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Volvo S60 D4: Hart, aber herzlich

Dauertest: Wie sich der Baukasten-Motor mit 181 Diesel-PS im Alltag schlägt

Hart, aber herzlich

Henry Dinger Henry Dinger

Von: Henry Dinger

29. Jul. 2014 um 15:47 Uhr

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Volvo ist mächtig im Aufwind. Und dabei wollte daran vor ein paar Jahren niemand so recht glauben. Als das Unternehmen im Jahr 2010 von Ford an den chinesischen Auto- und Motorradhersteller Geely verkauft wurde, liefen den Fans bittere Tränen über die Wangen. ,Ausgerechnet die Chinesen! Das ist der Untergang von Volvo!", stöhnten sie. Doch weit gefehlt: Seit längerem ist das Firmenkonto fett im Plus. Ein viel schickeres Design und neue, sparsamere Downsizing-Motoren bringen den Hersteller auf einen stabilen Kurs. Das Rezept heißt: Weg mit den Fünf- und Sechszylindern, her mit dem Motoren-Baukasten. In dem gibt es einen Vierzylinder-Block mit zwei Liter Hubraum und Standard-Komponenten wie Lichtmaschine, Ölwanne und Kurbelwelle. Aus diesen Teilen werden Dieselmotoren, Ottoantriebe und Hybrid-Systeme gebaut, die Leistung wird je nach angestrebter PS-Zahl von einem oder zwei Turboladern erpresst. Als Getriebe sind eine Sechsgang-Handbox und ein Achtgang-Automat zu haben.

181-PS-Diesel und Achtgang-Automat
Das klingt nach viel Vernunft, wenig Spaß und überhaupt nicht mehr nach dem Fünfzylinder-Grummeln, dass Fans an Volvo so lieben. Wir wollten wissen, wie sich der neue Vierzylinder im Alltag schlägt und diese Frage mit dem 181 PS starken Diesel, gekoppelt an die Achtgang-Automatik, im S60 D4 klären. Damit der Testwagen ein bisschen rassiger wird, haben wir das R-Design-Paket mit Sportfahrwerk und noch mehr feinen Besonderheiten (zu denen wir im Einzelnen noch kommen werden) sowie der mittleren Ausstattungslinie Momentum bestellt. Obendrauf kommen noch ein Multimediasystem mit Navigation und Bluetooth-Anbindung fürs Handy, ein Assistenzpaket mit Abstandstempomat und anderen nützlichen Helfern, sowie elektrisch einstellbare Vordersitze. Um es kurz zu machen: Das Auto ist bestens ausgestattet, allerdings in der Summe auch 55.000 Euro teuer. Ob sich das lohnt?

Bequeme Sportsitze
Unser blauer Begleiter – die Farbe heißt übrigens ,Rebel blue" und ist auf jeder Straße DER Blickfang – kommt dank R-Paket vorn standesgemäß mit Sportsitzen, die mit Leder und Alcantara bezogen sind. Das Gestühl ist bequem gepolstert, gibt aber dennoch straffen Halt. Bei den Redaktionskollegen ist der Schwede deswegen sehr gefragt – die Sitze spielen ihre rückenschonenden Trümpfe auf langen Strecken aus.

Anzeigen-Farbe einstellbar
Das Lenkrad ist ebenfalls eine R-Sportausführung mit schicken Alu-Speichen und griffigen Mulden auf drei und neun Uhr. Dahinter sitzt ein mittiges Rundinstrument mit weiteren seitlichen Anzeigen. Es stellt, je nach Einstellung (Eco, Elegance oder Performance), den Tacho oder den Drehzahlmesser dar. Beim Umschalten ändern sich die Farben der Beleuchtung – im Performance-Modus strahlt es aufregend rot, im Elegance-Modus gibt's ein leuchtendes Blau und der Eco-Modus wird grün schimmernd symbolisiert. Das ist eine nette Spielerei – und ausschließlich was fürs Auge. Beim Bedienkonzept sammelt der sonst ergonomisch eingeräumte Schwede ein paar Minuspunkte. So sind die Tasten in der Mittelkonsole recht klein geraten und einige auch ziemlich weit unten. Dadurch muss man den Blick kurz von der Straße nehmen, um die Klimaanlage zu regulieren oder die Lenkradheizung einzuschalten.

Straffes Sportfahrwerk
Das R-Sportfahrwerk bringt die Karosserie 15 Millimeter näher an den Asphalt. Und spaltet die Gemüter. Wer gerne durch Kurven jagt, lobt die stabile, wankarme Straßenlage. Aber wer oft über Land cruist, kritisiert die straffe Dämpfung, da Querrillen spürbar nach innen gemeldet werden. Die Lenkkraft kann in drei Stufen eingestellt werden. Für Spaß auf der Serpentinenstrecke empfehlen wir die härteste Variante, dann reagiert das Auto recht direkt auf Lenkradbewegungen. In den anderen beiden Einstellungen könnte mehr Feedback von der Straße kommen.

Laufruhiger, starker Diesel
Der laufruhige Diesel ist eine feine Sache: Die Maschine tritt druckvoll an, zieht kräftig aus dem Tourenkeller hoch und hat für Zwischenspurts jede Menge Drehmoment in petto. 7,4 Sekunden auf Hundert und 230 km/h Spitze sind respektable Werte. Der Vierzylinder ist leise und klingt nur wenig nach einem Selbstzünder. Und das nicht nur außen, sondern auch innen. Klar, der alte Fünfzylinder hatte einen schönen sonoren Klang. Vermissen kann man den schon, aber letztendlich setzt sich bei Volvo der Fortschritt durch. Wir können den D4 empfehlen, auch wenn das Auto im Alltag nicht ganz so sparsam ist, wie von Volvo angegeben – 4,2 Liter auf 100 Kilometer –, aber mit unseren 6,4 Liter im Durchschnitt sind wir zufrieden. Eine gute Wahl ist der 2.250 Euro teure Achtgang-Automat: Dass er arbeitet, ist bei normaler Fahrt nur am Zucken der Tourenzählernadel zu sehen. Und selbst bei Vollgas fühlen sich die Gangwechsel bloß wie nettes Rückenklopfen an. Gegen 190 Euro zusätzlich gibt's Wippen fürs Handschalten am Lenkrad, aber die braucht man gar nicht unbedingt.

Stauraum ist ausreichend vorhanden
Im Fond des Schweden ist genügend Raum, nur große Menschen beklagen etwas wenig Kopffreiheit. Der Kofferraum fasst 380 Liter und bietet für den Alltag ausreichend Platz. Dass die Laderaumöffnung auf den ersten Blick etwas eng geschnitten scheint, stört nicht weiter. Für die Familien-Wochenend-Einkäufe empfiehlt es sich, die Rücklehnen mit zwei Handgriffen zu entriegeln und somit den kompletten Fond zum Verstauen von Kisten und Kästen zu nutzen. Wir haben es öfter so praktiziert und waren jedes Mal erstaunt, wie viel wir doch in das Mittelklasseauto packen konnten.

Fast 55.000 Euro
Der Testwagen-Preis von den eingangs erwähnten 55.000 Euro ist schon ein stolzer Wert, schließlich kostet der billigste S60 D4 nur 33.750 Euro. Könnte man bei der Konfiguration etwas weglassen? Ja. Möglicherweise die elektrische Frontsitz-Verstellung für 1.600 Euro. Aber dann wird es schwierig. Das R-Design-Paket kostet 2.500 Euro, macht aber den Schweden optisch und technisch zum heißen Eisen. Sinnvoll ist auch das 2.150 Euro teure Fahrassistenzpaket mit Abstandstempomat, Notbrems- und Spurhalte-Assistent. Die Achtgang-Automatik? Bloß nicht streichen! Diese sanften Gangwechsel sind einfach Pflicht.

Wertung

Preisliste

Volvo S60 D4 Momentum

Grundpreis: 37.950 Euro

Modell Preis in Euro Testwagenpreis mit Automatik und Extras (2014) 54.850 Euro

Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie Klimaautomatik Serie Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe 2.250 Bildschirmnavigation (im Business-Pro-Paket) CD-Radio Serie MP3 Serie elektr. Schiebedach 1.050 Metalliclackierung 400 (Testwagen in Rebel Blue) Leichtmetallfelgen Serie (18-Zoll bei R-Design) Sitzhöheneinstellung Serie Tempomat Serie Lederausstattung (im R-Design-Paket) Xenonlicht 1.370 Kurvenlicht bei Xenon dabei

Business-Paket-Pro inkl. Radio, CD, DVD, Bluetooth-Freispecheinrichtung, acht Lautsprecher, Sieben-Zoll-Farbdisplay, AUX/USB-Anschluss, kompatibel mit Apple-Geräten, Sprachsteuerung, Modem, Notruf, WiFi-Hotspot, 3D-Navi u.v.m. 1.800 Fahrerassistenzpaket Pro inkl. Abstandstempomat, Notbremssystem, Stau-Folgeassistent, Distanzwarner, Aufmerksamkeitswarner, Killissionswarner, Spurhalteassistent, Verkehrschilderkennung, Warnung vor Querverkehr beim Ausparken, Warnung vor schnell nahenden Autos beim Spurwechsel, Intelligenter Fernlichtassistent u.v.m. 2.150 R-Design-Paket mit Aluminiumapplikationen innen, Chromapplikationen außen, digitale Instrumente, R-Design-Frontgrill, -Außenspiegel, -Schürzen, -Pedale, -Sportsitze, Sportfahrwerk (- 15 mm), Sportlenkrad u.v.m. 2.500 Sitze vorn mit Memory 1.590 Premium-Sound 1.150 Schaltwippen am Lenkrad 190 Rückfahrkamera 480 Lenkradheizung 250 Park Assist Pilot 590

Datenblatt

Motor und Antrieb Motorart Reihen-Turbo-Dieselmotor  Zylinder 4  Ventile 4  Hubraum in ccm 1.969  Leistung in PS 181  Leistung in kW 133  bei U/min 1.750-2.500  Drehmoment in Nm 400  Antrieb Frontantrieb  Gänge 8  Getriebe Automatik  Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.585  Spurweite hinten in mm 1.575  Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung, McPherson-Federbeine, untere Dreieckslenker  Radaufhängung hinten Multi-Link-Einzelradaufhängung  Bremsen vorn Scheiben, innenbelüftet  Bremsen hinten Scheiben  Wendekreis in m 11,5  Räder, Reifen vorn 235/40 R18 (R-Design; Testwagen)  Räder, Reifen hinten 235/40 R18 (R-Design; Testwagen)  Lenkung elektrische Zahnstangen-Servolenkung  Maße und Gewichte Länge in mm 4.635  Breite in mm 1.484  Höhe in mm 1.865  Radstand in mm 2.776  Leergewicht in kg 1.701  Zuladung in kg 369  Kofferraumvolumen in Liter 380  Anhängelast, gebremst in kg 1.800  Dachlast in kg 75  Tankinhalt in Liter 67,5  Kraftstoffart Diesel  Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 230  Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 7,4  EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 4,2 (4,1 mit RoWi-Reifen)  EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 5,0 (4,9 mit RoWi-Reifen)  EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 3,7 (4,1 mit RoWi-Reifen)  Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 6,4  CO2-Emission in g/km 109  Schadstoffklasse Euro 6 

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