Le-Mans-Rennwagen erhält komplett neu entwickelten Motor

Am 11. und 12. Juni 2011 finden die traditionsreichen 24 Stunden von Le Mans statt. Audi will beim wohl berühmtesten Langstreckenrennen der Welt seinen mittlerweile zehnten Sieg einfahren. Das soll dieses Jahr mit dem Audi R18 TDI gelingen. Die jüngste Generation des Langstrecken-Rennwagens wird von einem komplett neu entwickelten V6-Dieselmotor angetrieben.

Nur sechs statt acht Zylinder
Die Marke mit den vier Ringen setzt in Le Mans bereits seit 2006 auf Dieselaggregate. Da das Reglement des Veranstalters ,Automobile Club de l'Ouest" (ACO) ab diesem Jahr wesentlich kleinere Motoren vorschreibt als bisher, fiel die Wahl bei Audi auf einen kompakten 3,7-Liter-V6-TDI mit über 540 PS. Dieses Treibwerk ist rund 25 Prozent leichter als das V10-TDI-Triebwerk des Vorgängermodells R15 TDI. Die Ingolstädter haben den Sechszylinder einem V8 – wie ihn das Reglement erlauben würde – vorgezogen, da das kleinere Aggregat den Technikern in Sachen Elektrifizierung und Energierückgewinnung für die Zukunft neue Optionen eröffnet.

Ein Turbolader reicht
Um den Schwerpunkt des Rennwagens so weit wie möglich abzusenken und die Durchströmung des Fahrzeugs zu verbessern, wanderten die Auspuffkrümmer von den Außenseiten des Motors nach oben zwischen die beiden Zylinderbänke. ,Heiße Seite innen" nennen Fachleute dieses Konzept, das in ähnlicher Form schon einmal in den 1980er-Jahren in der Formel 1 realisiert wurde. Anders als die bisherigen Le-Mans-Sportwagen von Audi, die alle zwei Turbolader hatten, verfügt der R18 TDI über nur einen Turbolader, der oberhalb des Motors sitzt und seine Atemluft über die Einlasshutze auf dem Dach bezieht.

Spezielle Zylinderkopf-Kühlung
Um die enormen Zünddrücke und Belastungen, die sich nur auf sechs Zylinder verteilen, beherrschen zu können, wurde für das Aluminium-Triebwerk eine spezielle Zylinderkopf-Kühlung entwickelt, die in Zukunft auch für die Serie interessant werden könnte. Die Abgase werden über einen Einrohrauspuff entsorgt, der am Heck des R18 TDI unterhalb der neuen, vom Reglement vorgeschriebenen Finne austritt. Durch den Verzicht auf ein zweites Endrohr konnten Bauteile und Gewicht eingespart werden – zum Beispiel für einen zweiten Dieselpartikelfilter.

,Lärm ist ungenutzte Energie"
Eine Besonderheit des neuen Le-Mans-Sportwagens soll auch sein ungewöhnlicher Sound sein. Denn der R18 TDI ist Herstellerangaben zufolge der wohl leiseste Rennwagen, den Audi bisher gebaut hat. ,Lärm ist ungenutzte Energie", sagt Motorsportchef Wolfgang Ullrich dazu. Der neue V6-TDI-Motor soll nicht nur den R18 TDI zu weiteren Erfolgen im Motorsport führen, er dient gleichzeitig auch als Technologieträger für künftige Serienaggregate.

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