VW gekommen und gilt daher als unbelastet in der Dieselaffaire.

Goldener Handschlag für Müller
Müller scheidet laut Pötsch im gegenseitigen Einvernehmen als Vorstandsvorsitzender aus. Pötsch dankte ihm ausdrücklich für sein Engagement. Müller hatte die Führung im September 2015 von Martin Winterkorn übernommen, der wegen des Dieselskandals zurücktrat. Müllers Kommunikationsverhalten in der Schummelaffäre wurde in der Presse als teilweise wenig diplomatisch beurteilt. Da Müllers Vertrag eigentlich noch bis 2020 läuft, erhält er eine Abfindung, die etwa bei 20 Millionen Euro liegen dürfte, so ein Online-Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 12. April 2018. Hinzu kommt eine Betriebsrente von etwa einer Million jährlich – das wären rund 2.900 Euro pro Tag.

Drei Markengruppen
Diess beginnt seine Tätigkeit mit einer Umstrukturierung. Um den Konzern zu dezentralisieren, werden drei neue Markengruppen eingeführt: „Volumen“ umfasst Seat, Skoda und VW (inklusive VW Nutzfahrzeuge) sowie die Mobilitätsdienstleistungen und wird von Diess geführt. „Premium“ umfasst ausschließlich Audi und wird wie gehabt von Rupert Stadler geleitet. Porschechef Oliver Blume ist für die Sparte „Super Premium“ zuständig, die aus Porsche, Bentley und Bugatti besteht, später auch Lamborghini. Ducati bleibt zunächst bei Audi. Die Sparte „Truck & Bus“ (bestehend aus MAN und Scania) soll ihren Sitz von Braunschweig nach München verlegen und später an die Börse gebracht werden -- ohne dass der Konzern die Kontrolle aufgeben will. Die für die Markengruppen verantwortlichen Vorstandsvorsitzenden übernehmen zusätzlich Konzernführungsaufgaben. Diess verantwortet die Konzernentwicklung und Forschung, Stadler den Konzernvertrieb und Blume die Konzernproduktion. Blume steigt dazu auch in den Konzernvorstand auf.

Personalvorstand aus Betriebsratskreisen
Diess galt bei Arbeitnehmervertretern bisher als harter Kostendrücker. Der mächtige Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh hatte sein Agieren noch Anfang 2017 in der Öffentlichkeit als „zutiefst unsozial“ bezeichnet, wie die Wirtschaftswoche in einem Online-Artikel vom heutigen 13. April erinnert. Vielleicht um die Zustimmung Osterlohs zur Führung durch Diess zu erhalten, wird der bisherige Generalsekretär des Konzernbetriebsrats, Gunnar Kilian, zum Personalvorstand ernannt. Vorgänger Karlheinz Blessing scheidet aus dem Vorstand aus. Der Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Kommissarisch wird seine Aufgabe vom Beschaffungsvorstand der Marke VW, Ralf Brandstätter, übernommen.

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