Porsche Macan 4S (2025) im Test: Müssen es wirklich über 500 PS sein?
Der Macan ist großartig, zeigt einmal mehr kaum Schwächen. Aber die zweitgrößte Leistungsstufe muss nicht unbedingt sein
Vier Leistungsstufen gibt es inzwischen für das Einstiegsmodell ins Zuffenhausener Starkstrom-Universum. Die neueste davon ist der Macan 4S, der sich als zweitstärkstes Modell zwischen Macan 4 und Macan Turbo einordnet. Mit bis zu 517 PS sorgt er auf dem Papier für leuchtende Augen und Träume von wilden Beschleunigungsorgien. Aber braucht es das wirklich? Wir waren nach dem Test selbst ein wenig erstaunt über unser Urteil.
Die Qualität ist herausragend, das Platzangebot nicht
Fast schon unglaublich, aber wahr: Es gibt noch deutsche Autos mit herausragender Verarbeitung und Materialanmutung. Und nein, es spielt keine Rolle, dass unser Macan 4S mit ein bisschen Ausstattung locker in die Sechsstelligkeit konfiguriert werden kann, denn das gilt für diverse Mercedesse/Audis/BMWs dieser Klasse ganz genauso.
Der Star ist in diesem Fall die Lederausstattung in Nachtgrün. Wird nicht jedermanns Fall sein, ich würde nichts anderes wollen. Dazu erfreut der Macan mit einer Qualität bis in den letzten Winkel, die man so kaum noch kennt. Hartplastik sucht man vergebens. Selbst im unteren Bereich der Türen sehen wir weiche Kunststoffe und angenehme Filzeinlagen in den Türablagen.
Eine ziemlich Farce dagegen - und wir betonten es bereits bei früheren Macan-Tests - ist das Platzangebot im Fond. Wie ein nahezu 4,80 Meter langes SUV, noch dazu ohne die Bürde eines Verbrennungsmotors samt dessen restlichem Antriebsstrang, dermaßen wenig Beinfreiheit in Reihe Zwei bieten kann, wird für immer eines der großen Rätsel der Menschheit bleiben. Man kann es eigentlich nur damit erklären, dass der Macan dann eben doch das Auto für die klassischen DINKs (Double Income no Kids) und eher weniger für Familien ist.
Der Kofferraum bietet mit 540 Liter Klassenstandard, mit den 1.348 Liter bei umgeklappter Rückbank aber weniger als etwa ein Audi Q6 e-tron (1.529 Liter) oder der Polestar 4 (1.536 Liter). Ein E-Bike mit Rahmengröße XL flutschte (mit ausgebautem Vorderrad) beim Test dennoch problemlos ins Gepäckabteil. Einen doppelten Boden hat der Macan-Kofferraum nicht, dafür gibt es vorne einen Frunk mit 84 Liter Stauvolumen.
Herausragende Fahreigenschaften, aber die zweitgrößte Leistungsstufe braucht es nicht
Man hat sich schon dermaßen an diese aberwitzigen Beschleunigungen gewöhnt, dass es einem beim 4S jetzt nicht mehr den Magen in den Schleuderwaschgang beamt oder das eigene Hirn taub frostet. Beim Macan Turbo, der ja nun nochmal 136 PS mehr in die Waagschale wirft (und mit Launch Control sogar auf 639 PS kommt), tut es das.
Was ich damit sagen will: Es ist einfach egal, ob Sie in einem elektrischen Macan 250, 285 oder 330 kW zur Verfügung haben. Alle Varianten sind wahnsinnig schnell und die emotionale Komponente in der Art der Leistungsentfaltung entfällt ohnehin. Den Turbo nehme ich hier aus, denn der ist einfach ein Freak und tritt einem auf einem völlig anderen Level ins Gesäß. Aber rein von der Leistung her, ist der 4S sicher kein Muss.
Ansonsten zeigt er das große Talent im Fahrverhalten, welches wir auch von den anderen E-Macans kennen. Mehr geht in diesem Segment eigentlich nicht. Die Lenkung zählt zum besten, was man heute kaufen kann, dazu kommen Unmengen an Grip, horrende Kurvengeschwindigkeiten und eine großartige Chassis-Balance, die dem Macan auch ordentlich Spielfreude verabreicht.
Fazit? Gibt's bei InsideEVs.de
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