Wir hatten ja keine Ahnung, dass die Ufer der Moskwa westlich der Hauptstadt so steil sein können. Natürlich nicht die Zhigulevsky-Klippen in der Nähe von Togliatti, aber auch sie sind malerisch. Aber das Wichtigste war, dass wir hier mit ein Auto fahren konnten, das wir bisher immer als normalen Kompaktwagen betrachtet haben. Doch der Lada X-Ray Cross entpuppte sich als frontgetriebenes und durchaus kämpferisches SUV.

Wir erinnern uns zurück an den Autosalon in Moskau, wo das Lada X-Ray-Konzept zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Damals war AvtoVAZ gerade eine Allianz mit Renault eingegangen, und es wurde erwartet, dass das Unternehmen den Durchbruch schaffen würde. Zumindest, was das Design betrifft. Für die Gestaltung wurde der berühmte Steve Mattin verpflichtet, der bereits für das eine oder andere Modell von Mercedes und Volvo verantwortlich ist.

Und der Durchbruch gelang: Wir sahen ein modernes SUV mit X-förmig geprägten Türen und dynamischer Silhouette. Aber ein am Ende völlig anderes Auto ging in Produktion, das eher wie eine kompakte und hochbeinige Schräghecklimousine aussah, nicht wie ein richtiges SUV. Das liegt an der klugen Entscheidung des Automobilherstellers, das Fahrgestell des Renault Sandero (der Dacia wird in Russland als Renault vermarktet) zu verwenden: modern, aber einfach und zuverlässig.

LADA XRAY Cross
LADA XRAY Cross
LADA XRAY Cross

Wir haben für unseren Test ein ziemlich erstaunliches Auto hingestellt bekommen, in dem es nichts mehr von der traditionellen sowjetischen Autoindustrie gibt. Das Chassis stammt, wie bereits erwähnt, von Renault (allerdings mit erheblichen Änderungen, aber dazu später). Der Motor könnte komplett russisch sein, aber hier handelt es sich um eine lokalisierte Version eines ursprünglich japanischen Nissan-Motors.

Nur die Karosserie stammt komplett aus Russland. Aber mit dem Design eines Engländers. Im Allgemeinen stellt sich heraus, dass es sich um ein internationales Projekt handelt, das an den Ufern der Wolga auf die Räder gestellt wurde. Fast wie der Ur-Lada von 1970 ...

LADA XRAY Cross

Neben der erhöhten Bodenfreiheit unterscheidet sich der Cross durch schwarze Kunststoffauflagen an der Unterseite der Karosserie, die unserer Meinung nach die optische Wahrnehmung des Fahrzeugs deutlich verbessert haben.

Seien wir ehrlich: Der reguläre X-Ray sieht ein wenig seltsam aus. Er hat eine relativ hohe Seitenfensterlinie, weshalb die Türen zu groß und die Fenster im Gegensatz dazu zu klein zu sein scheinen. Die Sichtverhältnisse werden dadurch zwar nicht beeinträchtigt, aber das Aussehen ist gewöhnungsbedürftig. Der Cross hat größere Räder und die Türen wirken durch die Kunststoffverkleidung kleiner.

LADA XRAY Cross

Bei der Entwicklung wurde nicht nur die Bodenfreiheit erhöht, sondern auch die Vorderradaufhängung unter Verwendung der vom Vesta bekannten Lösungen erheblich verändert. Auf dieses Fahrwerk kann Lada zu Recht stolz sein.

In einem Farbton namens "Amber" lackiert und auf den großen 17-Zoll-Rädern sieht der X-Ray aus wie eine Art fröhliches Tier, mit dem man unbedingt spielen möchte. Aber im Inneren sieht alles viel pragmatischer aus. Die Sitzposition ist unerwartet geländetauglich, zumindest für ein SUV: Man sitzt hoch, statt halb liegend wie in normalen Autos. Aber das Sitzkissen könnte etwas länger sein.

Auch das massive Armaturenbrett aus schwarzem, schlichtem Kunststoff vermittelt einen seriösen Eindruck. Einerseits sieht die Textur des Materials billiger aus als beispielsweise beim Vesta, andererseits ist es im guten Sinne utilitaristisch. Es gibt sogar eine Armlehne, die jedoch nicht in allen Ausstattungslinien vorhanden ist.

LADA XRAY Cross
LADA XRAY Cross
LADA XRAY Cross

Das Armaturenbrett und die Bedienelemente erinnern an die Kabine des Lada Vesta, aber die Anordnung der einzelnen Knöpfe ist ungewöhnlich - man merkt die französischen Wurzeln. Auf dem zentralen Bedienfeld befindet sich das neue Multimediasystem der Marke EnjoY PRO. Also diktieren wir der Sprachassistentin Alice die Adresse, schalten die Musik ein - und los geht's.

Unter der Haube arbeitet ein 113-PS-Motor mit 1,6 Liter Hubraum, den wir aus dem Vesta kennen und der im Cross (verbunden mit einem Automatikgetriebe) außerorts etwas an Dynamik einbüßen muss. In der Stadt fühlt er sich etwas leidenschaftlicher an. Aber er wird nicht zum Sportwagen. Wenn Sie mehr Kraft wollen, nehmen Sie die Version mit 1,8 Liter Hubraum und der manuellen Schaltung.

Das Handling des Wagens ist anständig. Der X-Ray Cross wirkt - anders als der Vesta - eher wie ein kompaktes SUV mit sportlicher Fahrwerksabstimmung, aber er nervt nicht mit Schlingern und unnötigen Rollbewegungen.

LADA XRAY Cross

In der Stadt ist er genau das, was Sie brauchen: Die hohe Sitzposition bietet eine gute Sicht und ein ausgezeichnetes Gefühl für Größe, während die mäßig scharfe Lenkung Sie sicher durch den Verkehr manövrieren lässt. Er ist eine fast ideale Kombination aus einem kompakten Schrägheck und einem SUV, in dem man keine Angst vor hohen Bordsteinen haben muss - eine gute Wahl zum Beispiel für Fahranfänger.

Auch auf einer kurvenreichen Landstraße fühlt sich der X-Ray Cross in seinem Element - uns gefiel, dass die Lenkung sehr informativ ist. Aber auf Autobahnen kommt keine Freude auf: Der Motor reicht hier nicht aus und die hohe Karosserie macht das Auto empfindlich gegenüber Windböen. Darüber hinaus wird es ziemlich laut im Innenraum. Im Allgemeinen eignet sich hier der Vesta in jeder seiner Versionen besser für diese Rolle.

Aber der X-Ray Cross ist wirklich bereit, jedem SUV mit Frontantrieb den Kampf anzusagen, wenn es an Straßen mangelt! SUVs, nicht Autos mit erhöhter Bodenfreiheit ...

LADA XRAY Cross

Im Gegensatz zum Vesta Cross gibt es nicht nur eine Bodenfreiheit von 215 Millimetern (das ist mehr als unter so manchen UAZ-Achsen!), sondern auch kurze Überhänge der Karosserie, so dass man sich sehr anstrengen muss, um Stoßstangen zu beschädigen.

Außerdem hat die Federung einen recht ordentlichen Hub. Die vorderen Antriebsräder bleiben mit der Straße verbunden und der X-Ray Cross setzt seinen Weg fort. Wir hatten den Eindruck, dass das Stabilisierungssystem hier besser ist als beim Vesta. Es hilft auf rutschigem Untergrund, ein blockiertes Rad abzubremsen, aber wahrscheinlich liegt der Grund in der Gewichtsverteilung, die zugunsten der Vorderräder wirkt.

LADA XRAY Cross

Er ist natürlich kein Panzer, aber er ist ein SUV, dass geländegängiger ist als viele andere. Der X-Ray Cross ist ein nahezu einzigartiges Angebot auf dem russischen Markt und mit der richtigen Bereifung ist das Auto auch bei starkem Schneefall sicher.

Im Großen und Ganzen ist er den größeren frontgetriebenen SUVs des B-Segments, die in den letzten Jahren in Russland sehr beliebt wurden, nur in der Größe unterlegen. So ist die hintere Sitzreihe in diesem Lada ziemlich eng bemessen und er verliert sogar gegenüber dem Vesta an Platz ... obwohl der Kofferraum hier in Ordnung ist.

LADA XRAY Cross

Gleichzeitig kostet der X-Ray Cross fast doppelt so viel wie die etwas größeren SUVs. Und von seinen direkten Konkurrenten können wir uns nur an den Renault Sandero Stepway erinnern. Aber der "Franzose" ist ein bisschen teurer und die Aufhängung ist von jenen nützlichen Verbesserungen beraubt, die das einheimische Auto durchgemacht hat. Außerdem werden leistungsstärkere Motoren auf den Lada gesetzt, obwohl die Variante mit 113 PS und der Automatik auch beim Sandero existiert.

Angesichts der zunehmenden SUV-Vorliebe und des Preisanstiegs bei größeren Autos können wir vorhersagen, dass mehr solcher kompakten Modelle in Russland auf den Markt kommen werden. Und Lada ist in diesem Segment bereits gut positioniert.

Bildergalerie: Lada Xray Cross (2021) im Test