Geheime Pläne der Hersteller: Offene Autos für jeden Geldbeutel

Für nüchtern kalkulierende Zeitgenossen sind Cabrios wahrlich überflüssig: Sie bieten weniger Platz und kosten dennoch mehr als ihre geschlossenen Pendants. Doch glücklicherweise denken viele Käufer anders, denn offene Autos vermitteln ein besonderes Fahr- und Lebensgefühl, man denke etwa an das VW Käfer Cabriolet oder den Alfa Spider. Auch die Autohersteller sehen seit langem den Cabrio- und Roadstertrend, agieren aber in diesem Bereich vorsichtig. Das luftige Segment ist anfälliger für klimatische und wirtschaftliche Schwankungen, schließlich werden Cabrios nur sehr selten als Erstwagen gekauft. Dem gegenüber stehen lange Entwicklungszeiten der neuen Modelle von Audi bis Porsche.

Audi: Der Baukasten-Beau
Ein wichtiger Aspekt bei der Planung von off enen Fahrzeugen ist die kostengünstige Herstellung. Audi punktet hier durch die Nutzung des so genannten ,modularen Querbaukastens", kurz MQB, von VW. Auf der Auto Show 2009 in Detroit zeigte VW die Studie eines kleinen Mittelmotor-Roadsters mit Stoffverdeck namens BlueSport. Auf dieser Basis wird in Ingolstadt bereits fleißig an der Audi-Variante mit der Bezeichnung Roadster gearbeitet. Der von Branchenkennern bisweilen kolportierte Name R4 wurde verworfen, um eine Verwechslungsgefahr mit dem alten Renault 4 zu vermeiden. Zudem würde damit eine nicht vorhandene Nähe des Roadsters zum A4 suggeriert.

Roadster ab 2012
Einen bereits sehr konkreten Ausblick gab die Marke Anfang 2010 in Detroit mit der 3,93 Meter langen Studie e-tron. Neben den ausgeprägten Kotflügeln ist insbesondere die Frontpartie des Roadster ein Hingucker: Dominiert vom markentypischen Singleframe-Grill erstrahlen LED-Tagfahrleuchten im Stil des neuen A8, Lufteinlässe unterhalb der Scheinwerfer scheinen die Straße förmlich aufzusaugen. Auffällige Kiemen hinter den Türen versorgen das als Mittelmotor positionierte Aggregat. Zum Einsatz kommen kleine aufgeladene TSI- und TDI-Motoren mit vier Zylindern und bis zu 210 PS. Diese Leistungsobergrenze ist bewusst gewählt, um den Roadster klar vom größeren TT abzugrenzen, der seinerseits an Länge zulegen kann. Außerdem wird der Roadster wahrscheinlich auf einen Allradantrieb verzichten und sich mit der elektronischen XDS-Differenzialquersperre aus dem Golf GTI begnügen. Angepeilt ist ein Marktstart im Herbst 2012, über Elektro- oder Hybridvarianten wird bereits nachgedacht.

Kommt der offene A1?
Noch nicht endgültig abgesegnet ist auch eine offene Variante des A1. Der kleine Flitzer soll wie sein geschlossener Bruder gegen den Mini von BMW antreten. Allerdings spielt auch hier der Finanzplan eine wichtige Rolle. Weil der A1 auf dem VW Polo basiert, hängt der A1 Roadster von der Serienproduktion eines offenen Polo ab. Sollte VW diesen bauen, könnten sowohl der A1 Roadster als auch der Frischluft-Polo gemeinsam vom Band laufen, um so den Einstiegspreis bei rund 18.000 Euro zu halten.

Was will Porsche?
Nach der Übernahme durch VW wird auch Porsche in das Mittelmotor-Roadsterprojekt einbezogen. Allerdings hat man in Zuffenhausen schnell klar gemacht, dass man die Marke nicht durch einen ,Volks-Porsche" entwerten will. Eine Rolle spielt dabei der unglückliche VW-Porsche 914 aus den frühen 1970er-Jahren, der eben jenen Spitznamen verpasst bekam. Für die Zukunft verfolgt der Sportwagenbauer daher eine andere Taktik: Der Roadster-Baukasten wird genutzt, um daraus die nächste Boxster/Cayman-Generation zu formen, welche 2012 startet. Für Porsche bringt das viele Vorteile: Das Unternehmen spart erhebliche Summen bei der Entwicklung und der Produktion, zudem passt das Mittelmotor-Konzept mit den zwei Kofferräumen zur bisherigen Tradition der Modellreihe. Die Option auf alternative Antriebe hilft der Marke, den immer wichtiger werdenden Flottenverbrauch zu senken. Apropos Antriebe: Auch beim neuen Boxster setzt man auf Sechszylinder-Aggregate mit mindestens 250 PS, um so die Distanz zu den vierzylindrigen Konzernbrüdern zu wahren. Vor diesem Hintergrund stehen die Designer vor der schwierigen Aufgabe, den Roadster eigenständig wirken zu lassen.

Der offene Panamera
Das zweite Projekt bei Porsche, das Panamera Cabrio, steht unterdessen noch auf der Kippe. Zwar existieren schon Planungen für das zweitürige Fahrzeug mit Stoffverdeck, doch abgesegnet ist der viersitzige Sportler noch nicht. Angedacht ist die zusätzliche Panamera-Variante, um die hohen Entwicklungskosten zumindest teilweise wieder hereinzubekommen. Doch die Änderungen an der Karosserie und das aufwendige Verdeck würden zusätzliche Ausgaben bedeuten, während der angepeilte Käuferkreis recht überschaubar ausfällt. Der Daumen dürfte daher in Wolfsburg gehoben oder gesenkt werden.

Open Air mit viel PS-Musik
Bereits hundertprozentig abgesichert sind die Roadsterpläne bei Mercedes und Ferrari. Der Mercedes SLS AMG Roadster dreht bereits letzte Testrunden. Fans des 571-PS-Flitzers müssen zwar auf die beeindruckenden Flügeltüren der geschlossenen Version verzichten, erhalten aber im Gegenzug ein knapp geschnittenes Stoffverdeck. Vorgestellt wird der SLS AMG Roadster auf dem Pariser Salon im Herbst 2010. Die gleiche Bühne nutzt der mit 570 PS fast gleich starke Ferrari 458 Italia Spider, der sein Triebwerk unter Plexiglas zur Schau stellt. Billig sind die beiden Traumwagen jedoch nicht, die Preise werden bei deutlich über 200.000 Euro beginnen.

Offene Opel-Träume
Nach dem schwierigen Jahr 2009 blickt Opel wieder optimistisch in die Zukunft. Kernbaustein der neuen Strategie sind der neue Astra und seine Ableger. Opel-Chef Nick Reilly unterstreicht die Wichtigkeit von emotionalen Autos für die Marke. Ein elementarer Baustein ist dabei die Coupéversion des Astra namens GTC. Auf diesem optisch eigenständigeren Modell baut ein viersiziges Cabriolet mit Stahlklappdach auf. Wie beim bisherigen Astra TwinTop besteht die Mütze aus drei Teilen, welche in der leicht ansteigenden Heckpartie untergebracht werden. Motorenseitig kommen analog zum brandneuen Astra unter anderem Turbo-Benziner zum Einsatz. Rund 26.000 Euro wird Opel aufrufen, doch Interessenten müssen sich noch etwas gedulden: Premierentermin für den offenen Astra ist der Genfer Salon im Frühjahr 2011.

Volkscabrio von Ford
Erinnern Sie sich noch an den Ford Streetka? Der pfiffige Roadster auf Basis der ersten Ka-Generation war nur von 2003 bis 2005 im Programm der Kölner. Jetzt deuten die Anzeichen auf eine Neuauflage hin. Anders als der Technikbruder Fiat 500 setzt der offene Ka nicht auf ein Rolldach, sondern auf ein komplett versenkbares Verdeck. Aus diesem Grund rollt das Cabrio auch nicht wie der normale Ford Ka in Polen vom Band. Stattdessen kümmern sich wie bereits beim Streetka die Italiener von Pininfarina um die Frischluft-Verwandlung. Zu den bekannten Antriebsvarianten könnte das aus dem Fiat 500 bekannte 100-PS-Aggregat stoßen, denkbar ist aber auch der Einsatz des komplett neuen Turbo-Zweizylinders mit Multiair-Technik und 85 PS, den Fiat entwickelt hat. Auf der Frankfurter IAA im September 2011 wird das wohl schlicht Ka CC genannte Fahrzeug im Rampenlicht glänzen, die Preise dürften bei rund 16.000 Euro starten. Noch nie waren die Möglichkeiten vielfältiger, um offen unterwegs zu sein. Angesichts von Angeboten für jeden Geldbeutel könnten zukünftig sogar kühle Rechner zu Luftikussen werden.

Die Cabrio-Zukunft