Bereits vor 50 Jahren Plattform-Strategie mit drei Grundmodellen

Ein ewig junger Alfa Romeo wird 50: der Giulietta Sprint. Das erfolgreichste Alfa Romeo Coupé der 50er Jahre und seine nicht minder populären Derivate – Giulietta Berlina und Spider – schrieben Automobilgeschichte und führten die Mailänder Automarke in neue Absatzregionen. Mehr als 28.000 Kunden, unter ihnen Größen wie Sophia Loren und Gina Lollobrigida, entschieden sich für das Coupé.

Ein in jenen Tagen außergewöhnlicher Markterfolg, zu denen sich über 131.000 Giulietta Berlina und 17.000 Giulietta Spider addierten. Die Tradition dieser drei Modelle findet bis in die Gegenwart hinein ihre nahtlose Fortsetzung: Aus dem Giulietta Sprint avancierte der aktuelle Alfa GT, dem Giulietta Berlina steht heute der Alfa 156 gegenüber und der Giulietta Spider findet sein Pendant der Neuzeit im Alfa Spider.

1954: Debüt des Giulietta Sprint
Alfa Romeo präsentierte am 19. April 1954 auf dem Turiner Salon einen Prototypen des Giulietta Sprint. Unter der Motorhaube des knapp vier Meter langen und 1,32 Meter hohen Hecktrieblers wartete ein 1.290 Kubikzentimeter großer Leichtmetall-Vierzylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen darauf, seine 65 PS bei 6.500 Umdrehungen zu entfalten. Das reichte für eine Spitze von 165 km/h – ein sehr guter Wert für die damalige Zeit.

Nachfrage überstieg Angebot
Obwohl der Giulietta Sprint deutlich günstiger angeboten wurde als alle Alfa Romeo Sportwagen zuvor, war auch er kein Fahrzeug für die breite Masse. In Deutschland kostete er beispielsweise 1957 umgerechnet 8.104 Euro. Dennoch gingen bereits während des Turiner Salons 700 Bestellungen ein. Ein Trend, der sich fortsetzen sollte und schnell die ursprünglichen Kapazitätsgrenzen für die bei Bertone hergestellten Karosserien sprengte. Verschiedene Karosseriebauer der Region sprangen ein, um die Haut des Alfa Romeo in Handarbeit zu fertigen, bis 1960 ein neues Bertone-Werk dem anhaltenden Zuspruch der Kunden vollends gerecht werden konnte.

Giulietta Berlina und Giulietta Spider
Im April 1955, erneut auf dem Turiner Salon, wurde der Giulietta Berlina präsentiert. Die Vier-Meter-Limousine teilte sich ihre Bodengruppe mit dem Sprint. Bereits im Herbst desselben Jahres reichte Alfa Romeo als Weltpremiere im Rahmen der IAA in Frankfurt den von Gian Battista Farina gezeichneten Giulietta Spider nach.

Giulietta Sprint Veloce
Zwei Jahre nach dem Debüt des ersten Giulietta Sprint folgte die nächste Evolutionsstufe der Baureihe: der Giulietta Sprint Veloce, eine Homologationsserie zur Teilnahme an der Mille Miglia 1956. Seine 80 PS garantierten 170 km/h Höchstgeschwindigkeit. Kurz nach dem Sprint kam auch der Spider Veloce.

Die zweite Serie ab 1959
Am 24. Juni 1959 präsentierte Alfa Romeo in Monza die aktualisierte, zweite Generation des Giulietta Sprint. Das neue Modell war von Giorgetto Giugiaro, der damals noch für Bertone in Lohn und Brot stand, dezent optimiert worden. Die Leistung der Serienversion stiegt auf Veloce-Niveau (80 PS), die Spitzengeschwindigkeit ebenfalls. Deshalb folgte nahezu parallel auch die zweite Serie des Veloce. Er war nun 96 PS stark und 175 km/h schnell. Gegen Aufpreis stand für den Giulietta Sprint Veloce jetzt auch ein Fünfganggetriebe zur Verfügung. Es wurde erstmals 1957 für die aerodynamisch optimierte, 100 PS starke und über 180 km/h schnelle Sonderversion Giulietta Sprint Speziale eingesetzt.

Aus Giulietta wird Giulia
Wie dieser Speziale (später 112 PS stark), debütierten über die Bauzeit des Giulietta Sprint weitere sportliche Sonderversionen, wie etwa der ebenfalls 100 PS starke Giulietta SZ, der gemeinsam mit Zagato konzipiert und dort auch gebaut wurde. Im Juni 1962 taufte das Unternehmen den Giulietta Sprint und Spider in Giulia um. Hintergrund: Die neue Giulia Limousine hatte inzwischen den viertürigen Giulietta abgelöst und damit eine modifizierte Nomenklatur für die Mittelklasse-Modelle eingeführt. Kraftvoller Nebeneffekt: Sprint und Spider erhielten parallel den neuen 92-PS-Motor des Giulia.

1300 Sprint – die letzte Serie
Ein Jahr später folgt der gänzlich neue Giulia Sprint. Und doch war der ,Alte" aufgrund anhaltender Beliebtheit weiterhin im Programm. Zwei Autos, ein Name? Ging nicht. Der nun - als Abschiedserie - wieder vom 1.290 Kubikzentimeter großen 80-PS-Motor angetriebene "Giulietta Sprint" erhielt deshalb die Bezeichnung ,1300 Sprint". Allein zwischen 1964 und 1965 wurden von ihm weitere 1.800 Exemplare ausgeliefert. Dann war endgültig Schluss, denn Alfa Romeo preschte mit dem erfolgreich angenommenen Giulia (mehr als 224.000 gebaute Exemplare) auf und davon in Richtung Zukunft.

Übrigens: Nach Schätzungen von Alfa erfreuen sich rund 70 Prozent aller jemals gebauten Giulietta Sprint noch heute bester Kondition.
(hd)

Bildergalerie: Alfa Romeo Giulietta Sprint