Der neue Infiniti FX30d im Test

Seit gut einem Jahr buhlt Nissans Nobelableger Infiniti auch in Deutschland um Marktanteile. Allerdings wurde die Offensive bislang mit eher stumpfen Waffen geführt, denn unter der Haube befanden sich großvolumige V6- oder V8-Benziner. Jetzt kommt eine scharfe Pfeilspitze in Form des neuen Dieselmotors. Wir konnten den Selbstzünder bereits im Topmodell FX fahren.

Auffallend anders
Der 4,86 Meter lange FX30d tritt mit selbstbewusstem Design gegen die deutsche Konkurrenz vom Schlage des Porsche Cayenne oder BMW X5 an. Optisch weiß das SUV zu polarisieren: Ausgeprägte Kotflügelwölbungen vermischen sich mit einem grimmigen Scheinwerferblick und einer coupéhaften Dachlinie zu einem eigenständigen Anblick. Ob der FX gefällt, liegt im Auge des Betrachters, wir finden, er bringt eine eigenständige Note mit. Wenig praxistauglich ist jedoch die üppige Breite von 1,92 Meter, womit sich der Edel-Japaner allerdings in guter Gesellschaft befindet: Sowohl der BMW X5 als auch der Porsche Cayenne sind nochmals fast zwei Zentimeter breiter.

Sauber gemacht
Im Innenraum des FX empfängt uns viel Leder, die Verarbeitung ist ohne Fehl und Tadel. Allerdings könnten manche der verwendeten Kunststoffe höherwertiger sein. Sowohl vorne als auch hinten fällt die Beinfreiheit großzügig aus, auf der Rückbank finden trotz der schnittigen Dachform auch 1,90 Meter große Passagiere problemlos Platz. Das dicke Ende kommt im wahrsten Wortsinne beim Kofferraum: Sein Volumen fällt mit 410 bis 1.305 Liter recht bescheiden aus. Aber seien wir ehrlich: Nur die wenigsten SUV-Kunden wählen ein solches Fahrzeug, um es bis unters Dach vollzupacken.

Entspannt dieseln
Unser Hauptaugenmerk gilt dem Aggregat unter der Haube. Hier hat sich Infiniti beim Renault-Nissan-Konzernbaukasten bedient und einen Common-Rail-V6-Diesel mit 238 PS eingepflanzt. Schnell zeigt sich, dass das laufruhige Dreiliter-Aggregat in Verbindung mit der sanft schaltenden Siebenstufen-Automatik eher die gemütliche Gangart unterstützt. Laut Datenblatt steht zwar bereits bei 1.750 Umdrehungen das maximale Drehmoment von 550 Newtonmeter bereit, doch angesichts eines Leergewichts von gut 2,2 Tonnen macht der Diesel-FX einen etwas behäbigen Eindruck. Dennoch: Lahm ist der große Edel-Japaner nicht. Nach 8,3 Sekunden sind 100 km/h erreicht, maximal sind 212 km/h möglich. Vielmehr fehlt ihm der Punch vergleichbarer deutscher Diesel-SUVs, man sollte den FX als komfortablen Gleiter ansehen. Überzeugend fiel der Verbrauch auf unserer kurzen Testrunde über Landstraßen und Autobahnen aus: Mit durchschnittlich 10,2 Liter auf dem Bordcomputer waren wir nicht weit vom Papierwert weg, der bei neun Liter liegt.

Flink auf allen Vieren
Eine überraschende Seite zeigt der FX auf den verschlängelten Straßen in den Bergen um Barcelona. Zur Auswahl stehen zwei Ausstattungen: Während die GT-Ausstattung auf Komfort setzt, bringt die S-Ausstattung serienmäßig eine aktive Hinterradlenkung mit. Damit ausgerüstet, lässt sich das wuchtige Auto präzise durch die Kurven lenken und legt eine vorzügliche Agilität an den Tag. Dazu trägt die exakte Lenkung ihren Teil bei, einige Fahrer könnten diese jedoch als etwas schwergängig empfinden. Minuspunkte sammelt die S-Version des FX beim Abrollkomfort, da hier breite 21-Zöller montiert sind, die Fahrbahnunebenheiten zu den Passagieren weiterreichen. Die deutlich komfortablere Wahl in Sachen Geschmeidigkeit ist ohne Frage der GT, der klar die sanftere Tour verfolgt.

Luxus-Preisknüller
Die große Stunde des Infiniti FX30d schlägt beim Preis. Den Diesel gibt es als GT ab 56.000 Euro, für den S werden 58.500 Euro aufgerufen. Schon hier ist die Serienausstattung reichhaltig, praktisch komplett kommen die Premium-Versionen für 61.700 Euro respektive 64.200 Euro daher: Hier sind selbst Dinge wie ein Festplatten-Navi, ein aktiver Spurhalteassistent, ein Abstandsregeltempomat und Bi-Xenon-Scheinwerfer serienmäßig an Bord. Einziges aufpreispflichtiges Extra ist die Metalliclackierung. Im Vergleich dazu die Preise der deutschen Konkurrenz: Der Audi Q7 3.0 TDI tiptronic mit 240 PS startet bei 53.300 Euro, BMW ruft für den X5 xDrive35i Automatic 54.900 Euro auf. Das klingt auf den ersten Blick preiswert, will man aber die Ausstattung auf das FX-Niveau bringen, ist man locker mit 70.000 Euro dabei. Einzigartig ist Infinitis Hol- und Bringservice im Umkreis von 250 Kilometern innerhalb der ersten drei Jahre, der indes momentan noch notwendig ist: Die bislang einzigen Verkaufszentren der Marke stehen momentan in Hamburg und Dresden.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Mit dem Diesel unter der Haube mausert sich der Infiniti FX zu einer interessanten Alternative für Individualisten. Der Selbstzünder bietet ausreichend Kraft und bleibt dabei akustisch zurückhaltend. Das wichtigste Argument für den noblen Japaner ist ohne Frage das Preis-Leistungs-Verhältnis inklusive eines sehr persönlichen Kundenservices. Ungewiss bleibt hingegen der Wiederverkaufswert, auch die Optik dürfte nicht jedermanns Sache sein. Doch dafür sieht man einen FX auch noch selten, wobei sich das mit dem neuen Diesel bald ändern könnte.

  • Antrieb
    90%
    laufruhiger Motor
    untenrum fehlt es an Biss
  • Fahrwerk
    85%
    exakte Lenkung
    eingeschränkter Abrollkomfort (S-Version)
  • Karosserie
    80%
    gutes Platzangebot
    schlechte Sicht nach hinten
  • Kosten
    90%
    reichhaltige Serienausstattung
    akzeptabler Verbrauch

Preisliste


Infiniti FX30d GT

Grundpreis: 56.000 Euro
Modell Preis in Euro
S 58.500
S Premium 64.200
GT Premium 61.700
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (inklusive Heizung)
Klimaautomatik Serie (Zwei-Zonen)
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation 2.400 (Serie bei Premium)
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach Serie
Metalliclackierung 900
Leichtmetallfelgen Serie (20 Zoll, 21 Zoll bei S)
Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer)
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie
Xenonlicht Serie
Kurvenlicht Serie
Nebelscheinwerfer Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Diesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.993 
Leistung in PS 238 
Leistung in kW 175 
bei U/min 1.750 
Drehmoment in Nm 550 
Antrieb Allradantrieb 
Gänge
Getriebe Automatik 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.635 
Spurweite hinten in mm 1.640 
Radaufhängung vorn Doppelquerlenkerachse 
Radaufhängung hinten Mehrlenkerachse 
Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet 
Bremsen hinten Scheiben innenbelüftet 
Wendekreis in m 11,2 
Räder, Reifen vorn 265/50 R20 
Räder, Reifen hinten 265/50 R20 
Lenkung Geschwindigkeitsabhängige Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.865 
Breite in mm 1.925 
Höhe in mm 1.680 
Radstand in mm 2.885 
Leergewicht in kg 2.150 
Kofferraumvolumen in Liter 410 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.305 
Tankinhalt in Liter 90 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 212 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 8,3 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 9,0 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 11,2 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 7,8 
CO2-Emission in g/km 238 
Schadstoffklasse Euro 5 

Designer-Diesel