4.182 Kilometer, 20 Audis und 120 Fahrer: Wir waren dabei

,Von A nach B fahren" sagt man, wenn man sich im täglichen Leben zwischen zwei beliebigen Orten fortbewegt. Also, wenn man beispielsweise in die Arbeit oder in den Supermarkt fährt. Bei Audi kam man auf die Idee, die Strecke von A nach B einmal genau zu definieren, zu vermessen und dann mit möglichst wenig Sprit abzufahren. Wir wissen jetzt: A und B liegen genau 4.182 Kilometer und acht Länder auseinander. Nämlich der Ort ,Å" auf den norwegischen Lofoten und das Dorf Beé in der Nähe des schönen Lago Maggiore in Italien. 120 Fahrer in 20 Autos sollten neun Tage lang zwischen dem 22. und dem 30. September 2009 unterwegs sein. Jeweils zwei Teams in identischen Autos traten gegeneinander an. Ein Punktesystem für niedrigen Verbrauch und das Einhalten der vorgegebenen Durchschnittsgewindigkeit ermittelt zwischen den Teams den Gewinner. Die Autos der Challenge waren alle mit spezieller Messtechnik bestückt, zudem wurden die Tanks nach jedem Nachfüllen versiegelt. Schummeln ging also nicht.

Von 105 bis 500 PS
,Efficiency Challenge" nannten die Ingolstädter ihre Tour von A nach B. Sie sollte nicht nur zeigen, dass Audi in allen Klassen effiziente Autos anbietet, sondern dass auch der Fahrer auf den Verbrauchswert Einfluss nehmen kann. Also wurden nicht nur die Spritsparmodelle auf die Piste geschickt, sondern auch richtig heiße Eisen, denen viel Durst nachgesagt wird. Die Palette der Challenge-Autos reichte vom 105 PS starken Spar-Audi A3 1.6 TDI, über den A4 2.0 TDI e mit 136 PS, den S3 mit 265 PS, den gleich starken A5 Sportback 3.2 FSI quattro bis zum 340 PS leistenden Audi TT RS. Die Rolle des PS-Monsters übernahm der Q7 6.0 TDI quattro, der 500 PS aus zwölf Zylindern holt.

Journalisten und Kunden als Fahrer
An den Steuerrädern: Motorjournalisten aus aller Welt und Audi-Kunden, die sich via Internet beworben hatten. Die Strecke wurde in drei Wellen gefahren: Von Å nach Trondheim, von dort nach Berlin und dann in Welle 3 nach Beé. Wir haben uns am Abend der Bundestagswahl, am 27. September, in der Hauptstadt ins Geschehen eingeklinkt und sind die Tour bis zum Ziel in Oberitalien mitgefahren.

A3 1.6 TDI: 3,2 Liter auf einer Etappe
Journalisten-Kollegen und Kunden haben gut vorgelegt: Mit nur 3,2 Liter Durchschnittsverbrauch schaffte ein Team mit dem A3 Sportback 1.6 TDI die 414 Kilometer lange Strecke zwischen Harstad und Mo i Rana in Norwegen. Von Audi selbst ist dieses Auto, das erst 2010 auf den Markt kommt, mit einem Gesamtverbrauch von 3,8 Liter angegeben. Der S3 Sportback schluckte auf der selben Strecke übrigens 7,2 Liter, das sind 1,3 Liter weniger als die kombinierte Herstellerangabe.

Durchschnittsgeschwindigkeit vorgegeben
Wer solche Werte hört, fragt sich zunächst, ob die norwegischen Verkehrsnachrichten voll waren von Berichten über deutsche Audifahrer, die mit 30 km/h die Landstraßen langzuckeln und Traktoren ausbremsen. Um das zu verhindern, haben die Veranstalter kurzerhand einen Geschwindigkeitsdurchschnitt vorgegeben, der erreicht werden musste.

Von Berlin nach Prag
Bei uns sind das an unserem ersten Tag von Berlin nach Prag 81 km/h. Als wir uns morgens durch den dicken Stadtverkehr der Hauptstadt stehen, wissen wir noch nicht, wie wir diesen Schnitt schaffen sollen. Nach einigen Kilometern erscheint ein dürftiger Wert von 14 km/h an der Anzeige des Bordcomputers. Wir fahren einen A5 Sportback mit 3,2-Liter-V6. Das Datenblatt des 265-PS-Wagens weist einen Durchschnittsverbrauch von 9,3 Liter aus. Wir werden versuchen, darunter zu bleiben.

Gewicht richtig verteilen
Am Abend vorher hat Effizienztrainer Kai-Uwe Jochims den Tour-Teilnehmern noch einen Crashkurs in Sachen Spritsparen gegeben. Auf den richtigen Luftdruck in den Reifen kommt es an und auf eine ausgeglichene Beladung. Wenn der Wagen aufgrund der Gewichtsverteilung aussähe wie eine startende DC10, wäre die Last falsch verteilt. Und natürlich soll man Dachboxen nach dem Urlaub wieder abbauen und das Auto insgesamt entrümpeln. Frühes Hochschalten, spätes Runterschalten und Motor-Abschalten bei längeren Stopps lassen die Tanknadel weniger schnell sinken.

Lüftung darf angeschaltet bleiben
Wer auch Kleinigkeiten beachtet, kann in der Summe bis zu 30 Prozent einsparen. Also denken wir daran, halten die Fenster geschlossen, das verringert den Luftwiderstand. Die Klimaautomatik lassen wir ausgeschaltet, schließlich verbrennt der Motor Benzin, wenn er den Klimakompressor antreibt. Bis zum Zwischenstopp am Schloss Pillnitz schalten wir das Klimagerät nur ein, wenn die Scheiben beschlagen. Dort gibt uns Audi-Entwickler Martin Weisbrodt den Tipp, wenigstens die Ventilation anzulassen, das würde mit keinem wesentlichen Mehrverbrauch ins Kontor schlagen.

Spezielle Meßtechnik
Mit der Zeit gewinnen wir richtig Spaß an der Spartour. Wir fahren verhalten, vorausschauend und versuchen, das Gaspedal mit dem Fuß nur zu streicheln. Am Ortseingang von Dresden lesen wir einen Durchschnittsverbrauch von 8,1 Liter und einen Speed-Schnitt von 83 km/h am Bordcomputer-Display ab. Doch die Stadt bremst uns regelrecht aus. Über Landstraßen geht es weiter bis zum Etappenziel Prag. Immerhin: Für die 347 Kilometer lange Strecke haben wir 8,2 Liter benötigt und sind durchschnittlich 76 km/h gefahren. Wir kassieren Pluspunkte, weil unsere Gegner schlechter sind.

4,1 Liter mit dem Audi A3 1.6 TDI
Am nächsten Tag teilt uns das Los den bereits erwähnten Saubermann A3 1.6 TDI Sportback mit Fünfgang-Getriebe zu. Leichtlaufreifen, verbrauchsoptimierte Getriebeübersetzung, ein Start-Stopp-System und eine Rekuperation sollen den Kompaktwagen zur Sparbüchse machen. Die Reise geht von Prag nach Kitzbühel, ein Weg von 608 Kilometer, durch die Stadt, über Autobahnen und Landstraßen. Ob wir das mit einer Tankfüllung schaffen? Die Frage ist rein rhetorisch. Nach einer Stunde Fahrt zeigt der Bordcomputer eine theoretische Restreichweite von 1.500 Kilometer an. Wiederum versuchen wir eine gesunde Mischung aus Dieselsparen und normaler Fahrweise zu praktizieren, auch um den Tages-Speed von 77 km/h zu erreichen. Am Ende werden es 4,1 Liter sein, die wir auf jeweils 100 Kilometer benötigt haben. Bei der Geschwindikeit waren wir um einige km/h zu langsam.

S4 mit 333 PS
Am letzten Tag sind wir allerdings ein wenig traurig: Per Los bekommen wir eine S4-Limousine, einen viertürigen Sportwagen, dessen dynamische Qualitäten wir bereits vor einigen Monaten auf der Rennstrecke kennen lernen durften. Uns erwarten handgeschaltete 333 PS aus einem Dreiliter-V6 – und 556 Kilometer bis zum Zieleinlauf nach Beé. Vor uns liegen Serpentinen, Bergabfahrten und herrliche Landstraßen, die normalerweise geschaffen wären für einen messerscharfen Boliden wie den S4. Aber wir dürfen nicht, wie wir möchten. 9,7 Liter sagt die Werksangabe, die wir unbedingt unterbieten wollen. Wir versuchen es mit allen Mitteln. An der Kreuzung stellen wir den Motor ab, lassen uns mit eingelegtem Gang bergab rollen, anstatt durch die Biegungen zu flutschen, schalten die Klimaautomatik und das Radio aus und fahren so zurückhaltend, wie wir normalerweise einen S4 nicht über eine so lange Strecke bewegen würden. Dennoch sind wir kein Verkehrshindernis: Die Speed-Vorgabe für diesen Tag sind immerhin 81 km/h.

Beé: Jubel bei der Einfahrt
Es hat geholfen: Als uns die Einwohner von Beé jubelnd und Fahnen schwenkend begrüßen, lesen wir 8,0 Liter und 81 Durchschnitts-km/h am Bordcomputer ab. Zwischenzeitlich hatten wir auch 7,8 Liter, aber ein Stau am Lago Maggiore hat den Wert wieder hochgetrieben. Für den Sieg hat es trotzdem nicht gelangt: Unser Konkurrenz-Team schafft auf gleicher Strecke mit dem S4 6,9 Liter. Dennoch: Die Audi Efficiency Challenge war ein Wettbewerb mit ersten und zweiten Siegern. Die Tour sollte zeigen, dass man mit einem Serienauto bei überlegter Fahrweise durchaus auch einen Verbrauch erzielen kann, der unter oder nahe der Werksangabe liegt. Das ist gelungen, wenngleich im Alltag wahrscheinlich leicht höhere Werte eingefahren werden – nur wenige werden beispielsweise im Sommer die Klimaanlage abschalten und die Fenster geschlossen halten. Trotzdem: Wer ein paar Regeln des Spritsparens beherzigt, kann selbst aktiv den Verbrauch senken.

Die Werte in der Übersicht
Insgesamt haben die Fahrzeuge auf der rund 4.200 Kilometer langen Tour folgende Durchschnitte pro 100 Kilometer erreicht (Klammerwert: Werksangabe):

- A3 Sportback 1.6 TDI
: 3,3 Liter (3,8 Liter)

- S3 Sportback
: 7,2 Liter (8,5 Liter)

- A4 2.0 TDI e
: 4,4 Liter (4,6 Liter)

- S4
: 7,9 Liter (9,7 Liter)

- A5 Sportback 2.0 TFSI
: 5,3 Liter (6,5 Liter)

- A5 Sportback 3.2 FSI quattro
: 7,8 Liter (9,3 Liter)

- Q7 3.0 TDI Clean Diesel quattro
: 8,0 Liter (8,9 Liter)

- Q7 V12 TDI
: 9,5 Liter (11,3 Liter)

- TT 2.0 TDI
: 5,0 Liter (5,3 Liter)

- TT RS
: 7,4 Liter (9,2 Liter)

Knauserig von A nach B