Mit dem neuesten Spross stößt Volvo ins Kompaktsegment vor

So schick, so schön: Mit dem Volvo C30 zeigt der schwedische Hersteller Mut zum Design und stößt gleichzeitig in ein neues Segment vor. Mit dem stylischen Kompaktwagen will der Autobauer gegen Audi A3 und BMW 1er antreten. Dafür gilt es, neue Zielgruppen zu finden und vor allem anzusprechen. Schon 2003 hat Volvo mit dem S40 begonnen, sein konservatives Image abzulegen und mit frischem Mut neue Käuferschichten anzusprechen. Vor allem galt es, Staub aus den Kleidern zu schütteln: Früher hatten Volvos eine recht langweilige kantige Form. Gekauft wurden sie, glaubt man dem Image, überwiegend von Leuten, die Rollkragenpullover mögen, meist in pädagogischen Berufen tätig waren und vor allem Wert auf Sicherheit und Komfort legten.

Anleihen vom Schneewittchensarg
Dennoch gab es Design-Höhepunkte wie den legendären Volvo P 1800 ES von 1971, der wegen seiner ungewöhnlichen Heckfenstergestaltung den liebevollen Spitznamen ,Schneewittchensarg" bekam. Beim neuen C30, der sich die Plattform und den Radstand mit S40 und V50 teilt, finden sich die Elemente des Märchen-Autos wieder. Von vorn ist der kompakte Schwede unverkennbar ein Volvo, der im Rückspiegel auch schnell mit S40/V50 verwechselt werden kann. Doch schon in der Seitenlinie, die in breiten, muskulösen Schultern endet, verlieren sich die Gemeinsamkeiten. Richtig schön anzuschauen ist das Heck des Wagen, das mit seiner großen, nach unten gezogenen Scheibe tatsächlich an den Schneewittchensarg erinnert. Ein kleiner Spoiler, der serienmäßig bei den Top-Varianten D5 und T5 montiert ist, polarisiert: Seine Kritiker finden ihn zu wuchtig. Zwei verchromte Endrohre grüßen die Hinterherfahrenden und zeugen davon, dass im Motorenraum die stärksten Varianten von Benziner oder Diesel untergebracht sind.

Bequemes Residieren
Man muss nicht der siebte Zwerg sein, um sich auf den vorderen Plätzen des Schneewittchen-Gefährts wohlzufühlen. Auf dem Gestühl sitzt es sich bequem, straff und auf Wunsch auch mit beheiztem Hinterteil. Nur beim Anlegen des Sicherheitsgurtes ist eine Verrenkung notwendig, weil die B-Säule ziemlich weit hinten steht. Der Innenraum ist ansprechend und wertig gestaltet. Auch im C30 findet sich die neue, scheinbar frei schwebende, Volvo-Mittelkonsole wieder, die von der Sache her nur ein Mittelbrett ist: Dahinter ist noch ein kleines Staufach zu finden. Die eigentliche Bedieneinheit für Telefon, Radio und Klimaautomatik ist wie die Fernbedienung eines TV-Gerätes gestaltet. Das sieht zwar hübsch aus, erweist sich aber in der Praxis als recht fummelig, da die Tasten ziemlich klein sind. Dafür lässt sich die Konsole in verschiedenen Designs bestellen. Immerhin: Für die gute Stube des C30 lassen sich 15 Kombinationsmöglichkeiten von Polstern und Innenraumfarben finden.

Keine billigen Plätze
Wer in den Fond möchte, muss zunächst ein wenig Gymnastik betreiben, wird aber mit einem super Platzangebot belohnt. Für Kopf und Knie eines Erwachsenen ist jedenfalls genügend Raum vorhanden. Das kommt daher, dass Volvo gar nicht erst den Versuch unternommen hat, eine Dreier-Bank zu installieren, sondern gleich zwei Einzelsitze verbaut hat. Diese sind zudem leicht zur Fahrzeugmitte hin versetzt, von billigen Plätzen ist hinten also nichts zu spüren. Nur die massiven Kopfstützen der Vordersitze stören ein wenig das Wohlbefinden, denn sie haben leider keine Öffnung zum Durchschauen.

278 Liter Stauraum sind nicht viel
Kommen wir zum Heckabteil unter der großen Glasklappe. 278 Liter Stauraum sind nicht gerade viel und die hohe und enge Ladeöffnung leistet auch keinen Beitrag dazu, den C30 als Transportwunder zu bezeichnen. Immerhin lassen sich die Rücklehnen leicht klappen, sodass das Gepäckvolumen auf 921 Liter erhöht werden kann. Eine Abdeckung gibt es nur gegen Aufpreis, dafür aber ab Mitte 2007 auch in einer festen Variante. Inweit dieses Manko die anvisierten Käufer stört, bleibt abzuwarten. Die Zielgruppen sind klar umrissen: Wer sich einen C30 kauft, ist bis zu 35 Jahre alt, verdient gutes Geld und hat noch keine Kinder. Eine zweite Gruppe sind die so genannten ,Silver Agers", auch ,Empty Nesters" genannt. Frei übersetzt bedeuten diese Marketing-Begriffe so viel, dass Leute über 50, deren Kinder bereits aus dem Haus sind, vielleicht einen Premium-Kompaktwagen kaufen wollen, weil sie etwas Neues probieren möchten. Dabei will der Hersteller vor allem Kunden gewinnen, die vorher noch keinen Volvo besaßen.

Fünf Benziner, drei Diesel
Um den C30 voranzubringen, gibt es fünf Benzinmotoren von 100 bis 220 PS und drei Diesel von 109 bis 180 PS. Die beiden Top-Varianten D5 und T5 sind wir bereits gefahren. Der Fünfzylinder-Dieselmotor powert mit 180 PS und einem Drehmoment von 350 Newtonmetern. Der 2,4-Liter-Turbomotor wird zurzeit ausschließlich mit einer Fünfgang-Automatik kombiniert. Erst ab Mitte 2007 soll es für den D5 auch ein Schaltgetriebe geben. Der Motor ist nach dem Kaltstart recht laut, wird danach leiser, bleibt aber akustisch anwesend. Die Automatik schaltet sehr sanft und kann auch manuell bedient werden, trübt aber den Fahrspaß ein wenig durch langsames Ansprechverhalten beim Kickdown. Dennoch sprintet der C30 D5 in 8,4 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von immerhin 220 km/h.

Top-Ottomotor mit 220 Turbo-PS
Den Otto-Gipfel bildet ein 220 PS starker 2,5-Liter Turbomotor, der mit einem Drehmoment von 320 Newtonmetern antritt. In Kombination mit einer exakten Sechsgang-Schaltung ist dieser Fünfzylinder die sportlichste Variante, C30 zu fahren. Die Maschine bringt viel Power von unten und drückt einem vor allem bei Zwischenspurts den Sitz regelrecht ins Kreuz. Nach nur 6,7 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, weiter gehts bis immerhin 240 km/h. Auch der Rest der Komponenten passt, um den Schweden sportlich und agil voranzubringen. Das Fahrwerk ist ein gelungener Kompromiss aus komfortabler Dämpfung und straffer Abstimmung, nur kurze Stöße werden nach innen gemeldet. Der C30 lässt sich ambitioniert um Kurven bringen und quittiert Ausbruchsversuche mit Untersteuern, bevor das ESP eingreift. Gegen Aufpreis kann ein straffer abgestimmtes Sportfahrwerk geordert werden.

Ab 18.600 Euro
Der Volvo C30 ist ab 18.600 Euro zu haben. Dafür bekommt man den 100 PS starken 1,6-Liter-Benziner. Darüber hinaus gibt es die Linien Kinetic, Momentum und Summum. Der Top-Diesel D5 kostet 27.200 Euro, der Spitzenbenziner ist für 28.500 ab der Linie Kinetic zu haben. Bereits das Basismodell verfügt über die Volvo-typische Sicherheitsausstattung wie Seitenaufprallschutz-System, das Schleudertrauma-Schutzsystem, das ESP, Kopf-Schulterairbags und Seitenairbags. Zur Komfortausstattung gehören das CD-Radio, der höhenverstellbare Beifahrersitz und eine manuelle Klimaanlage.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Mit dem C30 könnte Volvo der Einstieg ins Kompaktsegment gelingen. Der Wagen ist überaus schick, lässt sich stark motorisieren und bringt dynamische Qualitäten mit. Zudem können im Fond zwei Erwachsene bequem reisen. Inwieweit der kleine Kofferraum und die hohe Ladekante stören, müssen die Kunden entscheiden.

  • Antrieb
    80%
    Diesel: gute Kraftentwicklung vom Start weg
    Automatik spricht beim Kickdown spät an
  • Fahrwerk
    85%
    guter Kompromiss aus Sport und Komfort
    kurze Bodenwellen werden nach innen gemeldet
  • Karosserie
    80%
    bequemer Platz für zwei Erwachsene im Fond
    kleiner Kofferraum, hohe Ladekante
  • Kosten
    90%
    gute Basis- und Sicherheitsausstattung
    umfangreiche Extraausstattung möglich

Preisliste


Volvo C30

Grundpreis: 18.600 Euro
Modell Preis in Euro
C30 D5 Summum 32.800
C30 1.6 D Momentum Summum 24.050
C30 1.6 18.600
C30 T5 Summum 32.450
C30 2.0 Momentum 24.950
C30 1.8 Kinetic 21.350
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaanlage Serie
Klimaautomatik 675 Euro
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Bildschirmnavigation 2.250
CD-Radio Serie
MP3 400 Euro
elektr. Schiebedach 890 Euro
Metalliclackierung 590 Euro
Leichtmetallfelgen 600 Euro
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat 390 Euro
Lederausstattung 1.500 Euro
Xenonlicht 890 Euro
Nebelscheinwerfer 230 Euro

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Turbodiesel 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.400 
Leistung in PS 180 
Leistung in kW 132 
bei U/min 1.750 - 3.250 
Drehmoment in Nm 350 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Automatikgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.535 
Spurweite hinten in mm 1.531 
Bremsen vorn belüftete Scheiben 
Bremsen hinten Scheiben 
Wendekreis in m 10,6 
Räder, Reifen vorn 205/55 R16 
Räder, Reifen hinten 205/55 R16 
Lenkung elektrohydraulische Servolenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.252 
Breite in mm 1.782 
Höhe in mm 1.447 
Radstand in mm 2.640 
Leergewicht in kg 1.479 
Zuladung in kg 421 
Kofferraumvolumen in Liter 278 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 921 
Anhängelast, gebremst in kg 1.500 
Dachlast in kg 75 
Tankinhalt in Liter 60 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 220 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 8,4 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,9 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 9,5 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,4 
CO2-Emission in g/km 182 
Schadstoffklasse Euro 4 

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