Audi bringt Vierliter-V8 mit Zylinderabschaltung

Die nackten Daten deuten nicht unbedingt auf Spritsparmodelle hin: 420 PS und 550 Newtonmeter Drehmoment verhelfen dem neuen Audi S6 und dem S7 zu rasanten Fahrleistungen. Noch eine Schippe drauf legt der künftige S8: 520 PS und 650 Newtonmeter lautet hier die Ansage. Trotzdem soll der Verbrauch signifikant sinken, möglich macht es ein neuer Vierliter-TFSI-V8 mit Zylinderabschaltung. Eine grundlegend neue Idee ist die Zylinderabschaltung nicht: Mercedes setzte schon vor einigen Jahren auf diese Technik, im neuen SLK 55 AMG erlebt sie eine Renaissance. Auch Chrysler und GM halbieren die Zahl der arbeitenden Zylinder, um den Verbrauch senken.

Einzeln arbeitslos
Das Audi-System im 4.0 TFSI wird bei geringer Motorlast aktiv. Die Obergrenze dafür liegt, abhängig von der Drehzahl, zwischen 25 und 40 Prozent des maximalen Drehmoments, das sind etwa 120 bis 250 Newtonmeter. Das Kühlmittel muss wärmer als 30 Grad sein, im Getriebe muss mindestens der dritte Gang eingelegt sein und die Drehzahl muss zwischen 960 und 3.500 Touren liegen. Sind diese Voraussetzungen gegeben, schließt das System pro Bank die Ein- und Auslassventile von jeweils zwei Zylindern. Die Zündfolge lautet 1-4-6-7. Der Umschaltprozess dauert 300 Millisekunden.

Frische Füllung
Das Schließen der Ventile erfolgt über elektromagnetisch verschiebbare Hülsen. Sie tragen einen so genannten Nullnocken als zusätzliches Profil. Er betätigt die Schlepphebel nicht, die Ventilfedern halten die Ventile geschlossen. Gleichzeitig legt das Motormanagement die Einspritzung und die Zündung still. Beim Audi-System werden die Brennräume vor dem Schließen der Ventile noch einmal mit Frischluft gefüllt. Dieser Frischgaseinschluss soll zu einem geringeren Druck im Zylinder führen. Audi selbst gibt übrigens zu, dass erst ab Abschaltzeiten von über drei Sekunden ein Verbrauchsvorteil entsteht. Das System ist permanent betriebsbereit, so auch im S-Modus der Automatik.

Wie es euch gefällt
Eine Steuerungslogik beobachtet die Gaspedal-, Bremspedal- und Lenkbewegungen des Fahrers. Wenn sie daraus ein ungleichmäßiges Muster erkennt, unterlässt sie die Abschaltung in bestimmten Situationen wie etwa im Kreisverkehr oder sportlicher Gangart auf der Landstraße. Praktisch erfahren können wir das auf einer kurzen Runde im neuen S8. Unser Vorgänger am Steuer hat es mit den 520 PS ordentlich krachen lassen, über 24 Liter zeigt der Bordcomputer an. Als Folge dauert es etwas mit der Zylinderabschaltung. Erst nach einiger Zeit merkt das System, dass wir es aufs Sparen anlegen wollen. Die Stilllegung der vier Töpfe geht unmerklich vonstatten, ein grüner Balken und ein Schriftzug im Fahrerdisplay teilen uns mit, dass unter der Haube Teilzeitarbeit herrscht. Sie zeigt erste Erfolge: Nach dem Ende unserer rund 20 Kilometer konnten wir das Verbrauchsmittel schon auf 18,2 Liter senken. Audi selbst beziffert den Effizienzgewinn auf zwölf Prozent bei 80 km/h. Hinzu kommt eine serienmäßige Start-Stopp-Automatik. Offiziell beträgt der Durchschnittsverbrauch des neuen S8 10,2 Liter, eine Reduzierung von drei Litern gegenüber dem alten Zehnzylinder-Sauger.

Immer mit der Ruhe
Eine wichtige Rolle spielt beim 4.0 TFSI der Komfort. Im Vierzylinder-Betrieb produziert der Kurbeltrieb höhere Drehschwingungen. Hinzu kommen Vibrationen und Brummgeräusche der so genannten zweiten Ordnung. Diese werden durch neue aktive Motorlager mittels phasenversetzter Gegenschwingungen ausgeglichen. Die ,Active Noise Control" bekämpft unerwünschten Schall mit Gegenschall. Vier kleine Mikrofone im Dachhimmel zeichnen hierzu die Geräuschkulisse auf.

Ein Konzern schaltet ab
Anfang 2012 kommen die großen S-Modelle von Audi auf den Markt. Auch im Bentley Continental wird der mit 50 Zentimeter sehr kurz bauende Vierliter-Achtzylinder zum Einsatz kommen. Doch damit ist noch nicht Schluss, weitere Modelle sollen folgen. Schließlich steht die Technik ,am Anfang einer großen Karriere", betont Audi-Entwicklungsvorstand Michael Dick. In der Tat, denn auch Konzernmutter VW bringt Anfang 2012 einen Motor mit Zylinderabschaltung: Im 1.4 TSI mit 140 PS soll das System inklusive Start-Stopp den Verbrauch um 0,6 Liter auf 100 Kilometer senken.

Vier gewinnt