Auf großer Fahrt in Suzukis Mikro-Roadster

,Mein Gott, ist der klein!" schießt es mir durch den Kopf, als ich ihn das erste Mal in der Realität sehe. Noch winziger, als ich es mir in meinen wildesten Träumen ausgemalt hatte. Die Rede ist vom Suzuki Cappuccino. Cappu-was? Falls Sie den Bonsai-Roadster nicht kennen, kein Problem: Nur 120 Exemplare fanden 1994 offiziell ihren Weg nach Deutschland. Eines davon hat Suzuki vor geraumer Zeit wieder fit gemacht. Damit soll ich nun rund um den Bodensee kurven.

Maße für die Hosentasche
Doch das sagt sich so einfach: Wie bugsiert man 1.88 Meter europäisches Normalmaß in diesen Roadster, neben dem ein Hyundai i10 wie ein Mittelklasse-SUV wirkt? Die Abmessungen des Cappuccino: 3,30 Meter lang, 1,39 Meter breit, 1,18 Meter hoch und ein Radstand von 2,06 Meter. Länge und Höhe weisen auf seine Abstammung hin: 3,30 Meter und 1,40 Meter waren 1991 die Grenzwerte für Kei-Cars. Jene meist würfelförmigen Mobile, die in Japan vor allem deswegen wie geschnitten Brot laufen, weil man für sie keinen Parkplatz nachweisen muss. Nicht so schlimm, sagen Sie? Nun ja: In Tokio werden dafür pro Monat locker 400 Euro und mehr fällig.

Kunstvoller Einstieg
Deshalb sind die japanischen Hersteller seit jeher sehr kreativ, was Kei-Cars angeht. Vom Van bis zum SUV ist fast jede Form zu haben. Ab und zu auch ein Roadster, aktuell etwa der Nachfolger des Daihatsu Copen. Und vor 25 Jahren der Suzuki Cappuccino, in den ich mich nun kunstvoll drapieren muss. Auf der rechten Seite wohlgemerkt, denn als Linkslenker gab es die kleine Suzi nie. Also: Erst das linke Bein in den Fußraum. Dann den Hintern auf den Sitz und das rechte Bein wie ein Klappmesser falten, um es über den Schweller zu bugsieren. Geschafft! Doch mit Dach und einem Beifahrer an meiner Seite wird es sehr kuschelig. Netterweise kann das Dach komplett entfernt oder zu einer Targa-Variante umgebaut werden. Wir entscheiden uns für die zweite Lösung. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn der Kofferraum ist natürlich auch kein Raumwunder. Beide Dachhälften und der Mittelsteg müssen nach japanischer Anleitung hineingestapelt werden. Restlicher Platz? Vielleicht zehn Liter. Gut, dass hinter unseren Sitzen ein kleiner Ablagebereich ist.

So fährt sich der Mikro-Turbo
Wir starten mit kernigem Dreizylinder-Klang. Prompt gehen die Scheibenwischer an, als ich blinken will. Stimmt ja, der Blinkerhebel ist hier rechts. Aber daran gewöhne ich mich schnell, ebenso an die gar nicht einmal so schlechte Sitzposition. Auch weil Suzuki ein kleineres Sportlenkrad montiert hat, steige ich nach einigen Stunden nicht aus wie Quasimodo, der Glöckner von Notre-Dame. Dank eines Turbos holt der Cappuccino aus nur 657 Kubik 64 PS, die auf 725 Kilogramm Gewicht (leer, wohlgemerkt) treffen. Klingt nominell eher lahm, erweist sich aber im Laufe der Zeit als spritzig. Ich muss mich aber umgewöhnen: Das hier ist ein Turbo der alten Schule, also muss gedreht werden. Suzis Drehzahlmesser reicht bis 12.000 Touren, bei 8.500 beginnt der rote Bereich. Sobald der Lader einsetzt, glimmt ein grünes Turbosymbol auf, es pfeift leicht und die Post geht ab. Parallel dazu möchte die Fünfgang-Schaltung trotz kurzer Wege exakt geführt werden. Gar nicht so einfach, wenn die linke Hand diese Arbeit übernehmen muss.

Ein kleiner Menschenfischer
Aber das Resultat überzeugt: In nur acht Sekunden geht es auf 100 km/h (bei nicht mal 140 ist bereits Schluss), vor allem verschlängelte Bergstraßen sind das Element des Cappuccino. Seine Bewunderer findet der kleine Suzuki hingegen in bewohnten Gebieten: Wir sind kurz davor, eine Strichliste anzulegen, so oft hören wir ,Ach, ist der süß/niedlich/putzig!". Auch viele Kinder fühlen sich von dem vermeintlichen Spielzeugauto in ,Cordoba-Red" angezogen. Und obwohl der Cappuccino so selten ist, muss man sich für ihn nicht exzessiv verschulden: Schon 10.000 Euro reichen für ein sehr gutes Gebrauchtfahrzeug. Also, meine Herren: Porsche 911 kann doch jeder. Mehr Komplimente bekommen Sie im Suzuki.

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