BMW 3er mit adaptivem KW-Gewindefahrwerk

Ein Gewindefahrwerk, muss das sein? Was sich für viele nur nach einem von zahlreichen Tuningteilen anhört, kann tatsächlich eine richtige Hightech-Komponente sein. Das zeigt sich auch daran, dass ein Spezialist wie KW Automotive zahlreiche Rennställe und Hersteller wie BMW M oder Mercedes AMG beliefert. Was ein modernes Gewindefahrwerk kann, haben wir mit dem neuesten System aus dem Hause KW ausprobiert. Es besitzt elektronisch regelbare Dämpfer und lässt sich auf Wunsch sogar übers Smartphone steuern.

Stufenlose Höhenverstellung
Als Testfahrzeug dient uns ein BMW 320d Touring, ausgerüstet mit dem adaptiven KW-Gewindefahrwerk namens DDC ECU. Dieses ist für Autos ohne aktiv regelndes Serienfahrwerk konzipiert. Die Karosserie des 3er lässt sich damit um 40 bis 65 Millimeter an der Vorderachse und um 30 bis 55 Millimeter an der Hinterachse tiefer legen. Wie tief genau, kann der Fahrer über ein Trapezgewinde samt Gewindering einstellen. Dabei kann er beispielsweise die Reifengröße berücksichtigen, unser Dreier-Kombi etwa rollt auf 20-Zoll-Rädern von BBS mit Dunlop-Reifen vom Typ Sport Maxx GT in 225/35 R20 vorne und in 255/30 R20 hinten.

Drei vorgegebene Fahrmodi
KW kombiniert die sportliche Tieferlegung mit den Vorteilen eines adaptiven Dämpfungssystems. Ein Steuermodul liest permanent Fahrzeugdaten aus und passt die Charakteristik der Dämpfer automatisch der aktuellen Geschwindigkeit und der Beschaffenheit der Straße an. Der Fahrer kann zudem zwischen drei vorgegebenen Modi wählen: Comfort, Sport und Sport+. Damit die Dämpferkennlinien innerhalb kürzester Zeit gewechselt werden können, sind die Dämpfer neben konventionellen Zugstufen- und Druckstufenventilen mit elektronisch gesteuerten Bypass-Ventilen bestückt. Sie reagieren innerhalb von zehn Millisekunden auf die Impulse des Steuergeräts. Der silberne Schalter zur Wahl des Fahrmodus wird möglichst unauffällig im Cockpit untergebracht, im Falle des 3er ersetzt er den Zigarettenanzünder. Bei Fahrzeugen mit adaptivem Serienfahrwerk kann dessen serienmäßiger Bedientaster genutzt werden, der bei BMW Fahrerlebnisschalter heißt.

Von alltagstauglich bis kompromisslos
Los geht unsere Ausfahrt im Comfort-Modus – und der macht seinem Namen alle Ehre. Natürlich ist das KW-Fahrwerk spürbar sportlicher als die ab Werk verbaute Ausführung, aber ordentlicher Alltagskomfort bleibt dennoch stets gewahrt. Das befürchtete Rumpeln über jede Bodenwelle findet nicht statt. Wechselt man in die Einstellung Sport, liegt der 3er-Kombi merklich straffer auf dem Asphalt. Damit ist man für zügige Kurvenfahrten präpariert. Wirklich kompromisslos agiert das Gewindefahrwerk erst im Sport+-Modus. Hier geht es dann doch relativ hart zur Sache und jede Unebenheit, jede Querrille ist deutlich zu spüren. Gleichzeitig vermittelt der sehr direkte Kontakt zur Straße hohe Agilität und damit genau das, was man von einem Sportfahrwerk erwartet.

Für 299 Euro extra: Steuerung per iPhone
Eine Besonderheit bietet KW Automotive für seine adaptiven Gewindefahrwerke mit der optionalen Steuerungsmöglichkeit übers Smartphone an. Für 299 Euro kann zusätzlich ein WLAN-Modul im Fahrzeug verbaut werden. Wer sich dann im AppStore die kostenlose KW DCC App herunterlädt, kann über eine gesicherte WiFi-Verbindung die Fahrwerkseinstellung mittels iPhone, iPad oder iPod vornehmen. Und das ist mehr als eine Spielerei. Denn außer den drei vorgegebenen Modi kann der Fahrer hier die Dämpfercharakteristik stufenlos und getrennt für Vorder- und Hinterachse konfigurieren – von null Prozent (maximale Komfortkennung) bis 100 Prozent (maximale Sport+- Kennung). Fünf individuelle Setups lassen sich in der App speichern und gegebenenfalls per E-Mail mit Freunden teilen, die die Einstellung dann für ihr Fahrzeug übernehmen können.

Gewindefahrwerke für diverse Modelle
Adaptive Gewindefahrwerke bietet KW Automotive für zahlreiche Automarken und -modelle an. Beim aktuellen BMW 3er schlägt die getestete Variante DDC ECU mit 2.869 Euro zu Buche. Für Fahrzeuge mit adaptivem Serienfahrwerk gibt es die so genannte ,Plug&Play"-Ausführung. Sie ist für 2.499 Euro zu haben, aber nicht mit iPhone-Steuerung. Hinzu kommen jeweils noch Kosten für den Einbau, die etwa 800 bis 1.000 Euro betragen.

Per iPhone tiefer gelegt