Audi A6 Avant, BMW 530xi und Mercedes E 350 im Vergleichstest

Haar, 19. Juni 2008, Autos gelten in Deutschland nach wie vor als Statussymbol. Dem Fahrer einer Luxuslimousine wird jeder Betrachter ohne lang überlegen zu müssen ein dickeres Bankkonto bescheinigen als dem Halter eines kompakten Kleinwagens. Auch Fahrzeuge der oberen Mittelklasse sind zweifelsohne den Besserverdienern vorbehalten, dennoch stehen sie in der Beliebtheitsskala der deutschen Autofahrer ganz weit oben. Wir haben die Allrad­varianten von Audi A6 Avant, BMW 5er Touring und Mercedes E-Klasse T-Modell mit Automatikgetriebe unter die Lupe genommen.

MOTOR / GETRIEBE
Eine leidige Frage beim Thema Autokauf ist stets die Entscheidung zwischen Diesel und Benziner. Neben den gefahrenen Kilometern, der Umweltverträglichkeit und den Anschaffungskosten spielt vor allem die unterschiedliche Fahrcharakteristik der beiden Motorvarianten eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Aus diesem Grund vergleichen wir den Selbstzünder Audi A6 Avant quattro 3.0 TDI mit den zwei Benziner-Modellen BMW 530xi Touring und Mercedes E 350 T-Modell 4Matic.

Von 233 bis 272 PS
Den vermeintlich schwächsten Motor unseres Vergleichs besitzt der Audi. Der Dreiliter-Diesel des Ingolstädters leistet 233 PS und beschleunigt den A6 Avant in 7,4 Sekunden auf Tempo 100. Auch der Münchner Konkurrent aus dem Hause BMW nennt ein Dreiliter-Aggregat sein Eigen. Hier stehen jedoch 272 Pferde und eine flotte Beschleunigungszeit von 7,1 Sekunden auf der Haben-Seite. Unter der Motorhaube des Mercedes E 350 arbeitet ein 3,5 Liter großes Benzin-Triebwerk, das ebenfalls eine Leistung von 272 PS generiert. Für den 100-km/h-Sprint benötigt der Stuttgarter Luxus-Laster exakt 7,4 Sekunden.

Schwächster Motor im Audi
Trotz seiner 39 Minder-PS muss sich der A6 Avant nicht vor den beiden anderen Probanden verstecken. Vor allem beim schnellen Ampelstart hinterlässt der Ingolstädter einen exzellenten Eindruck. Mit einem traditionell hohen Drehmoment von 450 Newtonmeter kann der Selbstzünder die beiden Vertreter der Benzinfraktion 530xi (320 Newtonmeter) und E 350 (350 Newtonmeter), zumindest auf den ersten Metern, locker abhängen. Bei Zwischensprints im Stadt- und Landstraßenverkehr kann der BMW zum Audi aufschließen. Der Mercedes leidet hier unter seiner nicht unbedingt zackig arbeitenden Fünfgang-Automatik. Zum einen braucht das Getriebe beim Kickdown zu lang, ehe es überhaupt reagiert. Zum anderen dreht es enorm hoch und wird relativ laut, bevor es den Gang wechselt. Ihre Aufgabe besser gelöst haben die Ingenieure von Audi und BMW. Die Sechsgang-Automatik des A6 Avant schaltet für die Insassen fast unmerklich und bereitet in der Praxis keinerlei Probleme. Negativ ankreiden müssen wir dem Ingolstädter allerdings sein dieseltypisch hohes Motorgeräusch. Ganz anders dagegen der BMW: Bei normaler und kultivierter Fahrweise ist das Triebwerk des 5er im Innenraum kaum zu vernehmen. Auch die Gangwechsel gehen selbst bei flotter Beschleunigung so sanft von statten, dass sie beinahe unbemerkt bleiben.

Durstiger Bayer
Audi gibt den Verbrauch für den allradgetriebenen A6 Avant 3.0 TDI mit 8,6 Liter an. BMW verspricht den 530xi-Kunden einen Durchschnittsdurst von 8,4 Liter. Der E 350 tanzt mit einem mittleren Verbrauch von 10,6 Liter auf 100 Kilometer laut Mercedes etwas aus der Reihe. Bei unseren Verbrauchsfahrten hielt sich nur der A6 mit einem Wert von 8,8 Liter annähernd an die Herstellerangabe. Der E 350 liegt mit 12,7 Liter genauso über dem von Mercedes angegebenen Verbrauch wie der 530xi, der mit 12,6 Liter exakt 50 Prozent mehr verbraucht, als BMW angibt.

ANTRIEB / FAHRWERK
Die Vorteile eines Allradantriebs sind unbestritten. Durch die erhöhte Traktion ist es möglich, eine höhere Motorleistung auf die Straße zu bringen. Außerdem resultiert aus den vier angetriebenen Rädern eine deutlich bessere Fahrstabilität. Hinzu kommt, dass das Fahrzeug beim Überschreiten des Grenzbereiches leichter zu beherrschen ist, da es relativ narrensichere Fahreigenschaften besitzt. Die Nachteile des Systems begründen sich im höheren Gewicht, den gesteigerten Produktionskosten und dem etwas höheren Spritverbrauch.

Neutrales Fahrverhalten
So viel zur grauen Theorie, doch auch in der Praxis können alle drei Allradantriebe überzeugen. Jeder der Probanden verhielt sich, auch bei bewusst übertriebener Fahrweise, sehr neutral. Lediglich der BMW zeigte bei kurzen Gasstößen in engen Autobahnausfahrten den Willen, sein Heck leicht zur Kurvenaußenseite zu bewegen. Der Mercedes-Kombi reagierte auf diese Übung kaum, die Automatik setzte die Befehle des rechten Fußes schlichtweg zu verzögert um. Vor allem bei nasser beziehungsweise rutschiger Fahrbahn kommen die Unterschiede zu reinen Front- oder Hecktrieblern zum Vorschein. Hier machen sich der verbesserte Grip und die Spurtreue durch den Antrieb aller vier Räder am deutlichsten bemerkbar.

Mercedes: Langstrecken-Laster
Wie beim Motor zeigen sich die unterschiedlichen Konzepte der Hersteller auch beim Fahrwerk. Passend zum 3,5-Liter-Triebwerk des Schwaben ist die Federung des Mercedes E 350 eher auf Komfort und lange Autobahnfahrten ausgerichtet. Einer sportlichen Gangart auf kurviger Strecke kommt dem Fahrer nicht nur die träge Automatik, sondern auch das selbst in der Sport-Stellung noch recht weiche Fahrwerk in die Quere. Lange, wellige Kurven entlocken dem Wagen ein deutliches Schwanken und Schaukeln. Bei Autobahnfahrten kann der Mercedes mit seinem sanften Gemüt aber punkten. Hier fährt sich der Stuttgarter deutlich angenehmer als seine Konkurrenten aus München und Ingolstadt. Das serienmäßig bereits relativ straff abgestimmte Fahrwerk des 530xi lässt sich ohne Bedenken als sportlich bezeichnen. Für einen Kombi dieser Größe bewegt sich der BMW auch auf kurviger Fahrbahn ausgesprochen flott. Erst bei absichtlich herausforderndem Umgang mit dem Gaspedal kommt es zum oben bereits beschriebenen Übersteuern. Ein ähnliches Gemüt besitzt der A6 Avant. Allerdings kostet der sportliche Charakterzug beim Ingolstädter 1.950 Euro und hört auf den Namen ,adaptive air suspension". Die Kombination aus Luftfederung und stufenlosem Dämpfersystem verschafft dem Audi eine hohe Fahrdynamik. Der Fahrer hat mit den vier Modi Automatic, Comfort, Dynamic oder Lift die Möglichkeit, das Fahrwerk auf seine individuellen Bedürfnisse anzupassen, wobei auch in der vermeintlich weichsten Comfort-Stellung die Federung noch als straff bezeichnet werden kann.

KAROSSERIE / INNENRAUM
Größenmäßig liegen die drei Lastenesel in unserem Vergleichstest nahe beieinander. Der kürzeste Vertreter der Runde ist mit einer Länge von 4,84 Meter der BMW. Knapp gefolgt wird er vom 4,89 Meter langen Mercedes und dem Audi, der 4,93 Meter misst. Die sportlichste Optik bietet nach unserer Meinung der 5er BMW. Die seitlich nach oben gezogenen Scheinwerfer und die mit harten Kanten und Ecken versehene Karosserie geben dem Münchner etwas Unnahbares und fast schon Arrogantes. Ebenfalls schick, aber deutlich runder und fließender wurde der A6 Avant designt. Sein unverwechselbares Äußeres wird besonders vom üppigen Auftreten von Front- und Heckpartie geprägt. Etwas biederer kommt der E 350 daher. Seine Vier-Augen-Front ist nicht unbedingt aufregend und auch das klobige Heck will nicht so recht zum deutlich filigraneren Vorderteil des Fahrzeugs passen. Doch der voluminöse hintere Teil hat auch seine Vorteile. Mit 690 Liter Kofferraumvolumen belegt der Schwabe ganz klar das oberste Treppchen auf dem Lademeister-Podest. Auf Platz zwei landet der Audi mit einem Fassungsvermögen von 565 Liter, gefolgt vom BMW, dessen Gepäckabteil 500 Liter Platz bietet.

Luxuriöse Innenräume
Wie es sich für ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse gehört, können die Innenräume unserer drei Edel-Kombis allesamt getrost als luxuriös bezeichnet werden. Hier entscheidet letztendlich der persönliche Geschmack über Top oder Flop. Prinzipiell finden wir, dass die hellen Innenräume des Audi und des BMW freundlicher wirken als das Mercedes-Interieur aus dunklem Leder. Zudem wirft dieses Falten wie die vom Wetter gegerbte Haut eines alten Seemanns.

Gute Übersicht im BMW
Mittelkonsole und Armaturenbrett des BMW hinterlassen in unserem Test den aufgeräumtesten Eindruck. Grund dafür ist das oft gescholtene Multimedia-Bedienkonzept iDrive. Zwar ist die Bedienung via Controller-Knopf anfänglich etwas verwirrend. Doch nach einer kurzen Eingewöhnungsphase gelingt das Navigieren durch die Menüs blind und vor allem wird durch den einzelnen Drehknopf nicht der Wust an Knöpfen benötigt, wie ihn Mercedes im E 350 verbaut. Zudem verdeckt im Schwaben bei normaler Sitzeinstellung das Lenkrad einen Teil der Knöpfe. Audi löst die Bedienung des Multimediasystems ebenfalls mit einem Drehknopf, allerdings kommen hier noch einige weitere Schalter zur Kategorienvorwahl zum Einsatz.

AUSSTATTUNG / PREIS
Der günstigste Vertreter in unserem Vergleich ist der Audi. Den A6 Avant mit Dreiliter-Diesel bekommt man für 49.050 Euro. Knappe 4.000 Euro teurer, nämlich 52.760 Euro, ist der BMW 530xi. Am tiefsten in die Tasche greifen müssen die Käufer des Mercedes. Die Schwaben verlangen für den E 350 in der Grundversion satte 55.335 Euro.

Nebelscheinwerfer ohne Aufpreis
Im Grundpreis unseres A6 Avant sind beispielsweise 16-Zoll-Leichtmetallfelgen mit 225er-Pneus, ein Dynamikfahrwerk, sechs Airbags, Nebelscheinwerfer, ein Automatikgetriebe und eine Klimaautomatik inbegriffen. Der Gesamtpreis unseres Ingolstädter Testwagens summiert sich auf 68.640 Euro. Als Extras wurden von Audi unter anderem ein Navigationssystem, eine Rückfahrkamera, 17-Zoll-Leichtmetallräder mit 225er-Reifen, eine elektronische Einparkhilfe, Sportsitze und das Luftfahrwerk adaptive air suspension verbaut.

17-Zoll-Alus serienmäßig
Zur Grundausstattung des 530xi gehören zum Beispiel sechs Airbags, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen mit 225er-Reifen, eine Bergabfahrkontrolle, eine Hinterachsluftfederung mit Niveauregulierung, eine Klimaautomatik, ein Start-Stopp-Knopf, Nebelscheinwerfer und ein Aux-In-Anschluss. Inklusive aller Sonderausstattungsdetails schlägt unser Test-BMW mit 75.066 Euro zu Buche. Der Aufpreis von 22.306 Euro, dafür bekommt man immerhin einen serienmäßigen VW Golf 2.0 FSI mit 150 PS, kommt durch diverse Extras wie eine Sitzheizung auf allen Plätzen, eine Einparkhilfe für vorne und hinten, ein Sport-Lederlenkrad, Xenon-Licht mit adaptivem Kurvenlicht, Head-Up-Display, eine Bluetooth-Vorbereitung und eine USB-Audio-Schnittstelle zustande.

Umfangreiche Serienausstattung
Im Mercedes E 350 umfasst die Serienausstattung in der Avantgarde-Version unter anderem Details wie sechs Airbags, Nebelscheinwerfer, Bi-Xenon-Scheinwerfer, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen mit Reifen der Größe 245/45, eine Klimaautomatik, eine Sitzheizung für die Vordersitze, ein Fünfgang-Automatikgetriebe, ein Tempomat, ein sportlich abgestimmtes Fahrwerk und getönte Scheiben ab der B-Säule. Für die von uns getestete Version des E 350 verlangt Mercedes inklusive aller Extras wie etwa einem Schiebedach, einem digitalen TV-Tuner, einer Sitzklimatisierung, einer semiaktiven Luftfederung, einem schlüssellosen Zugangs- und Startsystem, einem Abstandregeltempomaten und der sich per Knopfdruck automatisch öffnenden und schließenden Heckklappe 78.540 Euro.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Wer gewinnt also unseren Vergleichstest der Allradkombis? Ein echter Überflieger hat sich nicht herauskristallisiert. Für jeden Geschmack und jeden Fahrertyp ist etwas dabei. Hier entscheiden persönliche Vorlieben. Trotz seiner geringeren Leistung und dem Diesel-Triebwerk braucht sich der Audi vor seinen Kollegen nicht zu verstecken. Im Gegenteil, sein hohes Drehmoment lässt beim Anfahren und bei Zwischensprints echte Fahrfreude aufkommen. Ähnlich sportlich abgestimmt ist auch das Luftfahrwerk des Ingolstädters. Für Komfortverwöhnte ist auf langen Strecken allerdings selbst die weichste Einstellung noch zu straff. Im Vergleich mit den anderen beiden Probanden nervt das laute Geräusch des Dieselmotors. Zum Mercedes gehen die Meinungen der Redaktion sehr weit auseinander. Für die einen ist es ein schickes Autobahnfahrzeug mit angenehm komfortablem Fahrwerk und einer unauffällig arbeitenden Automatikschaltung. Der andere Teil der Redaktion bezeichnet den Benz als biedere und träge Komfortschaukel, die vor allem mit dem wenig sportlich agierenden Automaten und dem zu weich abgestimmten Fahrwerk zu kämpfen hat. Der BMW überzeugt uns durch den spritzigsten Motor, auch im mittleren bis oberen Geschwindigkeitsbereich. Ähnlich wie beim Audi ist auch beim Münchner das Fahrwerk eher von der sportlicheren Sorte. Ankreiden müssen wir dem Bayern allerdings seinen hohen Verbrauch und die Aufpreispolitik. Sieht man von diesen beiden Punkten ab, sichert sich der BMW 530xi knapp vor dem Audi und mit etwas größerem Abstand vor dem Mercedes den Testsieg.

  • Audi A6 Avant
    90%
    kraftvolles Triebwerk
    lauter Motor, wenig Durchzug bei hohem Tempo
  • BMW 530xi
    90%
    spritzigster Motor im Vergleich, straffes Fahrwerk
    hoher Preis, teure Extras, hoher Verbrauch
  • Mercedes E 350
    80%
    beste Langstreckentauglichkeit
    langsame Automatik, für sportliche Fahrer zu weich

Allrad-Kombis im Test