Kia Venga 1.6, Skoda Roomster 1.2 TSI und Toyota Verso-S 1.33

Zugegeben, zu den faszinierendsten Autos gehören Minivans nicht. Dennoch ergibt ein Vergleichstest gerade hier Sinn. Denn wer einen Sportwagen kaufen will, entscheidet sich nach Image und Fahrgefühl. Einen Minivan wählt man eher nach Verstand, man wägt Verbrauch, Kofferraumgröße und dergleichen ab. Wir haben den Kia Venga, den Skoda Roomster und den Toyota Verso-S mit Benzinern um die 100 PS antreten lassen.

MOTOR / GETRIEBE
Die Antriebe unserer Kandidaten sind recht unterschiedlich. Der Kia besitzt einen 1,6-Liter-Saugmotor, der Skoda einen 1,2-Liter-Turbo und der Toyota einen 1,3-Liter-Motor. Der Koreaner ist mit 125 PS das stärkste Modell, gefolgt vom Skoda mit 105 PS und von unserem Nippon-Van mit 99 PS. Anders sieht die Reihenfolge beim Drehmoment aus. Hier liegt der Skoda vorne. Wer gern mit Schwung von unten heraus fährt, ist mit dem Turbomotor des Skoda gut bedient. Allerdings setzt der Boost sehr plötzlich ein. Auf Platz zwei beim Drehmoment liegt der hubraumstarke Kia. Auch hier ist Beschleunigen aus dem Drehzahlkeller heraus gut möglich – nicht mit der Vehemenz des Skoda, dafür aber gleichmäßig. Auf Platz drei liegt der Toyota.

Sprintlahmer Toyota
In der Disziplin Sprint liegt ebenfalls der Toyota hinten: 13,7 Sekunden vergehen bis zur Tempo-100-Marke. Neben dem PS-schwachen Motor trägt die CVT-Automatik, die in unserem Testwagen verbaut war, einen Teil der Schuld. Mit manuellem Getriebe sind es aber auch noch 13,3 Sekunden. Die beiden handgeschalteten Konkurrenten benötigen mit jeweils 10,9 Sekunden deutlich weniger Zeit für den Sprint. In puncto Höchsttempo fährt der Toyota mit maximal 165 km/h ebenfalls hinterher. Der Kia schafft 182 km/h, der Roomster 184 km/h.

Verso-S: Am sparsamsten
Stark ist der Verso-S nur beim Sparen. Mit der stufenlosen Automatik ist er mit 5,0 Liter je 100 Kilometer am sparsamsten. Der Roomster braucht 5,7 Liter, der Kia 6,2 Liter. Auch in der Praxis brauchte der Toyota mit 7,3 Liter am wenigsten, gefolgt vom Kia (8,2 Liter) und dem Skoda mit stolzen 9,9 Liter. Bei Toyota gibt es auch die ausgefeiltesten Spritsparanzeigen: Hier zeigt das große Display in der Mittelkonsole den aktuellen Spritverbrauch im Minutentakt an. Unser Toyota ist genau wie unser Venga mit einer optionalen Start-Stopp-Automatik ausgerüstet. Beim Skoda ist ein solches System nicht verfügbar.

CVT-Getriebe mit typischen Eigenarten
Die Schaltgetriebe des Kia und des Skoda lassen sich problemlos nutzen, doch das CVT des Toyota ist etwas eigen: In der Stadt fährt man damit angenehm stressarm und ruhig – man muss halt nicht schalten. Aber beim starken Beschleunigen wird es in dem Wagen schnell laut. Insgesamt gefallen uns in der Kategorie Motor und Getriebe der Kia und der Skoda am besten. Für den Toyota spricht der niedrige Verbrauch.

FAHRWERK / LENKUNG
Das Fahrwerk eines Minivans muss natürlich nicht den gleichen Maßstäben genügen wie das eines Sportwagens oder einer Oberklasse- Limousine. Mit den kleinen Fahrzeugen wird meistens gemäßigt gefahren – also nicht sportlich, sondern magenschonend. Und man legt keine großen Strecken zurück, weil der Kofferraum für die große Familienreise zu klein ist. Es sollte aber für den Tagesausflug reichen, und das Fahrwerk muss genug Sicherheitsreserven bieten. Wenn sich bei einer Regenfahrt eine Kurve unerwartet zuzieht, kann man sonst auch bei familientauglichem Tempo in Schwierigkeiten geraten. Diesen Anforderungen genügen unsere drei Testkandidaten. Alle drei sind serienmäßig mit ESP ausgestattet. In puncto Kurvenneigung schlägt sich der Skoda am besten, gefolgt vom Kia und dann vom etwas wackeligen Toyota. Alle drei Kandidaten besitzen – im kleinen Segment nicht unbedingt selbstverständlich – auch hinten Scheibenbremsen.

Wenig direkte Lenkungen
Die Lenkung ist bei allen drei Autos nicht gerade direkt – das passt zur wenig sportlichen Ausrichtung. Hier kommt es nicht darauf an, dass man mit wenig Kurbelei um Pylonen wedeln kann, sondern eher auf gute Manövrierfähigkeit im Alltag und eine Fehler verzeihende Charakteristik. Bei böigem Seitenwind bedeutet das allerdings, dass man für die nötigen Kurskorrekturen ordentlich am Lenkrad drehen muss. Insgesamt macht die Lenkung des Skoda den besten Eindruck, sie ist nicht ganz so leichtgängig wie bei den Konkurrenten von Toyota und Kia.

KAROSSERIE / INNENRAUM
Der Skoda Roomster sieht in der Seitenansicht aus wie in der Mitte zusammengeleimt: Vorne ist er Kleinwagen, hinten Kastenwagen. Deutlich besser gefallen uns der Toyota Verso-S und der Kia Venga, wobei der Japaner eher kantig ausfällt, der Koreaner eher rundlich. Der Roomster misst 4,24 Meter und ist damit der größte unter unseren Kleinen. Runde 20 Zentimeter kürzer ist der Kia Venga mit 4,07 Meter, und der Toyota ist mit 3,99 Meter der Kleinste, damit aber auch der Einparkkönig. In der Praxis fällt auf, dass der Toyota zwar den kleinsten Radstand, aber den größten Wendekreis hat: 11,4 Meter stehen im Datenblatt, Skoda und Kia kommen mit 10,4 beziehungsweise 10,5 Meter leichter um die Biegung.

Cockpit bei Kia am schicksten
Im Innenraum bieten alle drei Autos eine ordentliche Materialanmutung und ein annehmbares Design. Der Skoda wirkt in der von uns gefahrenen Version etwas düster, da hier fast alles schwarz ist. Mehr Elemente im Metallic-Look bieten der Toyota und der Kia. Im Toyota gefallen uns die etwas grobschlächtig wirkenden Klimaregler weniger. Am schönsten ist das Cockpit des Kia gestaltet. Die Sitze bieten bei allen drei Kandidaten recht wenig Seitenhalt – das passt zum familiären Lebenszweck der Autos.

Am meisten Beinfreiheit im Skoda
Im Fond sitzt man in allen drei Wagen auch als Erwachsener gut. Weitaus am meisten Beinfreiheit bietet der Skoda, vorausgesetzt man lässt sich auf einem der beiden längs verschiebbaren Außenplätze nieder und rückt nach hinten. Auch beim Kia lassen sich die Fondsitze längs verschieben, allerdings nicht ganz so weit und auch nicht einzeln, sondern asymmetrisch geteilt. Hier ist die Beinfreiheit am zweitbesten, gefolgt vom Toyota, wo sich die zweite Reihe nicht verschieben lässt. Dafür ist die Kopffreiheit hier am größten.

Ausbauen oder drinlassen?
Auch sonst haben unsere Minivans unterschiedliche Innenraumkonzepte. Beim Roomster lassen sich die Rücksitze wickeln sowie ausbauen. Das heißt, man klappt die Lehnen auf die horizontalen Sitzpolster und bewegt dann dieses Sandwich in die Senkrechte. Dann wird der Sitz gegen das Zurückklappen gesichert, indem man ihn per Expander an der vorderen Kopfstütze einhakt. Oder man löst eine Arretierung und nimmt die Sitze einzeln heraus. Durch dieses System – und auch wegen der großen Länge und Höhe – bietet der Roomster am meisten Kofferraum

Stofflappen abschneiden
In die anderen beiden Fahrzeuge passt deutlich weniger. Dafür ist das schweißtreibende Ausbauen hier unnötig: Die Sitzlehnen werden nach vorn gelegt, und schon hat man einen fast ebenen Ladeboden – zumindest, wenn das serienmäßige Einlegebrett in die obere Position bewegt wird. Beim Toyota lässt sich der Boden durch eine Schiene sogar mit einer Hand positionieren, während beim Kia immer etwas Fummelei nötig ist. Aber auch beim Toyota gibt es ein nerviges Detail: An der Gepäckraumabdeckung hängen Stoffstücke, die an der losen Seite per Klettverschluss an die Rücksitze geheftet werden müssen, um keinen Spalt entstehen zu lassen. Wenn es unser Auto wäre, würden wir eine Schere nehmen und die nervigen Fetzen abschneiden.

AUSSTATTUNG / PREIS
Für die kostenbewusste Minivan-Kundschaft werfen wir einen kritischen Blick in die Preislisten. Vergleicht man die Versionen mit Schaltgetriebe, kommt man beim Verso-S 1.33 am günstigsten weg. Ihn gibt es schon ab 14.950 Euro. Mit unserem CVT-Getriebe und Life-Ausstattung zahlt man schon 18.225 Euro. Den Venga 1.6 Vision gibt es für 16.980 Euro, und der Roomster mit 105 PS kostet in der von uns gefahrenen Scout- Version sogar 18.850 Euro.

Klimaanlage und CD-Radio bei allen
Alle drei Autos sind für die Klasse sehr gut ausgestattet. In puncto Sicherheit bieten alle drei Kandidaten ESP und mindestens sechs Airbags – der Toyota hat zusätzlich noch einen Fahrer-Knieairbag. Den Komfort erhöhen bei allen drei Wagen eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrische Fensterheber vorne, ein CD-Radio und eine Klimaanlage. Elektrisch einstellbare Außenspiegel sind beim Skoda Roomster Scout und beim Toyota Verso-S Life Serie, während beim Kia Venga Vision Handarbeit angesagt ist. Der Skoda hat zusätzlich noch Nebelscheinwerfer und 17-Zoll-Alufelgen serienmäßig. Der Toyota besitzt dafür – außer der CVT-Automatik inklusive Schaltpaddles am Lenkrad – einen großen Farbmonitor mit Rückfahrkamera und ein Multifunktionslenkrad. Beim Kia gibt es keine zusätzliche Serienausrüstung, so dass dieses Modell in puncto Ausstattung am schlechtesten abschneidet. Die Vielfalt der Ausstattungsversionen und die Auswahl an Extras ist beim Skoda am größten, beim Toyota am kleinsten.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Kia und Skoda liegen vorne, was den Vortrieb angeht. Der automatikbewehrte Toyota ist dafür sehr sparsam. Beim Fahrwerk wirkt der Japan-Van weniger wankstabil als die Konkurrenz. Das Innenraumkonzept gefällt uns beim Kia am besten, knapp vor dem Toyota. Der Skoda verdient Lob für das große Kofferraumvolumen. In puncto Preis liegt der Toyota vorne, wenn man die Schaltversionen vergleicht, ansonsten der Kia. Insgesamt hat uns der Venga am besten gefallen.

  • Kia Venga 1.6
    90%
    schwungkräftiger Motor
    stimmigstes Innenraumkonzept
  • Skoda Roomster 1.2 TSI
    90%
    viel Schwung durch Turbo
    höchster Verbrauch
  • Toyota Verso-S 1.33 Multidrive S
    80%
    sparsam
    wird beim Beschleunigen sehr laut

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