Toyota RAV4 GR Sport im Dauertest: Stark, aber nicht aufdringlich
Wie gut der Plug-in-Hybrid wirklich ist – und was Fahrverhalten, Verbrauch & Komfort verraten
Drei Monate und fast 4.000 Kilometer liegen hinter uns und dem Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid in der dynamisch akzentuierten GR Sport-Ausführung. Nach den ersten beiden Teilen unseres Dauertests, in denen wir uns mit den ersten Eindrücken, der Optik, dem Fahrwerk und der grundlegenden Technik vertraut gemacht haben, ist es nun an der Zeit, ein umfassendes Fazit zu ziehen.
Hat das Topmodell des weltweit erfolgreichen SUVs im Alltag über die Distanz gehalten, was die Papierform versprach? Schon beim ersten Kontakt wirkte der GR Sport wie eine selbstbewusste Variante eines bekannten Gesichts. Schwarze Anbauteile, glänzend dunkle Felgen, bulliger Look – das unterscheidet ihn deutlich von den zivileren Brüdern.
Die Formensprache bleibt dabei sachlich, fast kantig. Im Gegensatz zum Kia Sportage oder Lexus NX setzt der RAV4 nicht auf avantgardistisches Design, sondern auf eine eher robuste Erscheinung. Das passt perfekt zu dem Anspruch, ein SUV, der im Alltag wirklich zuverlässig ist – auch in der GR-Ausführung.
Mehr als nur ein Emblem: Was bedeutet GR Sport?
Bevor wir ins Detail gehen, lohnt sich ein Blick auf das Kürzel "GR Sport". Im Gegensatz zu reinen Performance-Modellen wie dem kommenden GR Corolla oder spezialisierten Offroadern wie dem kürzlich vorgestellten Hilux GR Sport II steht GR Sport bei Toyota für eine dynamischere Optik und eine angepasste Fahrwerksabstimmung, ohne jedoch die grundlegende Fahrzeugarchitektur radikal zu verändern.
Beim RAV4 zeigt sich dies in spezifischen Designelementen wie schwarzen 19-Zoll-Leichtmetallrädern, dunklen Akzenten an Kühlergrill, Radläufen und Heck sowie einem Innenraum mit Sportsitzen, Alcantara-Bezügen, roten oder silbernen Ziernähten und GR-Logos. Technisch unterscheidet er sich vor allem durch eine straffere Abstimmung von Federn und Dämpfern, die für ein direkteres Fahrgefühl sorgen soll. Doch wie macht sich diese sportliche Note im Alltag bemerkbar?
Alltagstauglichkeit und Funktionalität: Für (fast) alle Lebenslagen
Eines der herausragenden Merkmale des RAV4 ist sein hervorragendes Raumangebot. Sowohl Fahrer und Beifahrer als auch die Fondpassagiere genießen eine großzügige Kopf- und Beinfreiheit, was den RAV4 zu einem besonders familienfreundlichen Fahrzeug macht. Der Einstieg ist dank der angenehmen Sitzhöhe und der weit öffnenden Türen bequem. Hinter der elektrisch betätigten Heckklappe, die sich optional auch per Fußbewegung öffnen lässt, verbirgt sich ein gut nutzbarer Kofferraum.
Trotz der im Unterboden untergebrachten 18,1 kWh-Batterie fasst das Ladeabteil knapp 500 Liter. Klappt man die im Verhältnis 60:40 teilbaren und in der Neigung verstellbaren Rücksitzlehnen um - was bequem vom Kofferraum aus oder von den Sitzen aus möglich ist - entsteht eine nahezu ebene Ladefläche mit einem maximalen Volumen. So schluckt der RAV4 auch sperriges Gepäck oder Sportgeräte ohne Murren.
Im Innenraum zeigt sich die sportliche Auslegung in Details: GR-Logos auf Sitzen und Lenkrad, edel anmutende Mikrofaser-Oberflächen, silberne Kontrastnähte. Vieles bleibt aber typisch Toyota - also solide, übersichtlich und eher funktional als verspielt. Das heißt auch: Hartplastik in tieferen Regionen, aber sauber verarbeitet. Im Dauereinsatz erweist sich der Innenraum jedenfalls als robust und langlebig.
Im Alltag hat sich der RAV4 GR Sport als unkomplizierter Begleiter erwiesen. Große Türen, angenehm hohe Sitzposition, viel Stauraum. 490 Liter Kofferraumvolumen stehen zur Verfügung, bei umgeklappten Rücksitzen wächst der Laderaum auf bis zu 1.604 Liter. Die Rücksitze lassen sich in mehreren Stufen in der Neigung verstellen, was den Komfort auf langen Strecken erhöht - ein echter Vorteil vor allem für die Fondpassagiere.
Für die kalte Jahreszeit erweist sich die Ausstattung als hilfreich. Sitz- und Lenkradheizung, beheizbare Außenspiegel und eine sehr schnell ansprechende Standklimatisierung machten den morgendlichen Start im Winter angenehm. Der elektrische Allradantrieb griff auf schneebedeckter Fahrbahn oder losem Untergrund zuverlässig ein und sorgte für stabile Spurtreue.
Antrieb und Fahrverhalten: Souveräne Kraft und Kompromisse
Herzstück des RAV4 Plug-in-Hybrid ist sein Antriebsstrang. Er kombiniert einen 2,5-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor nach dem Atkinson-Zyklus mit zwei Elektromotoren - einem stärkeren an der Vorderachse und einem zusätzlichen an der Hinterachse, der den intelligenten elektrischen Allradantrieb AWD-i realisiert.
Die Systemleistung beträgt stolze 306 PS, mit denen das knapp zwei Tonnen schwere SUV in rund sechs Sekunden auf Tempo 100 sprintet - beeindruckend, aber nicht effekthascherisch. Viel wichtiger als die Beschleunigung ist im Alltag die Möglichkeit, rein elektrisch zu fahren. Und das kann der Plug-in-Hybrid sehr gut.
Die elektrische Reichweite gibt Toyota mit bis zu 75 Kilometern an. Im Test pendelte sich dieser Wert je nach Witterung zwischen 50 und 64 Kilometern ein - ein Wert, der viele Kurzstreckenfahrer wie mich komplett unabhängig vom Benziner macht. Wer regelmäßig lädt - immerhin ist die Batterie mit 6,6 kW Ladeleistung in gut zweieinhalb Stunden voll - kann den RAV4 als fast reines Elektroauto im Pendelverkehr nutzen.
Startet man mit voller Batterie im Hybridmodus, nutzt das System die gespeicherte Energie sehr intelligent. Auf den ersten 100 Kilometern sind dann Verbräuche zwischen 1,5 und 2,5 Litern plus Strom möglich. Ist die Batterie leer oder wird der Ladezustand gehalten (Charge-Hold-Modus), verhält sich der RAV4 wie ein effizienter Vollhybrid.
Die GR Sport spezifische Fahrwerksabstimmung bringt das versprochene Plus an Dynamik. Die Karosserie neigt sich in Kurven weniger, das Handling ist präziser und die Rückmeldung der Lenkung direkter. Trotz der sportlichen Auslegung kommt der Komfort nicht zu kurz: Fahrbahnunebenheiten werden dank der gezielt abgestimmten Dämpfung gut absorbiert, so dass auch längere Strecken ohne große Ermüdungserscheinungen genossen werden können. Auf sehr holprigen Straßen kann das Fahrwerk allerdings etwas hart wirken.
Ein weiterer Punkt, der im Alltag immer wieder auffällt: das CVT-Getriebe. Es sorgt zwar für eine ruckfreie, gleichmäßige Beschleunigung, lässt aber akustisch keinen Zweifel daran, dass hier ein stufenloses System arbeitet. Vor allem bei hoher Last - etwa beim Einfädeln auf der Autobahn - ist das Aufheulen des Motors deutlich zu hören.
Zwar hat Toyota die Gummiband-Charakteristik früherer CVT-Generationen stark reduziert, ganz verbergen lässt sich das typische Verhalten aber nicht. Wer damit leben kann, bekommt ein sehr harmonisch abgestimmtes Antriebssystem - wer mehr Emotionen erwartet, sollte vielleicht auf den kommenden GR Corolla warten.
Ausstattung und Innenraum: Umfangreich, aber nicht durchweg Premium
Der GR Sport ist das Topmodell der RAV4-Baureihe und verfügt über eine entsprechend umfangreiche Serienausstattung. Dazu gehören in der Regel moderne Features wie die brillanten LED-Scheinwerfer, ein volldigitales 12,3-Zoll-Kombiinstrument und das zentrale 10,5-Zoll-Multimediasystem.
Auch Annehmlichkeiten wie ein hochwertiges JBL-Soundsystem, eine beheizbare Frontscheibe, eine Klimaautomatik sowie die bereits erwähnten beheizbaren Vorder- und Rücksitze und eine Lenkradheizung sind häufig an Bord. Die elektrisch verstellbaren GR-Sportsitze mit Memory-Funktion bieten guten Seitenhalt und erwiesen sich auch auf langen Strecken als bequem.
Das Infotainmentsystem selbst hinterlässt allerdings einen zwiespältigen Eindruck. Zwar ist die Bedienung dank Touchscreen und physischen Tasten sowie gummierten Drehreglern für die Klimaautomatik praxisgerecht, doch die Software wirkt in Sachen Grafik, Menüstruktur und Reaktionsgeschwindigkeit nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit.
Dafür funktionieren Apple CarPlay und Android Auto drahtlos und stabil, und das digitale Kombiinstrument ist zwar unspektakulär, aber gut ablesbar. Head-up-Display und 360-Grad-Kamera runden die umfangreiche Ausstattung sinnvoll ab - beides erweist sich in engen Parkhäusern und auf der Autobahn als echter Mehrwert.
Auch bei den Assistenzsystemen zeigt sich der RAV4 auf der Höhe der Zeit. Spurhalte-, Totwinkel-, Querverkehr- und Notbremsassistent arbeiten zuverlässig, ohne zu bevormunden. Der adaptive Tempomat mit Lenkunterstützung greift bei Bedarf sanft ein, bleibt aber angenehm unauffällig. Gerade auf längeren Autobahnetappen war das System ein treuer Begleiter - nicht perfekt wie bei manchen Premiumherstellern, aber alltagstauglich und stressreduzierend.
Laden und Verbrauch: Musterschüler
Der Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid punktet im Alltag vor allem mit seiner elektrischen Reichweite und Effizienz - vorausgesetzt, das Ladepotenzial wird konsequent genutzt. Die 18,1 kWh große Batterie ermöglicht eine offizielle WLTP-Reichweite von bis zu 75 Kilometern. Im Praxistest erwies sich dieser Wert als durchaus realistisch: Bei moderaten Temperaturen und vorausschauender Fahrweise auf Stadt- und Landstraßen waren rein elektrische Reichweiten von rund 60 Kilometern keine Seltenheit. Damit kann ein Großteil der täglichen Pendlerstrecke lokal emissionsfrei zurückgelegt werden.
Geladen wird über eine Typ-2-Steckdose auf der Beifahrerseite. Dank des serienmäßigen 6,6-kW-On-Board-Laders ist die Batterie an einer Wallbox oder einer öffentlichen Ladesäule in rund 2,5 Stunden vollständig aufgeladen. An einer normalen Haushaltssteckdose dauert es mit rund 7,5 Stunden entsprechend länger. Bei Kälte kann sich die Ladezeit durch Batteriekonditionierung zusätzlich verlängern.
Eine DC-Schnellladefunktion fehlt - wie bei den meisten Plug-in-Hybriden. Ausnahmen bilden hier nur wenige Modelle wie z. B. der Audi A3 40 TFSI-e als Beispiel aus dem VW-Konzern, der Mitsubishi Eclipse Cross mit CHAdeMO-Anschluss oder einige Modelle von Mercedes oder Jaguar/Land Rover.
Im Dauertest über rund 4.000 Kilometer pendelte sich der Durchschnittsverbrauch bei 5,3 Liter pro 100 Kilometer ein. Auf Kurzstrecken und bei hohem EV-Anteil waren auch Verbräuche unter fünf Liter möglich, bei zügiger Autobahnfahrt wurden Werte von über acht Liter erreicht. Insgesamt wurden 1.846,3 Kilometer rein elektrisch zurückgelegt - knapp die Hälfte der Gesamtdistanz. Für ein 306 PS starkes Allrad-SUV ist das ein beachtlicher Wert - auch wenn echte Sparfüchse wohl ein anderes Konzept wählen würden.
Ausstattung und Preis
Womit wir bei einem wunden Punkt wären: dem Preis. Der Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid startet schon ambitioniert, die Variante GR Sport liegt mit einem Listenpreis ab rund 64.000 Euro bzw. Testwagenpreisen um 68.500 Euro klar im oberen Segment. Das ist ein selbstbewusstes Statement, auch wenn die Ausstattung sehr umfangreich ist.
Direkte Konkurrenten wie der Hyundai Tucson, der Renault Rafale oder der neue Opel Grandland sind oft günstiger zu haben, bieten aber nicht immer die Kombination aus Systemleistung, Geländetauglichkeit, sportlicher Dynamik und so alltagstauglicher Flexibilität wie der Toyota. Auch Modelle wie der neue Audi Q5 oder der BMW X3 bewegen sich je nach Ausstattung in ähnlichen, oft aber noch höheren Preisregionen als der RAV4 GR Sport.
Fazit nach 4.000 Kilometern: Allrounder mit sportlicher Kante
Was bleibt nach drei Monaten mit dem Toyota RAV4 Plug-in Hybrid GR Sport? Vor allem der Eindruck, ein sehr ausgewogenes Gesamtpaket genutzt zu haben. Der GR Sport bleibt optisch eigenständig, ohne übertrieben zu wirken. Sein Antrieb überzeugt durch Kraft und Alltagstauglichkeit. Die elektrische Reichweite ist konkurrenzfähig, das Platzangebot groß, die Ausstattung üppig. Ja, das CVT ist nicht jedermanns Sache, und ja, der Preis kratzt an der 65.000-Euro-Marke. Aber der Gegenwert stimmt.
Gerade im Vergleich mit Konkurrenten wird klar: Der Toyota ist kein Showstar, sondern ein Konstanten-Profi. Er fährt nicht immer vorneweg, fällt aber auch nie zurück. Und er kombiniert sportliche Elemente so dezent, dass sie auch im Alltag Sinn machen - ohne aufdringlich zu wirken. Der dynamische Auftritt wird allerdings mit einem spürbar strafferen Fahrwerk und leichten Komforteinbußen auf schlechten Straßen erkauft.
Toyota RAV4 GR Sport Plug-in-Hybrid (2025)
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