Der Gordon Murray S1 ist der moderne McLaren F1, den wir wollten
Der Südafrikaner macht aus dem S1 LM einen leichteren, puristischeren V12-GT mit aktiver Aerodynamik und Sechsgang-Handschaltung
Gordon Murray Special Vehicles hat während der Monterey Car Week den neuen S1 enthüllt – einen streng limitiertes Supercar mit V12-Motor. Aus dem S1 LM als kompromisslose Track-Version soll so ein Langstreckler werden. Mit seinem Dreisitz-Layout, der zentralen Fahrerposition, dem frei saugenden Cosworth-V12 und dem Fokus auf geringes Gewicht wirkt er in nahezu jeder Hinsicht wie ein moderner McLaren F1 – nur eben unter anderem Namen.
Der S1 basiert auf einem Monocoque aus Kohlefaser, das mit dem S1 LM verwandt ist, ersetzt dessen feststehende Aero-Anbauteile jedoch durch eine glattere Karosserie und eine aktive Heckaerodynamik. Die Bodenfreiheit wurde erhöht, das Fahrwerk komfortabler abgestimmt, dennoch soll das Zielgewicht sogar unter dem des GMA T.50 liegen, also Gordon Murrays früherem, vom F1 inspirierten Supersportwagen. Damit bewegt sich der S1 auch in einer ähnlichen Größenordnung wie die Ableger von T.33 und T.50.
Gordon Murray Special Vehicles S1
V12-Antrieb und Änderungen am Fahrwerk
Für den Antrieb sorgt ein speziell entwickelter 4,2-Liter-Cosworth-V12 mit bis zu 501 kW (681 PS), der bis auf 12.100 U/min dreht. Laut Gordon Murray liefert der Motor rund 500 Nm Drehmoment, wobei ein Großteil davon bereits bei niedrigen Drehzahlen anliegt. Im Vordergrund steht also eine kraftvolle Reaktion im realen Fahrbetrieb statt der Jagd nach Bestzeiten. Leichtbaukolben mit Siliziumkarbid-Beschichtung, Titanventile und -pleuel sowie eine Trockensumpfschmierung unterstreichen den Rennsport-Charakter.
Die Kraft des V12 wird über ein manuelles Sechsganggetriebe übertragen, dessen sechster Gang länger übersetzt ist und das dank geradlinigerer Seilführung präzisere Schaltvorgänge ermöglichen soll. Der S1 übernimmt die Spurweite des S1 LM, die leichte Fahrwerksarchitektur und die breiteren Reifen, die Bodenfreiheit steigt jedoch um etwa 10 mm, und die Dämpfer wurden für mehr Komfort neu abgestimmt. Gleichzeitig soll das präzise Lenkgefühl erhalten bleiben, das bereits frühere GMA-Modelle wie den T.33 Spider ausgezeichnet hat.
Ein integriertes aktives Aerodynamiksystem am Heck ersetzt beim S1 LM den großen feststehenden Heckflügel, den langen Frontsplitter und die tiefen Seitenschweller. Laut Gordon Murray Special Vehicles ist das Aeropaket auf Hochgeschwindigkeitsstabilität und Unterstützung beim Bremsen abgestimmt, nicht auf spektakuläre Abtriebswerte.
Der Gesamtgrip soll stattdessen vor allem aus der mechanischen Balance kommen und nicht aus einer karosserieseitigen Rennsportlösung. Die extremeren Aerodynamik-Konzepte bleiben damit Modellen wie dem T.50s mit Lüfterunterstützung vorbehalten, den GMA zuletzt als reines Track-Car weiter abgestimmt hat.
Gordon Murray Special Vehicles S1
Design, Innenraum und Produktion
Jedes Karosserieteil des S1 ist neu gestaltet. Das Ergebnis ist ein klareres Profil samt eigenständiger Lichtsignatur, das ihn vom S1 LM abgrenzt und zugleich auf die kompakte, luftwiderstandsarme Form des F1 für die Straße verweist. Die Tagfahrleuchten wandern in die Hauptscheinwerfereinheit, zusätzliche Fernlichter sitzen tief im Lufteinlass der Front und zitieren damit Murrays Monaco-Showcar von 1992. Neu sind auch leichte Felgen sowie an der A-Säule montierte Außenspiegel mit dezent integriertem Kamerasystem nach hinten.
Der Motorraum wird wie eine Vitrine inszeniert: Eine polierte Inconel-Abgasanlage und ein mit 24-Karat-Gold beschichteter Hitzeschild rahmen den V12 ein. Im Innenraum bleibt es beim Dreisitzer mit zentraler Fahrerposition und niedriger Gürtellinie, hinzu kommen jedoch mehr Leder, speziell angefertigte Stoffe, zusätzliche Akustikdämmung, überarbeitete Infotainment-Bildschirme und ein leichtes Audiosystem für lange Strecken. Fahrer können die Unterstützung der Servolenkung anpassen, außerdem ersetzen neue Flügeltüren mit versenkbaren Seitenscheiben das Lexan-Schiebefenster des S1 LM, um Ein- und Ausstieg zu erleichtern.
Professor Gordon Murray, CBE und Executive Chairman der Gruppe, bezeichnet das Auto als entspannteren Gegenpol zum S1 LM: "Das ist ein Auto, mit dem man in echtem Komfort die Küstenstraße von Los Angeles nach Monterey fahren könnte und dabei trotzdem jeden Schaltvorgang, jede Kurve und jeden Klang des V12 genießt, sobald die Straße frei wird."
Die Produktion ist weltweit auf 64 Exemplare begrenzt, jedes Fahrzeug wird individuell in Auftrag gegeben. Preise wurden nicht genannt, das Interesse dürfte jedoch auch durch Murrays frühere vom McLaren F1 inspirierte Sonderserien zusätzlich befeuert werden.
Quelle: Gordon Murray Special Vehicles
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