1.9-TDI-Version mit 105 PS und verlängerten Getriebeübersetzungen im Test

VW Golf BlueMotion, Audi A3 1.9 TDI e, Ford Focus econetic: Umweltdiesel sind stark in Mode. Das Rezept klingt ja auch erstmal nicht schlecht. Diesel sind sowieso sparsamer als Benziner, und wenn man mit ein paar kostengünstigen Modifikationen den Verbrauch noch weiter senken kann – warum nicht? Wir haben den Seat Leon Ecomotive für Sie getestet, um herauszufinden, was so ein Auto taugt.

Ein guter Bekannter unter der Haube
Den Leon gibt es mit zwei verschiedenen Dieseln, die beide seit langem aus diversen Modellen des VW-Konzerns bekannt sind. Es sind ein 1,9-Liter mit 105 PS und ein 2,0-Liter mit 140 PS. Beides sind Pumpe-Düse-Aggregate, sie arbeiten also nach dem Prinzip, das inzwischen von VW zugunsten der Common-Rail-Einspritzung aufgegeben wurde. Der Ecomotive leitet sich von dem 1.9 TDI ab und hat die gleiche Leistung wie der normale Diesel. Verändert wurde jedoch die elektronische Motorsteuerung.

Keine Aerodynamikmaßnahmen
Außerdem besitzt der Öko-Leon eine Fünfgang-Schaltung mit verlängerten Getriebeübersetzungen: Der dritte, vierte und fünfte Gang sind länger ausgelegt. Schließlich ist der Ecomotive auch noch 40 Kilo leichter als das Standardmodell. Auf weitergehende Spritsparmaßnahmen wie sie beispielsweise Audi für den A3 1.9 TDI e einsetzt – rollwiderstandsoptimierte Reifen und Aerodynamik-Feinschliff – verzichtet Seat. Auch eine Schaltpunktanzeige oder gar eine Start-Stopp-Automatik wie etwa im BMW 1er gibt es hier nicht.

15 Prozent sparsamer – laut Seat
Mit den erwähnten, bescheidenen Modifikationen soll das Auto rund 15 Prozent weniger verbrauchen. Während der normale 1.9 TDI im Leon laut Hersteller 5,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer schluckt, sollen es beim Ecomotive 4,5 Liter sein. Auf unserer Verbrauchsrunde (22 Prozent Stadt, 45 Prozent Landstraße, 33 Prozent Autobahn) benötigten wir 5,9 Liter je 100 Kilometer. Das ist nicht sehr viel mehr als die Herstellerangabe. Sparsam ist der Ecomotive also. Ob das Auto wirklich 15 Prozent unter dem normalen Modell liegt, müsste ein Vergleichstest zeigen. Ein Sparwunder ist der Ecomotive allerdings so oder so nicht. Autos wie der Citroën C4 HDi 110 oder der Ford Focus 1.6 TDCi sind mit einem Herstellerverbrauch von 4,5 Liter ebenso sparsam. Auch der neue Golf VI 2.0 TDI mit seinen 110 PS verbraucht nur 4,5 Liter auf 100 Kilometer, und zwar ohne lange Gänge. Und der unlängst vorgestellte VW Golf BlueMotion mit seinem ebenfalls 105 PS starken 1.6 TDI soll sogar mit 3,8 Liter auskommen. Spätestens, wenn dieses Modell auf den Markt kommt, gehört der Ecomotive mit 4,5 Liter Verbrauch zum alten Eisen.

Kein Langweiler-Diesel
Der Ecomotive-Diesel ist trotz seiner Sparqualitäten kein lahmer Motor. Er bringt viel Schub, der sich jedoch nicht allmählich mit steigender Drehzahl entwickelt, sondern recht plötzlich ab etwa 1.800 Touren auftritt. Man könnte also von unharmonischer Kraftentfaltung reden, doch uns gefällt gerade der plötzliche Schwung, der für etwas Fahrspaß sorgt. Das maximale Drehmoment liegt dementsprechend hoch, es beträgt 250 Newtonmeter. Ansonsten ist der Motor – vor allem im kalten Zustand, aber auch warm – etwas raubeinig und laut. Das liegt am geräuschvollen Pumpe-Düse-Prinzip. Wirklich störend ist das Geräusch für uns aber nicht.

Ungewohnt lahme Gänge
Die veränderte Getriebeauslegung ist deutlich spürbar. Wenn man nach Bauchgefühl fährt, bewegt man sich meist eine Gangstufe niedriger als mit einem normalen Diesel, das heißt, man schaltet instinktiv einen Gang zurück. So kann man etwa bei einem Stadttempo von 55 Tacho-km/h kaum im fünften Gang fahren. Zwar stirbt der Motor dabei nicht ab, aber der Drehzahlmesser steht dann bei rund 1.000 U/min, was selbst für den besten Diesel zu wenig zum Beschleunigen ist. Selbst im Vierten dreht der Motor nur mit 1.300 Touren, und wer beschleunigen will, muss zurückschalten. Bei den niedrigen Drehzahlen, die einem der Ecomotive nahe legt, ist der Motorsound ein dunkles Brummen, und das ist nicht gerade leise. All das dürfte dazu führen, dass man mit dem Ecomotive bei gleichem Tempo einen Gang niedriger fährt als normalerweise. Aber wozu längere Gänge, wenn man statt im fünften im vierten, statt im vierten im dritten Gang fährt? Der Spritspareffekt dürfte dadurch flöten gehen.

Gutes Fahrwerk
Das Fahrwerk des Leon überzeugt. Es ist straff in den Kurven, ohne bei Unebenheiten allzu unkomfortabel zu wirken. Hier merkt man, dass der Seat-Kompaktwagen auf der gleichen Plattform wie der VW Golf aufsetzt, der für sein ordentliches Fahrverhalten bekannt ist. Die für die Kompaktklasse noch nicht selbstverständliche Mehrlenker-Hinterachse trägt dazu bei. Die elektromechanische Servolenkung gibt ebenso wenig Anlass zu Beschwerden wie die Schaltung.

Tristes Grau-in-Grau-Cockpit
Im Innenraum enttäuscht der Ecomotive auf den ersten Blick. Hier empfängt einen in der gefahrenen, höherwertigen Ausstattung Stylance ein recht triste Mischung aus Grau und Schwarz. Die bläulich schimmernde Verkleidung am Mittelteil des Armaturenbretts trägt nicht dazu bei, dieses Ambiente aufzulockern. Auch das hier installierte CD-Radio mit seinem altmodischen grünen Monochrom-Display ist kein Schmuckstück. An den Türen und an der Mittelkonsole vor dem Schalthebel findet sich unschönes Hartplastik.

Viel Platz im Fond
An der Funktionalität kann man weniger aussetzen. Die Sitze liefern am Rücken guten Seitenhalt, wenn auch wenig an den Oberschenkeln – zu wenig für dieses Fahrwerk, das hohe Kurvengeschwindigkeiten erlaubt. Im Fond ist viel Platz für die Knie von Erwachsenen und auch die Kopffreiheit ist lobenswert. Der Kofferraum bietet etwas weniger Volumen als beim VW Golf: Hier passen 341 bis 1.166 hinein statt 350 bis 1.305 Liter. Vor allem aber leidet die Nutzbarkeit darunter, dass sich wie beim Wolfsburger Vorbild nur die Rücksitzlehnen, nicht aber die Polster der Fondbank umlegen lassen. So bleiben die Sitze auch nach dem Umbau störend.

Ab knapp 20.000 Euro
Den Ecomotive gibt es wie alle Leon-Modelle ausschließlich als Fünftürer. Wählen kann man zwischen den Ausstattungen Reference und Stylance. Als Reference kostet der Leon Ecomotive 19.990 Euro, als Stylance 21.990 Euro. Zur Ausstattung Reference gehören elektrisch einstellbare Außenspiegel, ein CD-Radio, elektrische Fensterheber vorne, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Zur Sicherheit hat der Reference sechs Airbags und ein ESP an Bord. So besitzt bereits die Grundausstattung die wichtigsten Elemente – nur die Klimaanlage für 1.160 Euro und eine Metalliclackierung für 450 Euro fehlen noch. Wer den Stylance wählt, erhält 16-Zoll-Aluräder, Nebelscheinwerfer, eine Klimaautomatik, elektrische Fensterheber hinten und einen Tempomat. Die normale 1,9-Liter-Dieselversion des Leon bekommt man ab 20.890 Euro, bezahlt also 900 Euro mehr. Dafür bekommt man aber auch die reichhaltigere Ausstattung Sport Limited. Sie unterscheidet sich von der Reference-Variante durch 17-Zoll-Aluräder, Nebelscheinwerfer, ein Lederlenkrad, Sportsitze vorne und eine Klimaanlage.

Alternative Golf
Als Alternative zum Leon Ecomotive Reference käme der neue VW Golf 2.0 TDI mit 110 PS in Frage. Ihn gibt es ab 20.625 Euro. Dafür bekommt man den Dreitürer in der Ausstattung Trendline. Die Ausstattung ist ähnlich, nur dass hier das CD-Radio aufpreispflichtig, dafür aber die Klimaanlage Serie ist. Mit CD-Radio und Fondtüren kommt man auf 21.840 Euro. Ein Leon Ecomotive Reference mit Klimaanlage kostet 21.150 Euro. Man sieht: Die beiden Autos sind ausstattungsbereinigt etwa auf gleicher Höhe. In Anbetracht des wahrscheinlich höheren Wiederverkaufswerts ist der Golf sicher mehr als nur einen Seitenblick wert – schließlich bekommt man hier die neue Fahrzeuggeneration mit neuerer Dieseltechnik, die schon Euro 5 erfüllt. Eine günstigere Alternative ist der Hyundai i30 1.6 CRDi, der ebenfalls 4,5 Liter verbraucht. Er hat zwar nur 90 PS, ist aber schon für unter 16.000 Euro zu haben.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Insgesamt hat uns die Spritspar-Version des Seat Leon weniger überzeugt. Das liegt schon am Grundkonzept: Die spürbar längere Übersetzung der Gänge hilft ja nicht viel, wenn das Auto bei den dann auftretenden niedrigen Drehzahlen extrem brummig ist und kaum beschleunigt. Wenn man instinktiv zurückschaltet, ist der Spareffekt beim Teufel.

    Ansonsten ist der Leon nach wie vor ein gutes Auto mit einem lobenswerten Fahrwerk und annehmbarem Nutzwert. Das Cockpit dürfte allerdings etwas freundlicher gestaltet sein. Der Preis liegt auf der gleichen Höhe wie beim ebenso sparsamen neuen Golf 2.0 TDI mit 110 PS. Da dürfte die Wahl wohl auf das völlig neue, deutsche Modell mit moderner Motortechnik fallen.

  • Antrieb
    80%
    viel Schub ab 1.800 U/min
    lange Übersetzungen führen zum Zurückschalten
  • Fahrwerk
    90%
    sportlich und straff in der Kurve
    dennoch nicht unkomfortabel
  • Karosserie
    80%
    viel Platz im Fond
    tristes Cockpit, schlecht nutzbarer Kofferraum
  • Kosten
    70%
    nicht sparsamer als neuer VW Golf 2.0 TDI mit 110 PS
    kaum günstiger als der Wolfsburger Konkurrent

Preisliste


Seat Leon 1.9 TDI PD Ecomotive Reference

Grundpreis: 19.990 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie (inkl. elektronische Bremskraftverteilung)
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie (deaktivierbar)
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie (durchgehend für vorn und hinten)
Seitenairbags hinten 260 (nur für Stylance)
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie bei Stylance
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (beheizbar)
Klimaanlage 1.120
Klimaautomatik 1.530
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe -
Bildschirmnavigation 1.830 (nur für Stylance)
CD-Radio Serie (incl. MP3-Funktion)
elektr. Schiebedach 830
Metalliclackierung 450
Leichtmetallfelgen 510 (16 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer)
Tempomat Serie bei Stylance
Lederausstattung 1.550 (nur für Stylance)
Xenonlicht 1.040 (nur für Stylance)
Kurvenlicht -
Nebelscheinwerfer 170
Scheibenwischerautomatik 270 (nur für Stylance)
elektronische Einparkhilfe hinten 340
Sportfahrwerk 145

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Diesel-Reihenmotor mit Pumpe-Düse-Direkteinspritzung, Ladeluftkühler, VTG-Turbolader 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.896 
Leistung in PS 105 
Leistung in kW 77 
bei U/min 1.900 
Drehmoment in Nm 250 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltung 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.533 
Spurweite hinten in mm 1.517 
Radaufhängung vorn McPherson-Einzelradaufhängung mit unteren Dreiecksquerlenkern und Stabilisator 
Radaufhängung hinten Mehrlenkerachse 
Bremsen vorn innenbelüftete Scheiben 
Bremsen hinten Scheiben 
Wendekreis in m 10,7 
Räder, Reifen vorn 6 J x 15 (Reference), 205/55 R 16 
Räder, Reifen hinten wie vorne 
Lenkung elektromechanische Servolenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.323 
Breite in mm 1.768 
Höhe in mm 1.458 
Radstand in mm 2.578 
Leergewicht in kg 1.250 
Zuladung in kg 570 
Kofferraumvolumen in Liter 341 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.166 
Anhängelast, gebremst in kg 1.400 
Dachlast in kg 75 
Tankinhalt in Liter 55 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 186 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 10,9 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 4,5 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 6,0 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 3,7 
CO2-Emission in g/km 119 
Schadstoffklasse Euro 4 
Fixkosten
Haftpflicht-Klasse 18 
Teilkasko-Klasse 24 
Vollkasko-Klasse 19 

Spritspar-Seat