Ein Oberklasse-Ausblick anhand der Rohkarosse

Audi setzt in der nächsten Generation des A8 in der tragenden Karosseriestruktur erstmals einen intelligenten Mix aus mehreren Materialien ein. Welche Entwicklungen dahinter stecken, welche Konsequenzen das für die Fahrperformance und den Komfort haben wird und weshalb die fünfte Generation des Oberklasse-Modells trotzdem schwerer wird? Wir haben nach Antworten gesucht. Und zwar im Entwicklungszentrum und den neuen Produktionshallen in Neckarsulm.

Die Geschichte des Audi Space Frame
Im September 1993 zeigte Audi auf der Automesse IAA in Frankfurt den ersten A8, der zwar fertig entwickelt war, trotzdem aber noch als Studie betitelt wurde. Doch nicht die silberfarben glänzende Polierung machte den Wagen so besonders, sondern der Unterbau. Obwohl der Hersteller nämlich bereits seit 1988 (damals noch auf Basis des Audi V8) mit einer Karosserie aus Aluminium experimentierte, dauerte es bis zum Jahr 1994, bis der Werkstoff in der Oberklasse mit dem A8 in Serie ging. 334 Aluminium-Teile summierten sich damals zu einem Gewicht von lediglich 249 Kilogramm. Der Audi Space Frame war geboren und er wurde von Generation zu Generation stetig weiterentwickelt.

Vier Materialien im sinnvollen Mix
Jetzt steht die D5-Baureihe in den Startlöchern und Aluminium ist mit einem Anteil von 58 Prozent noch immer der am häufigsten eingesetzte Werkstoff. Und die anderen 42 Prozent? Hier setzt Audi erstmalig auf einen Materialmix aus drei weiteren Werkstoffen: Die Sicherheitszelle besteht nicht nur aus Alu, sondern auch aus konventionellem und warmverformten Stahl, die Domstrebe ist aus Magnesium, die Rückwand des Fonds aus ist Carbon gefertigt. So sollten sich einige Kilos einsparen lassen, oder? Denn alleine die neue Domstrebe ist ja 28 Prozent leichter als der Vorgänger aus Aluminium. Denkste, denn obwohl uns Timm Hämmerle aus dem Audi-Leichtbauzentrum versichert, dass nach dem Motto ,das richtige Material in der richtigen Menge und am richtigen Ort" vorgegangen wurde, ist jede A8-Karosse nunmal ,das Produkt ihrer Zeit". Und zwar im Bezug auf die zu diesem Zeitpunkt herrschenden Standards im Bezug auf Steifigkeit, Fahrkomfort und Crashsicherheit.

Schwerer, steifer und ein Produkt seiner Zeit
Während die Rohkarosserie des Vorgängers also noch 231 Kilo auf die Waage bringt, hat die D5-Generation 282 Kilogramm auf den Hüften. Außerdem ist der neue A8 um 24 Prozent torsionssteifer geworden. Bemerkbar für die Insassen soll dies durch ein besseres Handling, verringerte Geräusche und weniger Vibrationen sein. Apropos Innenraum: Weil Audi nicht nur am Materialmix forscht, sondern auch an neuen Möglichkeiten, die unterschiedlichen Werkstoffe effizient miteinander zu verbinden, kommt rund um die Türeinstiegsöffnung eine Fügetechnik namens Rollfalzen zum Einsatz. Die kompakte Verbindung von Stahl und Aluminium vergrößert die Türen um 14 Millimeter in der Höhe und um 36 Millimeter in der Breite. Dadurch wird nicht nur der Einstieg erleichtert, auch das Sichtfeld verbessert sich um fünf Grad.

Optik-Ausblick über Erlkönig-Fotos
Rückschlüsse auf die späteren Abmessungen und das neue Design der Oberklasse-Limousine lassen sich anhand einer Rohkarosserie ohne Anbauteile übrigens noch nicht wirklich ziehen. Lediglich die hinteren Kotflügel mit den Aussparungen für die Rückleuchten waren an dem Demo-A8 schon verbaut – um die jetzt noch engeren Kantenradien der Aludruckteile zu demonstrieren. Da unserem Erlkönig-Fotograf aber bereits ein sehr wenig getarnter A8 vor die Linse gefahren ist, lässt sich bereits festhalten, dass die elegante Linienführung der 2014 gezeigten Studie ,Prologue" wohl weiterentwickelt wird. So dürfte es nicht nur das durchgehende Leuchtband am Heck – das beide Rückleuchten verbindet – tatsächlich in die Serie schaffen.

Der A8 wird elektrisch … zumindest teilweise
Und die Antriebe? Für das neue Flaggschiff sind gleich mehrere Motoren denkbar: Der wichtige chinesische Markt könnte sich über ein Topmodell mit 6,0-Liter-W12-Benziner und mehr als 600 PS aus dem Bentley Bentayga freuen. Die Einstiegsmotorisierung dürfte hingegen ein 3,0-Liter-V6-Diesel mit 272 PS sein. Außerdem wird wohl der bisherige 4.2 TDI durch den Antrieb aus dem SQ7 ersetzt. Dort ergänzen elektrische Verdichter einen 4,0-Liter-V8, die Leistung beträgt 435 PS. Darüber hinaus räumt Audi ein, dass auch die neue A8-Generation zum Teil elektrifiziert wird. Denkbar sind hier ein 3,0-Liter-Diesel-Plug-in-Hybrid mit einer Systemleistung von 373 PS sowie ein 2,0-Liter-Benziner-Plug-in-Hybrid mit 367 PS.

Neue Produktionshalle und die Zukunft
,Premium in Reinform", schwärmt Michael Breme, Leiter der Produktions- und Werkplanung in Neckarsulm, über den neuen A8. Und ja, der BMW-7er- und Mercedes-S-Klasse-Gegner sollte besser gut werden, denn Audi hat für das Flaggschiff eine Menge Geld in die Hand genommen. So flossen nicht nur viele Euros in die reine Entwicklung, auch eine neue Produktionshalle mit 50.000 Quadratmetern und 500 Robotern auf drei Fertigungsebenen wurde für den Karosseriebau hochgezogen. Wie das Endprodukt letztendlich aussehen wird, mit welchen technischen Daten und welchen Preisen zu rechnen ist? Am 11. Juli zeigt Audi den neuen A8 in Barcelona. Dann werden auch wir mehr wissen.

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