Lancia Flavia Cabriolet: So fährt sich der Italo-Ami

Mit offenem Dach in der warmen Sonne cruisen, zu viert einen Ausflug zum Strand unternehmen und auf dem Weg dort hin am Straßencafé einen Espresso genießen: So stellen wir uns Dolce Vita – das süße Leben – vor. Zumindest für die ersten beiden Punkte bringt Lancia jetzt mit dem neuen Cabriolet namens Flavia den geeigneten Wagen mit. Ob wir uns dafür erwärmen können, haben wir getestet.

Geschwister: Chrysler 200 und Lancia Flavia
Genau genommen sind sowohl der Name, als auch das Auto vertraut. Lancia hatte bereits von 1960 bis 1970 eine Limousine und ein Coupé namens Flavia im Programm. Das viersitzige Cabrio, das heute den Namen wieder aufleben lässt, wurde gemeinsam mit der US-amerikanischen Lancia-Schwester Chrysler entwickelt und trägt in den USA den Namen 200. Dieser wiederum ist der Nachfolger des auch hierzulande bekannten Chrysler Sebring.

Zwillinge: Chrysler 200 und Lancia Flavia
Optisch sind 200 und Flavia, abgesehen von den verschiedenen Markenlogos gleich. Während Chrysler allerdings die Kunden vor die Wahl zwischen einem Vierzylinder und einem V6, einem Stoff- und einem Stahl-Klappdach stellt, bietet Lancia nur eine einzige Variante an. Als Herz schlägt ein 2,4-Liter-Vierzylinder-Otto mit 170 PS, dessen Kraft eine Sechsgang-Automatik verwaltet. Vor Witterung schützt eine Stoffmütze. Dafür muss man sich aber auch nicht lange mit einer Sonderausstattungsliste beschäftigen: Es gibt keine. Für 36.900 Euro ist der Lancia mit feinen Extras voll gepackt, selbst Ledersitze, Navigationsgerät und Klimaautomatik sind ab Werk dabei.

Blitzender Auftritt
Im Schein der Sonne, die im sizilianischen Taormina bei der Pressevorstellung Lufttemperaturen um die 32 Grad erzeugt, sind wir vom Flavia fast geblendet. Chrom blitzt vom Kühlergrill, von Zierleisten an Front und Heck, den Türgriffen und den Spiegelgehäusen. 18-Zöller verbinden die Karosserie mit dem Asphalt und lassen das immerhin 4,95 Meter lange Cabriolet selbstbewusst auftreten. Vorn sieht der Flavia dank schmaler Scheinwerfer schick aus, die Heckpartie ist unserer Meinung nach ein wenig zu wuchtig geraten.

198 bis 377 Liter Stauraum
Unter der großen Kofferraumklappe, die beim Öffnen etwas mehr Muskelkraft als gewöhnlich erfordert, findet das Textildach ein zeitweiliges Zuhause. Hier hinein faltet sich das Verdeck zu einem Paket, unter dem ein magerer Stauraum von 198 Liter bleibt. Dort lassen sich flache Reisetaschen oder Koffer unterbringen, für einen Wochenendausflug zu zweit reicht es aber allemal. Bei geschlossenem Wagen lässt sich das Gepäckabteil auf 377 Liter vergrößern, indem eine Abdeckung nach oben geklappt wird.

Ordentlich aufgeräumt
Das Cockpit des luftigen Italieners ist übersichtlich gestaltet, in der Mittelkonsole sind die wenigen Schalter und Knöpfe ordentlich aufgeräumt. Das große Display des Navigationssystems findet sich im oberen Bereich der Konsole und ist gut ablesbar. Eine kleine Analoguhr bildet einen Blickfang in der Mitte der Armaturentafel. Vorn ist der Flavia ein wenig eng, so muss man die Hand zwischen Türinnenseite und Sitze zwängen, um die Taste für die elektrische Verstellung zu erreichen. Dafür ist der Gurt in die Lehne integriert. Dies hat beim Angurten weniger Verrenkungen als bei anderen Zweitürern zur Folge. Das Gestühl selbst ist bequem, gibt aber wenig Seitenhalt und auch die Oberschenkelauflage ist etwas kurz geraten. Im Fond sitzen auch zwei Erwachsene nicht wie in einer Sardinenbüchse, da es für die Schultern überraschend viel Platz gibt und die Kopffreiheit selbst bei geschlossenem Dach noch ausreicht. Der Radstand von 2,77 Meter verschafft eine akzeptable Kniefreiheit.

Dach öffnet und schließt nur im Stand
28 Sekunden braucht das Dach nach Tastendruck in der Mittelkonsole oder per Fernbedienung am Schlüssel, um den Himmel über den Fahrgästen erscheinen zu lassen. Wir lassen die Mütze im Heck verschwinden, versenken die Seitenscheiben und klappen das Windschott auf, das wir vorher über den Rücksitzen montiert haben. Bei unserer Tour über Landstraßen und durch Ortschaften sitzen wir in dieser Konstellation an der frischen Luft, empfinden den Zug aber nicht als störend. Auf der Autobahn fahren wir ab etwa 140 km/h die Seitenscheiben hoch, da dann der Wind unangenehm wird. Wir verlassen die Autobahn und fahren rechts ran, um das Dach zu schließen. Das funktioniert leider nur im Stand und verhindert damit, bei beginnendem Regen im Stop-and-go-Verkehr mal fix die Mütze übers Auto zu ziehen. Dafür ist der Flavia mit geschlossenem Verdeck innen angenehm leise.

Zähe Beschleunigung
Die Kombination aus 170-PS-Otto und Automatikgetriebe lässt den Status des Flavia nur wenig über den eines Cruisers hinauswachsen. Beim Losfahren kommt der Flavia nur zäh aus dem Drehzahlkeller und auch Zwischenspurts absolviert das Cabrio nicht besonders spritzig. 10,8 Sekunden braucht der Wagen auf Tempo 100, die Spitze ist bei 195 km/h erreicht. Während der Motor bei entspannter Gangart schön leise im Hintergrund bleibt, wird er beim Beschleunigen mit Vollgas laut und klingt hörbar angestrengt. Das treibt auch den Verbrauch in die Höhe: Lancia nennt einen Durchschnittswert von 9,4 Liter, wir haben bei straffer, aber nicht übertrieben ambitionierter Fahrweise 14 Liter am Bordcomputer abgelesen. Die Automatik wechselt bei normaler Fahrt ihre Stufen sanft, sie kann auch sequenziell am Hebel mit der Hand geschaltet werden, das ist aber eine Option, die man bei einem sanften Cabrio nicht unbedingt braucht.
Komfortabel gefedert
Federn und Dämpfer des Fahrwerks wurden eigens für europäische Verhältnisse straffer abgestimmt als beim Chrysler 200. Dank dieser Modifikationen ist der Flavia nicht so weich wie mancher Ami ausgelegt, aber dennoch komfortabel gefedert. Querrillen werden allerdings recht spürbar gemeldet und auch die Verwindungssteifigkeit ist nicht besonders gut. Die Lenkung ist ebenfalls für hiesige Verhältnisse abgestimmt, dürfte aber gern noch direkter sein.

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Betrachtet man den Komplett-Preis und die gute Ausstattung, ist der Flavia ein super Angebot im Vergleich zur deutschen Konkurrenz in dieser Klasse. Ein Audi A5 Cabriolet 1.8 TFSI multitronic mit 170 PS kostet 40.950 Euro, der BMW 320i Cabriolet mit Automatik und 170 PS ist erst ab 43.390 Euro zu haben und ein 184 PS starker Mercedes E 200 BlueEfficiency 7G-Tronic gar erst ab 48.820 Euro.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Der Flavia sei jenen empfohlen, die einen sanften Cruiser für warme Tage suchen. Man sitzt bequem, recht zugfrei auch bei höheren Geschwindigkeiten und selbst zwei Erwachsene im Fond können eine längere Strecke kommod reisen. Wer allerdings ein sportliches Cabrio sucht, wird mit dem Italo-Ami nicht glücklich: Trotz 2,4-Liter-Maschine und 170 PS wirkt der Wagen in Verbindung mit der Automatik etwas untermotorisiert. Wünschenswert wäre hier der V6, der im amerikanischen Zwilling Chrysler 200 angeboten wird. Die sehr gute Ausstattung und der vergleichsweise günstige Preis können die Kritikpunkte jedoch wieder aufwiegen.

  • Antrieb
    70%
    Motor beim Cruisen leise
    Durchzug von unten raus zu zäh
  • Fahrwerk
    90%
    komfortabel gefedert, aber nicht zu weich
    Querrillen werden deutlich gemeldet
  • Karosserie
    85%
    ausreichend Platz im Fond
    Dach nicht während der Fahrt zu bedienen
  • Kosten
    90%
    vergleichsweise günstiger Anschaffungspreis
    Optionen nicht wähl- oder abwählbar

Preisliste


Lancia Flavia

Grundpreis: 36.900 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Metalliclackierung Serie
Leichtmetallfelgen Serie (18 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie
Nebelscheinwerfer Serie
elektrischer Verdeckantrieb mit Fernbedienung Serie
Multifunktions-Lederlenkrad Serie
Boston Acoustics Soundsystem mit 276 Watt, sechs Lautsprechern Serie
schlüsselloses Eintritts- und Startsystem Serie
Bluetooth-Freisprecheinrichtung Serie
Wärmeschutzverglasung und beheizbare Heckscheibe Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Ottomotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.360 
Leistung in PS 170 
Leistung in kW 125 
bei U/min 4.500 
Drehmoment in Nm 220 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Automatik 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.570 
Spurweite hinten in mm 1.570 
Radaufhängung vorn McPherson Einzelradaufhängung, Federbeine mit hydraulischen Teleskopstoßdämpfern, Querstabilisator 
Radaufhängung hinten Multilink-Einzelradaufhängung, hydraulische Teleskopstoßdämpfer, Schraubenfedern, Querstabilisator 
Bremsen vorn Scheiben, innenbelüftet 
Bremsen hinten Scheiben 
Wendekreis in m 11,6 
Räder, Reifen vorn 215/55 R18 
Räder, Reifen hinten 215/55 R18 
Lenkung Zahnstange mit hydraulischer Unterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.947 
Breite in mm 1.843 
Höhe in mm 1.479 
Radstand in mm 2.770 
Leergewicht in kg 1.856 
Kofferraumvolumen in Liter 377 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 198 (bei geöffnetem Dach) 
Tankinhalt in Liter 64 
Kraftstoffart Benzin 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 195 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 10,8 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 9,4 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 13,6 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 7,0 
CO2-Emission in g/km 221 
Schadstoffklasse Euro 5 

Dolche Vita