Verfeinerter Seat Ibiza Cupra als Fahrmaschine

So muss sich Sébastien Ogier wohl des Öfteren fühlen. Vor uns liegt eine abgesperrte Bergstrecke im Herzen Kataloniens. Streckenposten, Polizei, ein Krankenwagen – hier wird nichts dem Zufall überlassen. Wir sitzen im neuen Seat Ibiza Cupra. Er ist Spaniens Antwort auf VW Polo GTI, Ford Fiesta ST und Opel Corsa OPC. Der sportlichste Ableger der Ibiza-Familie kommt ab Anfang 2016 in der vierten Generation nach Deutschland. Mit ihm: ein neuer Motor, ein neues Getriebe und eine ordentliche Portion Fahrspaß. Gentlemen: start your engines.

Mehr Power und besserer Durchzug
Die Strecke ist frei. Wir schieben den ersten von sechs Gängen in die obere, linke Position. Der rechte Fuß spielt mit dem Gaspedal, der linke lässt die Kupplung fliegen. Die 192 PS des neuen 1,8-Liter-Turbomotors zerren an der Vorderachse. 320 Newtonmeter katapultieren uns hinaus auf die lange Gerade, die zur ersten lang gezogenen Linkskurve führt. Die Werksangabe von 6,7 Sekunden auf Tempo 100 scheint erreichbar. Die Operation ,Triebwerk" – der Cupra kann nun auf 12 PS und 70 Newtonmeter mehr zurückgreifen als der 1,4-Liter-Vorgänger – hat dem spanischen Flitzer auf jeden Fall gut getan.

Hervorragendes Fahrwerk und feiges ESP
Dank dem adaptiven Fahrwerk mit Normal- und Sportmodus trifft uns auch die erste Kurve nicht unvorbereitet. Wo der Ibiza im Normalmodus selbst gröbere Fehler der spanischen Straßenbaufirmen souverän wegbügelt, registriert das Popometer im Sportmodus jede Information, die die Straße hergibt. Die Dämpfer- und Lenkungskennlinien passen zusammen wie Paella und Rioja – hervorragend. Der Cupra hält die Spur auch in schnellen Kurven und bei aggressiven Lastwechseln sehr ruhig. Die Gutmütigkeit lässt sogar Zeit, kurz zu überlegen, das kurveninnere Vorderrad im Straßengraben einzuhängen und so den kürzesten Weg nach oben zu finden – Monsieur Ogier lässt grüßen. Aber lassen wir das. Ein kleiner Lupfer, um das Heck für die nächste, enge Rechtskurve in Schwung zu bringen, muss reichen. Leider werden derartige Spielchen vom nicht ganz abschaltbaren ESP unterbunden – schade.

Ausreichende Schwimmsattelbremse
Na dann eben auf die harte Tour. Kurz vor der Kurve werfen wir den Anker und die Kombination aus Schwimmsätteln und 310-Millimeter großen Bremsscheiben staucht den Ibiza unter vollem ABS-Gestotter zusammen. Die Bremse macht einen soliden Eindruck, auch wenn wir uns für ein Cupra-Modell schon eine schöne Festsattelbremse wünschen würden. Für die Standfestigkeit sicher nicht die schlechteste Idee. Der Streckenposten weicht zwar noch sicherheitshalber hinter sein Auto zurück, aber da sind wir schon längst wieder auf dem Weg zur nächsten Spitzkehre.

Spaßgarant mit präzisem Getriebe
Hat man sich einmal an das recht restriktive ESP gewöhnt, kann man sich wahnsinnig weit aus dem Risiko-Fenster lehnen – nur eben nicht ganz ohne Netz und doppelten Boden. Für das wildlebende Vollgastier mag das ein Spaßkiller sein, aber den Ibiza den Berg hochzuscheuchen und sich dabei Stück für Stück an den Regelbereich heranzutasten, ohne permanent in demselben festzuhängen, macht auch irgendwie Spaß. Vor allem das Getriebe trägt einen großen Teil dazu bei. Kurze Wege, knackiges Feeling und ein angenehm geformter Schaltknauf zeigen einmal mehr, dass ein Automatik- oder Doppelkupplungsgetriebe nicht das Nonplusultra in Sachen Fahrspaß ist – Formel-1-Feeling hin oder her, zu viel Freude bereitet das Sechsgang-Getriebe im Cupra. Es war definitiv eine gute Entscheidung, das DSG vom Vorgänger über Bord zu werfen.

Rennsportoptik im Kleinformat
Oben angekommen, knistert der Ibiza zufrieden in der wärmenden Novembersonne. Es duftet nach überstrapazierten Bremsen und verbranntem Gummi – herrlich. Während der Lüfter noch etwas nachläuft, um den Turbo nicht sofort den Hitzetod sterben zu lassen, nutzen wir die Zeit, um zu verschnaufen und uns den kleinen Seat mal etwas genauer anzuschauen. Der Ibiza steht serienmäßig auf – nun auch in schwarz erhältlichen – 17-Zöllern. Hinter den Leichtmetallfelgen blitzen verräterisch die rot lackierten Bremssättel hervor. Die Schokoladenseite des Mini-Sportlers ist definitiv das Heck. Aggressiv gestaltete Heckleuchten und ein angedeuteter Diffusor samt trapezförmiger Auspuffblende in der Fahrzeugmitte verströmen Motorsport-Flair. Doof nur, dass aus der Blende zwei maximal daumengroße Endrohre herausragen – das sieht dann doch mehr nach 75-PS-Diesel aus.

Hohe Qualität im Innenraum
Im Innenraum kann der Ibiza seine enge Verwandtschaft zum Polo GTI nicht verbergen. Ist das schlimm? Keinesfalls. Die Verarbeitungsqualität ist auf Premium-Niveau, nichts quietscht, knarzt oder klappert. Die Sitze sind etwas hoch montiert, entschädigen dafür aber mit optionalem Alcantara-Bezug und vernünftigem Seitenhalt. Für das perfekte Feeling wären hier Schalensitze – wie beispielsweise im Corsa OPC – eine feine Sache. Das unten leicht abgeflachte Lederlenkrad liegt gut in der Hand und lässt sich in alle Richtungen verstellen. Das Infotainmentsystem unterstützt nun auch Smartphone-Einbindungen wie Mirrorlink, Apple CarPlay oder Android Auto. Nettes Detail: Nähert man sich mit einem oder mehreren Fingern dem Navi-Bildschirm, erkennt dieser das und blendet die Bedienfelder ein, die ansonsten zugunsten einer besseren Übersichtlichkeit verborgen bleiben. Ansonsten ist der Innenraum aufgeräumt und unspektakulär. Das Angebot an Knöpfen hält sich glücklicherweise in Grenzen.

Wo steht der Cupra im Vergleich?
Nun, wo sortieren wir den 23.060 Euro teuren Ibiza Cupra ein? Er ist weniger kompromisslos als ein Opel Corsa OPC, dafür aber natürlicher als ein Renault Clio R.S. Schicker als ein Ford Fiesta ST und sportlicher als ein Peugeot 208 GTi. Er ist exotischer als der Konzernbruder Polo GTI und verfügt serienmäßig über die adaptiven Dämpfer, die im Polo rund 290 Euro Aufpreis kosten. Wer also Wert auf hohe Verarbeitungsqualität, ,richtiges" Schalten und eine gute Optik legt, ist mit dem Ibiza Cupra gut bedient.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der Seat Ibiza Cupra hat mit dem Facelift einen großen Schritt nach vorne gemacht – vor allem in Puncto Fahrspaß. Das handgeschaltete Getriebe, die adaptiven Dämpfer und der druckvolle Motor tragen gleichermaßen dazu bei, dass der Cupra sowohl im Alltag als auch ,beim Sport" zu Hause ist.

    + sportliches Fahrwerk, knackige Schaltung, hohe Qualität

    - spaßverderbendes ESP, zu hoch montierte Sitze

  • Antrieb
    90%
  • Fahrwerk
    90%
  • Karosserie
    85%
  • Kosten
    85%

Preisliste


Seat Ibiza Cupra

Grundpreis: 23.060 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Airbagpaket 225
Kopfairbags vorn Airbagpaket 225
Kopfairbags hinten Airbagpaket 225
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaanlage Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Bildschirmnavigation Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 720
Metalliclackierung 525
Leichtmetallfelgen Serie
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung 450
Xenonlicht Serie
Kurvenlicht Serie
Nebelscheinwerfer Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Benziner mit Turbolader 
Zylinder
Ventile 16 
Hubraum in ccm 1.798 
Leistung in PS 192 
Leistung in kW 141 
bei U/min 1.450 - 4.200 
Drehmoment in Nm 320 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltung 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.449 
Spurweite hinten in mm 1.441 
Radaufhängung vorn MacPherson-Federbeine 
Radaufhängung hinten Mehrlenkerachse 
Bremsen vorn Scheiben 
Bremsen hinten Scheiben 
Wendekreis in m 10,5 
Räder, Reifen vorn 215/40 R17 
Räder, Reifen hinten 215/40 R17 
Lenkung elektrische Servolenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.055 
Breite in mm 1.693 
Höhe in mm 1.420 
Leergewicht in kg 1.260 
Kofferraumvolumen in Liter 292 
Tankinhalt in Liter 45 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 235 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,7 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,0 
CO2-Emission in g/km 139 
Schadstoffklasse Euro 6 


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