Die dritte Generation des japanischen Allradlers im Test

Der jüngste Sprössling aus dem Geschlecht derer von Subaru tritt ein schweres Erbe an. Die Tradition, welche die dritte Generation des Forester fortführen soll, ist groß: Seit der Einführung der Modellreihe im Jahr 1997 wurden in Deutschland mehr als 40.000 Einheiten verkauft, im Jahr 2007 erzielte der Forester einen Anteil von rund 40 Prozent an den Gesamtverkäufen der Marke Subaru. Kann der Neue an den Erfolg anknüpfen?

Modernes, aber nicht übertriebenes Styling
Die Subaru-Verantwortlichen betonen, dass es sich bei der dritten Auflage des Forester um ein ganz neues Fahrzeug handelt. Beim ersten Blick auf das Design wird aber deutlich, dass die bisher recht eckige und nüchterne Form geschickt weiterentwickelt worden ist. Insgesamt ist das Erscheinungsbild jetzt runder. Ausgeprägte Radhäuser lassen den Forester kräftiger und dynamischer wirken. Speziell die neue Frontpartie mit dem großen Chrom-Grill verleiht dem SUV eine moderne Note. In der Länge hat der Subaru um 7,5 Zentimeter auf jetzt 4,56 Meter zugelegt, womit er zwischen seinen Konkurrenten VW Tiguan und Mitsubishi Outlander liegt. Die Höhe ist um elf Zentimeter auf 1,70 Meter gewachsen, woran die auf 21 Zentimeter gestiegene Bodenfreiheit ihren Anteil hat. Durch den Verzicht auf unnötige Design-Spielereien gibt sich der neue Forester unauffällig, was ihm aber nicht zum Nachteil gereichen muss.

Großzügig gestalteter Innenraum
Wie sind die inneren Werte des Japaners? Durch eine sehr weit öffnende Tür nehmen wir auf dem Fahrersitz Platz. Die Türen besitzen, anders als sonst bei Subaru üblich, einen Scheibenrahmen. Allerdings fühlen sich die Einstiegsportale etwas leicht an. Beim Blick auf das Leergewicht wird aber der positive Effekt deutlich: Mit 1.475 Kilogramm ist der Forester gute 150 Kilogramm leichter als seine Kollegen VW Tiguan und Mitsubishi Outlander. Man nimmt auf gut konturierten Sitzen mit angemessener Beinauflage Platz, ohne das Gefühl zu haben, ,auf dem Bock" zu sitzen. Auch die Passagiere auf der Rückbank können sich selbst bei weit zurückgeschobenen Vordersitzen über ausreichenden Fußraum freuen. Ein nettes Detail sind die nach Knopfdruck manuell in der Neigung verstellbaren Rücksitzlehnen. Dank schmaler Dachsäulen ist die Rundumsicht hervorragend, in Verbindung mit dem ab der Ausstattungslinie ,Comfort" serienmäßigen Panorama-Glasschiebedach ergibt sich ein helles und luftiges Ambiente. Für die Sicherheit der Passagiere sorgen serienmäßige Fahrer-, Beifahrer-, Seiten- und Vorhangairbags.

Aufgeräumtes Cockpit
Lassen wir den Blick über das Armaturenbrett schweifen. Es macht mit Aluminium-Zierleisten in ,Schwingen-Optik" einen hochwertigen Eindruck. Ins Auge fallen die blau hinterlegten Instrumente. Durch die permanente Beleuchtung sollen diese besser ablesbar sein, insgesamt bleibt die Farbgebung Geschmackssache. Die Regler der Klimaautomatik sind griffgünstig positioniert und einfach zu bedienen. Ein neues DVD-Navigationssystem mit Sieben-Zoll-Monitor und Touchscreen-Bedienung ist leider nur für die Topausstattung ,Exclusive" erhältlich. Gut durchdacht sind andere Details, zu denen die längs verstellbare Lenksäule und die in die Rücksitzbank integrierten hinteren Cupholder gehören. Eine Subaru-Besonderheit sind die beheizbaren Auflageflächen der Scheibenwischer.

Gut zu beladender Kofferraum
Praktisch präsentiert sich der Forester-Kofferraum. Er ist im Normalzustand 450 Liter groß, das sind 63 Liter mehr als beim Vorgänger. Die Ladekante ist angenehm niedrig, an der Heckklappe können sich aber Menschen über 1,80 Meter Körpergröße stoßen. Durch einfach umzuklappende Rücksitzlehnen lässt sich der Kofferraum auf bis zu 1.660 Liter erweitern. Ist der Beifahrersitz in Liegeposition, können auch längere Gegenstände eingeladen werden. Dank einer Anhängelast von 2.000 Kilogramm bei der Variante mit Handschaltung empfiehlt sich der Forester als Zugfahrzeug, zumal dieser serienmäßig ein Untersetzungsgetriebe namens ,Dual-Range" und eine Niveauregulierung besitzt.

Durchzugsschwacher Boxermotor
Doch wie durchsetzungsstark ist der Thronfolger? Unter der Haube arbeitet ein Subaru-typischer Boxermotor, der aus zwei Liter Hubraum eine Leistung von 150 PS bereitstellt. Von diesem Wert ausgehend und mit dem bereits erwähnten Leergewicht im Hinterkopf könnte man den Benziner, der zunächst als einzige Motorisierung im Forester erhältlich ist, für ausreichend halten. Doch leider entpuppt sich das Aggregat als Achillesferse des SUV: Zwar läuft es angenehm leise und vibrationsarm, aber speziell im Drehzahlbereich zwischen 2.000 und 2.500 Umdrehungen mangelt es deutlich an Elastizität. So ist man gezwungen, bei 80 km/h in den vierten Gang zurückzuschalten, da sich ansonsten die Beschleunigung nur sehr langsam vollzieht. Speziell bei der Fahrt über hügelige Landstraßen wird diese Eigenart schnell nervig. Der Blick in die Unterlagen klärt auf, woher die motorische Schwäche rührt. Neben der Tatsache, dass das Vorgänger-Aggregat acht PS mehr aufwies, liegt das maximale Drehmoment von 196 Newtonmeter erst bei 3.200 Umdrehungen pro Minute an.

Warten auf den Boxer-Diesel
So verwundert es auch nicht, dass die optionale Viergang-Automatik vor jedem Gangwechsel sehr hoch dreht. Den Verbrauch für das Otto-Aggregat gibt Subaru mit durchschnittlich 8,4 Liter an, allerdings dürfte sich dieser Wert in der Praxis durch das häufige Zurückschalten eher erhöhen. Immerhin bietet Subaru auch für den neuen Forester eine Umrüstung auf Flüssiggas-Betrieb an. Da der bullige Turbo-Benziner mit einer Leistung von 230 PS wegen seiner CO2-Werte aus dem Programm genommen wurde, lohnt es sich deshalb, bis zum September 2008 zu warten. Dann hält der hervorragende Boxer-Diesel Einzug in den Forester.

Fahrwerk mit Sicherheitsreserven
Gut gefallen hat uns das Fahrwerk, bei dem hinten eine neu entwickelte Mehrlenkerachse zum Einsatz kommt. Es beherrscht den Spagat zwischen straff und komfortabel: Zwar werden die Insassen über den Straßenzustand nicht im unklaren gelassen, aber es ist stets genügend Komfort vorhanden. Serienmäßig an Bord ist der für Subaru typische Allradantrieb mit Zentraldifferenzial und Visco-Kupplung. Durch die flache Einbaulage des Boxermotors ergibt sich ein niedriger Schwerpunkt, der sich positiv auf die Straßenlage auswirkt. Wankbewegungen werden reduziert und auch bei widrigen Wetterverhältnissen bleibt der Forester sicher zu beherrschen. Um die Risiken weiter zu minimieren, ist neben einem Bremsassistenten auch ein VDC genanntes ESP immer an Bord. Ebenfalls serienmäßig ist die praktische Anfahrhilfe namens ,Hill Start Assist", die ein Zurückrollen beim Anfahren am Berg verhindert.

Günstiger Einstiegspreis
Wie volksnah ist Forester der Dritte? Ein Blick auf die Preisliste lässt zunächst das Herz des preisbewussten Kunden höher springen. Für 23.900 Euro steht dort die ,Trend"-Ausstattung. Schon sie ist ordentlich ausgerüstet, etwa mit vier elektrischen Fensterhebern und einem CD-Radio mit AUX-Anschluss. Allerdings müssen für eine manuelle Klimaanlage 1.475 Euro zusätzlich investiert werden. Damit lohnt sich ein Blick auf die nächsthöhere Ausstattungsvariante ,Active" für 26.900 Euro. Neben einer Klimaautomatik bietet sie eine Sitzheizung für die Vordersitze sowie die Scheibenwischer-Enteiser und stellt den besten Preis-Leistungs-Kompromiss dar. Xenon-Scheinwerfer, das Panorama-Glasschiebedach und einen Tempomat gibt es in der ,Comfort"-Version für 29.100 Euro. Mit einem DVD-Navi und einer Lederausstattung glänzt die Topversion ,Exclusive" für 32.400 Euro. Die Automatik-Versionen beginnen bei der ,Active"-Ausstattung, der Aufpreis beträgt 1.400 Euro.

Harte SUV-Konkurrenz
Wo steht der neue Forester im Vergleich zu anderen Modellen seiner Klasse? Für den Mitsubishi Outlander mit 2,4-Liter-Benziner und 170 PS werden mindestens 26.990 Euro fällig, jedoch ist bei ihm immer eine Klimaautomatik an Bord. Unbestrittener SUV-Kaiser ist momentan der VW Tiguan, der im März 2008 auf über 2.000 Neuzulassungen kam. Als 150 PS starker 1.4 TSI in der ,Trend & Fun"-Ausstattung mit serienmäßiger Klimaanlage steht er für 26.700 Euro in der Preisliste.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Forester der Dritte enttäuscht seine treue Gefolgschaft nicht, allerdings reichen seine Anlagen noch nicht aus, um die Massen hinter sich zu scharen. Zwar gefällt die Karosserie mit ihrem guten Platzangebot und den praktischen Details. Auch der Preis sowie die sicheren Fahreigenschaften überzeugen. In dieser Hinsicht ist der neue Forester eine interessante Alternative für alle, die einen SUV fahren möchten, aber dennoch die Kombioptik zu schätzen wissen. Doch der unelastische und kraftlose Benziner stellt zum jetzigen Zeitpunkt die Achillesferse dar. Somit lohnt sich das Warten auf den September 2008, wenn der neue Boxer-Diesel im Forester zum Einsatz kommt. Dann dürfte ein stimmiges Gesamtpaket entstehen, das durchaus Potenzial für eine Palastrevolution hat.

  • Antrieb
    80%
    leiser und vibrationsarmer Motor
    Durchzugsschwäche bei niedrigen Drehzahlen
  • Fahrwerk
    90%
    komfortable Federung
    hervorragende Traktion
  • Karosserie
    90%
    sehr gute Übersichtlichkeit
    angenehme Sitzposition
  • Kosten
    85%
    gute Serienausstattung
    manche Extras nur in höheren Ausstattungen erhältlich

Preisliste


Subaru Forester 2.0X

Grundpreis:  Euro
Modell Preis in Euro
Active 26.900
Comfort 29.100
Exclusive 32.400
Trend 23.900
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (inklusive Heizung)
Klimaanlage 1.475 (bei Trend)
Klimaautomatik Serie (ab Active)
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe 1.400 (Viergang, ab Active)
Bildschirmnavigation Serie (bei Exclusive)
CD-Radio Serie
elektr. Schiebedach Serie (Panorama-Glasschiebedach, ab Comfort)
Metalliclackierung 490
Leichtmetallfelgen Serie (ab Comfort)
Sitzhöheneinstellung Serie (ab Exclusive elektrisch)
Tempomat Serie (ab Comfort)
Lederausstattung 2.120 (Serie bei Exclusive)
Xenonlicht Serie (ab Comfort)
Nebelscheinwerfer Serie (ab Comfort)
Anhängevorrichtung ab 250 (im Zubehör)
Scheibenwischer-Enteiser Serie (ab Active)
Multifunktionslenkrad Serie (ab Comfort)

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Ottomotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.994 
Leistung in PS 150 
Leistung in kW 110 
bei U/min 3.200 
Drehmoment in Nm 196 
Antrieb Allradantrieb permanent 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.530 
Spurweite hinten in mm 1.530 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung 
Radaufhängung hinten Mehrlenker-Hinterachse 
Bremsen vorn Scheibenbremsen innenbelüftet 
Bremsen hinten Scheibenbremsen 
Wendekreis in m 11,4 
Räder, Reifen vorn 215/65 R16 
Räder, Reifen hinten 215/65 R16 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung 
Geländekompetenz
Böschungswinkel vorn in Grad 25 
Böschungswinkel hinten in Grad 27 
Rampenwinkel in Grad 23 
Bodenfreiheit in mm 215 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.560 
Breite in mm 1.780 
Höhe in mm 1.700 
Radstand in mm 2.615 
Leergewicht in kg 1.465 
Zuladung in kg 550 
Kofferraumvolumen in Liter 450 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.660 
Anhängelast, gebremst in kg 2.000 
Dachlast in kg 80 
Tankinhalt in Liter 60 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 184 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 11 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 8,4 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 10,9 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 7,0 
CO2-Emission in g/km 198 
Schadstoffklasse Euro 4 
Fixkosten
Haftpflicht-Klasse 19 
Teilkasko-Klasse 23 
Vollkasko-Klasse 21 
Service-Intervalle 30.000 km oder 2 Jahre 
Garantie 3 Jahre oder 100.000 Kilometer 

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