60 Prozent fallen durch, nur einer erhält die Note ,gut"

Günstige Kindersitze finden sich massenhaft und gut beworben im Internet. Ob Sitze unter 70 Euro tatsächlich sicher sind, haben der deutsche Automobilclub ADAC und die Stiftung Warentest anhand von Stichproben getestet. Auf den Prüfstand kamen zehn verschiedene Kindersitze aus allen Gewichtsklassen in den Kriterien Sicherheit, Bedienung und Ergonomie, Schadstoffgehalt sowie Reinigung und Verarbeitung. Der Frontcrash wurde mit 64 km/h, der Seitenaufprall mit 50 km/h simuliert. 2005 hatte der Club zuletzt günstige Kindersitze überprüft.

60 Prozent ,mangelhaft", einmal ,gut"
Sechs der zehn überprüften Produkte erhalten das ADAC-Urteil ,mangelhaft". Bei drei Sitzen rissen die Rückenlehnen beim Crashtest, die Gurte brachen aus der Halterung oder die Schadstoffbelastung war sehr hoch. Generell waren die Schadstoffwerte höher als in den Tests der Vorjahre. Die Babyschale Nania Beone SP ist das einzige mit der Gesamtnote ,gut" bewertete Produkt im Test. Sie ist sehr leicht und ihre Crash-Werte überzeugen.

Zerbrochene Sitzschale
Anders sieht es in den weiteren Gewichtsklassen aus: Beim Sitz Nania Safety Paris SP für Kinder bis 18 Kilogramm zerbrach die Sitzschale beim Frontalaufprall – das Kind würde beim Unfall ungeschützt nach vorne geschleudert.

Verletzungsrisiko bei Front- und Seitencrash
Für Kinder von 9 bis 36 Kilogramm gibt es zwei Produkte mit der Note ,befriedigend": Der Nania Racer SP und der Fisher Price FP3000 sind damit noch empfehlenswert. ,Mangelhaft" in dieser Klasse sind der Tiggo Bebehut sowie der United-Kids Alpha Deluxe, die ein hohes Verletzungsrisiko beim Front- und Seitencrash zur Folge haben.

Umbenannt ohne technische Veränderung
Beunruhigend ist auch, dass der United-Kids Alpha Deluxe früher unter dem Namen IWH Trade Max Vario Max verkauft wurde und dieser bereits beim Kindersitztest 2008 mit ,mangelhaft" durchgefallen ist. Er wurde nur umbenannt, ohne technisch verändert worden zu sein.

Hohe Schadstoffbelastung
In der Klasse für Kinder von 15 bis 36 Kilogramm gibt es mit dem Fisher Price FP4000 einen befriedigenden Sitz sowie mit dem Nania Starter SP ein Produkt, das aufgrund einer hohen Schadstoffbelastung mit ,mangelhaft" durchgefallen ist.

Ungenaue Beschreibungen
Gezeigt hat sich auch, dass die Beschreibungen im Internet häufig ungenau sind: Bei manchen Sitzen, die mehrere Jahre lang eingesetzt werden, muss beispielsweise bei größeren Kindern die Rückenstütze abgenommen werden – beim Seitenaufprall sind die kleinen Passagiere dann nicht mehr ausreichend geschützt.

Kein Bestandteil der Zulassung
Auch bei Kindersitzen, die der gesetzlich vorgeschriebenen Zulassung ECE-R44 entsprechen, ist nicht zwangsläufig ein sicheres Sitzen der Kleinen gewährleistet. Der Grund: Der Seitencrash ist kein Bestandteil des Zulassungsverfahrens.

Guter Rat ist nicht teuer
Der ADAC rät zur Vorsicht bei Sitzen im unteren Preissegment, die ohne Beratung im Internet angeboten werden. Eltern sollten Verbraucherschutztests zurate ziehen, um günstige und gleichzeitig auch sichere Modelle zu finden. Oft ist auch ein Vorgängermodell der qualitativ hochwertigeren Produkte eine preisgünstige und gute Alternative.

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