Wir haben den einzigen fahrbaren Prototypen auf Basis des Peugeot 107 getestet

Welches ist das schönste Auto überhaupt? Sicher ist: Bei dieser Frage entscheidet vor allem der individuelle Geschmack. Doch gibt es automobile Grazien, die in diesem Zusammenhang eben häufiger erwähnt werden als andere. Zu den sicherlich oft genannten Meisterwerken der Autobaukunst zählt der Bugatti Atlantic – ein sportliches Luxuscoupé aus den 1930er-Jahren. In dieses Juwel haben sich bereits viele Autonarren hoffnungslos verliebt. So auch Roumen Antonov. Doch für den gebürtigen Bulgaren blieb der Wunsch nach einem eigenen Atlantic unerfüllbar. Die wenigen existierenden Exemplare sind faktisch unverkäuflich. Doch kein Grund zu verzagen, dachte sich Antonov und entwarf ein Auto, das zumindest in seiner Formensprache dem Atlantic recht nahe kommt.

Jüngste Evolutionsstufe seit 2006
2002 war es dann soweit: Mit einem Rumen genannten Prototyp hat Antonov nicht nur seinen Traumwagen auf die Räder gestellt, sondern diesen gleich noch auf dem Pariser Autosalon der Weltöffentlichkeit präsentiert. Dort fand der auf einem Smart Roadster basierende Retro-Zwerg viel Anklang. Vier Jahre später war Herr Antonov mit seiner 1999 gegründeten Firma 4Stroke-Design abermals auf der Pariser Automesse vertreten, diesmal mit einer gereiften Evolutionsstufe des Rumen. Das neue Modell baut statt auf einem Smart nunmehr auf dem Peugeot 107 auf und soll mit dieser Technik bereits in naher Zukunft in Serie gebaut werden. Wir haben die im französischen Le Mesnil Amelot beheimatete 4Stroke-Manufaktur besucht und mit dem derzeit einzig fahrbaren Rumen eine streckenweise abenteuerliche Probefahrt unternommen.

Eine beeindruckende Interpretation
Obwohl der Rumen mit 3,50 Meter Länge im Vergleich zum Bugatti-Original ein Winzling ist, versprüht das Retro-Mobil in herzergreifender Weise das Fluidum seines Vorbilds. Die stromlinienförmigen Radhäuser fallen mit ihren verschwenderisch-eleganten Schwüngen ins Auge. Auch der Karosserie-Körper eifert anmutig dem historischen Vorbild nach. Und die Türen mit ihren tropfenförmigen Seitenfenstern sind denen des Atlantic auf kongeniale Weise nachempfunden. Verfeinert wird das Erscheinungsbild mit Chromspeichen-Rädern und Weißbandreifen, den Glubschaugen-Scheinwerfern sowie einer Zweifarben-Lackierung in Rot und Altweiß. Mit seiner vornehmen sowie geschmackvollen Form und den diversen Retro-Anleihen ist der Rumen eine sehr stimmungsvolle Hommage an die Formensprache einer längst vergangenen Epoche des Autobaus.

Nobles Retro-Flair innen
Auch der Innenraum versprüht – zumindest auf den ersten Blick – nobles Retro-Flair. Viel weißes Leder steht auch dort im Kontrast zu Tierhäuten in Rot. Außerdem fällt dem Betrachter sofort der Armaturenträger aus massivem, dunklem Holz ins Auge. Rechts vom Holz-Alu-Lenkrad befindet sich der Armaturenträger in Form einer ovalen Platte aus poliertem Alu mit zwei Rundinstrumenten und einem kleinen Digitaldisplay. Drumherum sind sich noch ein paar wenige Schalter angeordnet. Der auf den ersten Blick edel anmutende Materialmix ist jedoch nicht ganz stimmig. So stammen die Schaltereinheiten und Belüftungsdüsen aus dem 107 und sind eigentlich nur billige Plastikteile aus der Massenfertigung. Darüber hinaus sind in der Verarbeitung deutliche Schwächen erkennbar – ein zumindest bei Prototypen keineswegs ungewöhnliches Phänomen.

Platzangebot auf Kleinwagen-Niveau
Das Platzangebot auf den beiden Plätzen ist äussert bescheiden. Das Raumgefühl im Rumen ist meilenweit von dem eines Luxus-Traumwagens entfernt. Hier herrscht vielmehr kärglichstes Kleinwagen-Niveau. Doch nach Aussage von Roumen Antonov soll ein derzeit noch im Bau befindlicher Prototyp den Passagieren mehr Platz bieten. Auch auf die Kritik über die Qualität einiger Schalter und den Belüftungsdüsen erhält man eine ähnliche Antwort: Bei der künftigen Serienversion sollen durchweg edlere Materialien zur Verwendung kommen.

Das Coupé wird zum Roadster
Eine Besonderheit des Rumen ist sein abnehmbares Hardtop. Mit wenigen Handgriffen lässt sich das zweisitzige Coupé zum Roadster umwandeln. Allerdings muss das Dach dann in der Garage zwischengelagert werden. Wer ohne die Kunststoffhaube losfährt, der sollte sicher sein, dass es während der Fahrt nicht regnen wird. Für Abhilfe könnte ein Notdach aus Stoff sorgen, das sich laut Antonov jedoch ebenfalls noch in der Entwicklung befindet.

Obwohl ein Leichtgewicht, kein Sportler
Obwohl ohne Dach zum Roadster gewandelt, will mit dem Rumen kein rechter Fahrspaß aufkommen. Das Desgin-Juwel fährt trotz der sehr harten Federung sogar enttäuschend unsportlich. Die Fahrwerksabstimmung sorgt weniger für eine satte Straßenlage als vielmehr für geringen Fahrkomfort. Immerhin sind die Stoßdämpfer in der Härte variabel und sollen laut Antonov auch deutlich weicher einstellbar sein.

Schlapper Motor
Freude am Fahren will sich auch deshalb nicht einstellen, da der Wagen trotz der nur etwa 500 Kilo Gewicht mit dem 68 PS starken 1,0-Liter-Dreizylinder untermotorisiert wirkt. Zwar ist das Leichtgewicht für fast alle Verkehrssituationen ausreichend flott. Doch im Zusammenspiel mit der Fünfgang-Automatik wirkt das Fahrzeug träge. Wer mehr Power möchte, der soll den Rumen alternativ auch in einer aufgeladenen Version mit 100 PS ordern können.

Rad ab
Auch bei Geradeauslauf, der Verwindungssteifigkeit und dem Einlenkverhalten vermag der Rumen nicht so richtig überzeugen. In einer scharf genommenen Kurve erschreckte uns sogar ein unschönes Schleifgeräusch. Vermutlich kam dabei der Fahrzeugboden in Kontakt mit der Asphaltdecke. Der Grund für dieses abstruse Fahrverhalten könnte darin liegen, dass das rechte Vorderrad zu diesem Zeitpunkt bereits sehr locker auf der Achse hing. Nur kurze Zeit später rollte während der Fahrt eben jenes Rad einige Meter vor uns. Zuvor verabschiedete sich allerdings noch die Flügelmutter mit einem metallischen ,Zing". Kurz danach sackt der Wagen vorne leicht ab und ein lautes metallisches Schleifen begleitete die Notbremsung, während das Speichenrad im Straßengraben verschwindet. Der plötzlich zum Dreirad gewordene Rumen blieb dabei gut beherrschbar und rollte, gestützt von der ausgefederten Bremsscheibe, sicher aus. Obwohl die Sache sehr glimpflich verlief, gehört ein derartiger Fauxpas selbst bei erfahrenen Autotestern zu den wohl besonders denkwürdigen Momenten ihrer Laufbahn. Die Erklärung des 4stroke-Teams: Sabotage. Eine schlampige Montage wäre natürlich auch noch denkbar.

Preisliste


4Stroke Rumen

Grundpreis: 55.000 
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
Klimaanlage Serie
Automatikgetriebe Serie
Lederausstattung Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Benzinmotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 998 
Leistung in PS 68 
Leistung in kW 50 
bei U/min 3.600 
Drehmoment in Nm 93 
Gänge
Getriebe Automatik 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.490 
Spurweite hinten in mm 1.415 
Radaufhängung vorn Doppel-Dreiecksaufhängung 
Radaufhängung hinten einfache Dreiecksaufhängung 
Bremsen vorn Scheiben 
Bremsen hinten Scheiben 
Räder, Reifen vorn 165/65 R15 
Räder, Reifen hinten 165/65 R15 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.500 
Breite in mm 1.600 
Höhe in mm 1.310 
Leergewicht in kg 500 
Kofferraumvolumen in Liter 200 
Tankinhalt in Liter 35 
Kraftstoffart Benzin 

Die Rumen-Show