Siegerwagen von Juan Manuel Fangio aus dem Jahr 1954 versteigert

Ein Mercedes erreichte jetzt den höchsten Preis, der jemals bei einer Auktion für ein Auto erzielt wurde. 17,5 Millionen britische Pfund (inklusive Auktionsgebühren mehr als 24 Millionen Euro) erzielte ein seltener Rennwagen aus dem Jahr 1954 bei einer Versteigerung des Auktionshauses Bonhams anlässlich des Goodwood Festival of Speed südwestlich von London. Es handelte sich um den einzigen Nachkriegs-Silberpfeil aus Privatbesitz.

Einsitziger Formel-1-Rennwagen
Mit dem einsitzigen Fomel-1-Wagen vom Typ W 196 R errang der berühmte Rennfahrer Juan Manuel Fangio seinen zweiten Weltmeisterschaftstitel. Vor der Auktion bestätigte Michael Bock, Leiter von Mercedes-Benz Classic, die Originalität des Fahrzeugs. Es war 1973 von der damaligen Daimler-Benz AG dem National Motor Museum in Beaulieu (England) gestiftet worden. Das Museum verkaufte den Silberpfeil 1980 an einen privaten Sammler, der ihn jetzt bei dem bekannten englischen Auktionshaus Bonhams zur Versteigerung einlieferte.

Expertise von Mercedes-Benz Classic
Im Vorfeld der Auktion hatten die Experten von Mercedes-Benz Classic den Wagen im Rahmen einer aufwendigen Herstellerexpertise zur Originalität und Authentizität des Fahrzeugs untersucht. ,Dank unserer Expertise gibt es keinerlei Unklarheiten zu diesem Rennwagen", sagte Michael Bock. ,Sie belegt die Historie und Originalität des Fahrzeugs vollständig und nachvollziehbar."

Alles noch dokumentiert
Bock weiter: "Seinerzeit wurde genauestens dokumentiert, bei welchen Rennen das Fahrzeug eingesetzt wurde, wann ein Motortausch vorgenommen wurde, oder was sonst noch an dem Auto verändert wurde. Da alle Unterlagen noch erhalten sind, können wir bestätigen, dass das Fahrzeug dem Zustand entsprach, wie es seinerzeit von Daimler abgegeben wurde."

Für Mercedes-Rennen nach dem Krieg
Mit dem neu entwickelten W 196 R kehrte 1954 Mercedes-Benz nach dem zweiten Weltkrieg in den Grand-Prix-Sport zurück. Der W 196 R erfüllte alle Bedingungen der neuen Grand-Prix-Formel der damals zuständigen CSI (Commission Sportive Internationale): 750 Kubikzentimeter Hubraum mit oder wie in diesem Fall 2.500 Kubikzentimeter ohne Kompressor und beliebige Zusammensetzung des Treibstoffs. Zuerst baute Mercedes eine Stromlinienversion ("Monza"), weil das Auftaktrennen der Saison in Reims sehr hohe Geschwindigkeiten zuließ. Juan Manuel Fangio und sein Team-Kollege Karl Kling fuhren damit dem Feld davon und belegten sowohl beim Qualifying als auch beim Rennen den ersten und zweiten Platz.

Der Ruf nach freistehenden Rädern
Bei dem folgenden Einsatz auf dem kurvenreichen Kurs von Silverstone erwies sich der Wagen als zu schwerfällig. Deshalb forderte Fangio für den nahenden Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring eine Variante des Wagens mit freistehenden Rädern. Mercedes-Benz reagierte, ohne zu zögern und baute zwei
Monoposti mit den Chassis-Nummern 00005 und 00006. Mit dem Fahrzeug 00006/54 gewann Fangio dann den Grand Prix von Deutschland und gleich danach noch den der Schweiz. Der Schweizer Sieg war Fangios dritter in vier Grand-Prix-Läufen, an denen das Team teilnahm. Das sicherte dem argentinischen Rennfahrer seinen zweiten Weltmeister-Titel (es sollten insgesamt fünf werden).

Achtzylinder mit Direkteinspritzung: 257 PS
Genau dieser Rennwagen mit der Chassis-Nummer 00006/54 wurde nun in Goodwood von Bonhams versteigert. Technisch zeigt sich das Fahrzeug auf der Höhe seiner Zeit. Der Gitterrohrrahmen des W 196 R ist leicht und stabil, das Fahrwerk mit Drehstab-Aufhängung und einer neuen Eingelenk-Pendelachse hinten sowie riesigen turbogekühlten, zunächst innen mittig untergebrachten Duplex-Trommelbremsen unkonventionell gut. Als Antrieb wählten die Ingenieure einen Reihenachtzylindermotor mit Direkteinspritzung und desmodromischer (zwangsweiser) Ventilsteuerung ohne Ventilfedern, der anfangs 257 PS leistete. Das Fahrzeug wog nur 650 bis 700 Kilogramm und konnte bis zu 290 km/h schnell werden. Für die zweite Saison 1955 stand dieser klassische Grand-Prix-Wagen dann auch mit kürzeren Radständen zur Verfügung, bei denen die Bremsen in den Rädern untergebracht waren.

Bei 17,5 Millionen Pfund fiel der Hammer
Fangios Mercedes wurde nun zum teuersten Auto, das je bei einer Auktion versteigert wurde. Bei 17,5 Millionen britischen Pfund fiel der Hammer. Inklusive der Auktionsgebühr muss der neue Besitzer 20.896.800 britische Pfund, umgerechnet über 24 Millionen Euro, auf den Tisch legen.

Bieter aus 32 Ländern
Während bei anderen Autos die Versteigerung mit 1.000er- oder 5.000er-Schritten startet, ging es beim W 196 R gleich in unglaublichen 500.000-Pfund-Schritten los. Die Auktion lief recht zügig auf 14 Millionen Pfund zu, wobei sich mehrere Bieter gegenseitig anstachelten, die hauptsächlich per Telefon boten. Wer meinte, damit sei der Höchstpreis erreicht, täuschte sich: Im letzten Moment meldete sich ein Bieter aus der ersten Reihe in der Veranstaltung in Goodwood, und trieb den Preis um weitere 500.000 Pfund in die Höhe. Wer kurz danach letztendlich den Zuschlag bei 17,5 Millionen Pfund bekam, wurde von Bonhams nicht mitgeteilt. Die Auktion fand vor mehr als tausend Zuschauern auf dem Festival-Gelände von Goodwood statt. Insgesamt lieferten sich nach Angaben des Auktionshauses Bieter aus 32 Ländern ein Gefecht.

Ferrari vom Thron gestoßen
Der Mercedes ist nicht nur das teuerste jemals versteigerte Auto – er hält weitere Rekorde: Er ist der teuerste Formel-1-Rennwagen, der jemals versteigert wurde. Und er ist der wertvollste Mercedes einer Versteigerung. Und er stieß einen Ferrari vom Versteigerungs-Thron, der im Jahr 2011 für 10.086.400 britische Pfund, umgerechnet zirka 11.653.842 Euro, weg ging.

Die Markenrekorde von Bonhams
Bei der Auktion in Goodwood wechselte auch ein seltener Maserati für viel Bares seinen Besitzer: Ein 1955er 300S Sports-Racing Spider erlöste etwas mehr als vier Millionen britische Pfund, umgerechnet zirka 4.660.312 Euro. Nicht ohne Stolz vermeldet das sich ansonsten vornehm zurückhaltende britische Auktionshaus, dass man einige Markenrekorde bei Fahrzeugauktionen hält:

- Austin-Healey (843.000 Pfund entsprechend 974.004 Euro),

- Aston Martin (3.200.000 Pfund entsprechend 3.697.285 Euro),

- Maserati (4.033.500 Pfund entsprechend 4.660.312 Euro),

- Rolls-Royce (4.700.000 Pfund entsprechend 5.430.387 Euro),

- Bentley (5.000.000 Pfund entsprechend 5.777.007 Euro) und jetzt

- Mercedes-Benz (20.896.800 Pfund entsprechend 24.144.194 Euro).

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