Stufenhecklimousine mit 140 PS starkem VW-Diesel im Test

Mit Autos wie dem 300C oder dem Crossfire hat Chrysler gezeigt, dass die Marke durchaus sehr schöne Autos auf den Markt bringen kann. Nicht ganz so gelungen ist der Chrysler Sebring. Doch vielleicht bietet die etwas bieder wirkende Stufenhecklimousine verborgene Werte? Wir haben das Auto mit dem Zweiliterdiesel getestet, um das herauszufinden.

Konkurrent des VW Passat
Der Sebring ist 4,85 Meter lang und tritt in der Mittelklasse an, konkurriert also etwa mit dem VW Passat. Die Chrysler-Limousine basiert auf der gleichen Plattform wie auch der Avenger vom Konzernpartner Dodge. Wie bei diesem übernimmt den Antrieb entweder ein Zweiliterbenziner mit 156 PS oder ein ebenso großer Diesel mit 140 PS. Letzterer stammt von Volkswagen und liefert ein üppiges Drehmoment von 310 Newtonmeter. So beschleunigt der Amerikaner kraftvoll. Doch stört bei der getesteten Schaltversion eine deutliche Anfahrschwäche. Erst mit einiger Übung gibt man beim Losfahren genügend Gas. Die VW-Maschine ist im Sebring außerdem etwas laut und rau, vor allem unter Last. Dies könnte auch daher kommen, dass es sich noch um die bauartbedingt etwas lautere Variante mit Pumpe-Düse-Einspritzung handelt; VW selbst schwenkt ja inzwischen auf Common Rail um.

Nur offener Filter
Den Selbstzünder kombiniert Chrysler mit einer Sechsgang-Handschaltung, mit der sich der Fahrer schnell anfreundet. Den Spritverbrauch für die Kombination gibt der Hersteller mit 6,2 Liter an. Bei unseren Testfahrten brauchten wir 7,6 Liter – wie üblich also etwas mehr. Einen Partikelfilter für den Diesel gibt es als Nachrüstlösung beim Händler. Er kostet etwa 850 Euro und es handelt sich um die weniger wirksame, offene Variante.

Komfortable Abstimmung
Das Fahrwerk des Sebring ist mit einer Multilink-Hinterachse durchaus auf Mittelklasseniveau. Die Abstimmung ist komfortabler als etwa beim Passat, aber nicht allzu weich. Sehr gut eignet sich das Fahrwerk für die Autobahn, wo Unebenheiten kaum zu spüren sind. Sportliche Fahrer werden die Limousine weniger schätzen, weil sich die mit 1,50 Meter recht hohe Limousine in der Kurve deutlich nach außen neigt.

Schöner Innenraum
Im Inneren erinnert so manches an den 300C. So besitzt die gehobene Ausstattung Limited ein Lenkrad mit Details in schöner Schildpatt-Optik und auch die Leisten in den Tür-Innenverkleidungen bestehen aus diesem Material. Die Instrumente befinden sich beim Sebring allerdings anders als beim 300C in tiefen Röhren. Das würde nicht stören, wenn die Abdeckungen nicht so spiegeln würden. Ansonsten gefällt das Interieur. Auch die Sitze bieten erstaunlich guten Seitenhalt. Im Fond ist genug Platz für Erwachsene. Wer keine Passagiere zu befördern hat, kann die Rücksitzlehnen asymmetrisch geteilt umklappen. Dann hat auch die auf eine große Sperrholzplatte geleimte Modelleisenbahn von Papa Platz im Sebring. Im Normalzustand fasst der Kofferraum 441 Liter – kein guter Wert, bietet doch schon der eine Nummer kleinere VW Jetta über 500 Liter, der Passat sogar 565 Liter.

Ab knapp 27.000 Euro
Den Sebring 2.0 CRD gibt es als Touring und als Limited. Beim Touring handelt es sich nicht etwa um den Kombi, sondern um die Basisausstattung. Für sie zahlt man 26.990 Euro. Damit ist das Auto nominell kaum günstiger als der gleich motorisierte Passat für 27.200 Euro. Allerdings ist die Ausstattung wesentlich reichhaltiger. So sind Klimaautomatik, CD-Radio, ein elektrisch einstellbarer Fahrersitz und ein Tempomat Serie. Auch Nebelscheinwerfer und 17-Zoll-Aluräder sind Standard, genauso wie ein ordentliches Sicherheitspaket: Sechs Airbags und ESP werden mitgeliefert.

Limited gegen 3.500 Euro Aufpreis
Die Ausstattung Limited kostet 30.490 Euro. Für den Mehrpreis bekommt man ein hochwertigeres Lautsprechersystem, einen beheiz- und kühlbaren Getränkehalter, die Schildpatt-Optikdetails innen, eine Teillederausstattung inklusive Sitzheizung vorne und größere Aluräder. Lauter Elemente, die wirklich nicht unbedingt nötig sind. Wir würden uns die 3.500 Euro Aufpreis deshalb lieber sparen und empfehlen eher die Basisversion. Der gleich motorisierte Dodge Avenger ist allerdings fast ebenso gut ausgestattet wie diese und kostet nur 24.290 Euro.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Der Sebring mit dem VW-Diesel fordert geradezu heraus zum Vergleich mit dem entsprechenden Passat. Der Motor ist gut, keine Frage, auch wenn im Sebring eine deutliche Anfahrschwäche auffällt. Außerdem gibt es für den Sebring keinen geschlossenen Partikelfilter. Billiger ist das amerikanische Auto nicht, auch nicht unbedingt schöner oder praktischer. Zum Beispiel ist der Kofferraum deutlich kleiner als beim VW. Die Optik ist zumindest für unseren Geschmack etwas zu konservativ. Doch unter der Blechkhülle verbergen sich zwei Goodies: Das Fahrwerk ist komfortabler ausgelegt als beim straffen Passat und hilft erschütterungsempfindlichen Fahrern sanft über Unebenheiten hinweg. Ein zweites Plus ist schon bei der Basisversion die reichhaltige Ausstattung. Ähnlich gut ist sie allerdings beim Dodge Avenger, bei dem man über 2.500 Euro günstiger wegkommt.

  • Antrieb
    80%
    guter Durchzug
    Anfahrschwäche, kein geschlossener Partikelfilter
  • Fahrwerk
    90%
    komfortabel, gut für lange Strecken
    wegen Seitenneigung wenig sportlich
  • Karosserie
    80%
    genug Platz im Fond
    kleiner Kofferraum
  • Kosten
    70%
    sehr gut ausgestattet
    genauso teuer wie entsprechender VW Passat

Preisliste


Chrysler Sebring 2.0 CRD

Grundpreis: 26.990 Euro
Modell Preis in Euro
Touring 26.990
Limited 30.490
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie (durchgehend für vorn und hinten)
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe -
Bildschirmnavigation 1.670 (Festplatten-Navi, nur für Limited)
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 915
Metalliclackierung 580
Leichtmetallfelgen Serie (17 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrersitz elektrisch einstellbar)
Tempomat Serie
Lederausstattung -
Xenonlicht -
Kurvenlicht -
Nebelscheinwerfer Serie
Partikelfilter (offen, als Nachrüstlösung beim Händler) ca. 850

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Turbodiesel, Pumpe-Düse-Direkteinspritzung, DOHC 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.968 
Leistung in PS 140 
Leistung in kW 103 
bei U/min 1.750 
Drehmoment in Nm 310 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltung 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.570 
Spurweite hinten in mm 1.570 
Radaufhängung vorn McPherson-Federbeine, Schraubenfedern, Gasdruckstoßdämpder, Stabilisator 
Radaufhängung hinten Multilink-Hinterachse, Schraubenfedern, Gasdruckstoßdämpfer, Stabilisator 
Bremsen vorn Scheiben, 294 x 26 mm 
Bremsen hinten Scheiben, 262 x 10 mm 
Wendekreis in m 11,1 
Räder, Reifen vorn 18 x 7, 215/55R18 (Limited) 
Räder, Reifen hinten 18 x 7, 215/55R18 (Limited) 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit geschwindigkeitsabhängiger Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.850 
Breite in mm 1.843 
Höhe in mm 1.497 
Radstand in mm 2.765 
Leergewicht in kg 1.635 
Zuladung in kg 405 
Kofferraumvolumen in Liter 441 
Tankinhalt in Liter 63 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 203 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 11,8 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,2 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 8,2 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,1 
CO2-Emission in g/km 170 
Schadstoffklasse Euro 4 

Sanft konservativ